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Deutschland / Welt Chef Schulz bläst zum Angriff
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07:47 26.06.2017
Im Einklang mit seiner Partei: Der SPD-Vorsitzende Martin Schulz beim Programmparteitag in Dortmund. Quelle: dpa
Dortmund

Für SPD-Anhänger, die sich gefragt haben, wann Martin Schulz endlich den Straßenkämpfer gibt, von dem er pausenlos erzählt, gibt es eine gute Nachricht: jetzt.

Angriffslustig wie nie zuvor präsentierte sich der SPD-Chef und Kanzlerkandidat auf dem Parteitag in Dortmund. Mehrmals ging er die Bundeskanzlerin frontal an. Deren Wahlkampfverweigerung geißelte Schulz als „Anschlag auf die Demokratie“. Das Aufatmen der Delegierten in der Westfalenhalle war deutlich hörbar. Der Chef bläst zum Angriff. Aus Sicht der Sozialdemokraten wurde es höchste Zeit.

Die Strategie, mit der Schulz in den Wahlkampf gestartet war, war aber auch zu putzig. Zu beliebt beim Wähler sei die Kanzlerin, als dass man sie persönlich attackieren könnte, hatten die vermeintlichen Strategen des Willy-Brandt-Hauses sich und ihrem Kandidaten eingeredet. Schulz hatte sich deshalb über Wochen geweigert, den Namen Angela Merkel auch nur in den Mund zu nehmen. Stattdessen sprach er von „der Vorsitzenden der CDU“.

Die Schwächen der Kanzlerin sind offenkundig

Was für ein Fehler! In Deutschland werden Bundeskanzler nicht gewählt. Sie werden abgewählt. Das war bei Gerhard Schröder so, das war bei Helmut Kohl so. Herausforderer haben deshalb nur eine einzige Chance: Sie müssen den Amtsinhaber stellen. Müssen dessen Unzulänglichkeiten brennen, seine Widersprüche herausarbeiten. Sie müssen den Wählern regelrecht einhämmern, dass der Regierungschef keineswegs fehlerfrei ist. Und schon gar nicht alternativlos.

Und es ist ja nicht so, dass Merkel keine Angriffsfläche geboten hätte: Visionslosigkeit, Inhaltsleere, Kontrollverlust während der Flüchtlingskrise, der Dauerzoff mit der CSU, die Heuchelei beim inszenierten Versöhnungsgipfel mit Horst Seehofer im Truderinger Bierzelt – die Schwächen der Kanzlerin sind offenkundig. Martin Schulz hat spät begriffen, dass er aus diesen Schwächen eigenes Kapital schlagen muss. Immerhin: Er versucht es jetzt.

SPD steht geschlossen hinter Martin Schulz

Seiner Lage ist inzwischen deutlich schlechter, als viele – vor allem er selbst – es nach dem Höhenflug Anfang des Jahres erwartet hätten. Aussichtslos aber ist sie nicht. Die SPD steht geschlossen hinter ihrem Chef, die Kritik der letzten Wochen hat die Genossen nicht auseinander getrieben, sondern enger zusammengeschweißt. Mit Verabschiedung des Regierungspogramms weiß man, woran man bei der SPD ist. Bei der Union weiß man das nicht.

Zwar wird es Schulz nach Lage der Dinge kaum gelingen, Merkel aus dem Kanzleramt zu verdrängen. Aber ein deutlich besseres SPD-Ergebnis, als aktuelle Umfragen es nahelegen, ist für ihn drin. Das Ziel muss sein: Schwarz-Gelb zu verhindern, eine Regierung ohne SPD-Beteiligung unmöglich zu machen. Und dann eine zweite Chance zu bekommen. In vier Jahren. Wenn Merkel in den Ruhestand geht.

Von Andreas Niesmann

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