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Deutschland / Welt CSU will bundesweites Alkoholverbot in U-Bahnen
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17:07 28.04.2011
Kein Alkohol mehr in deutschen U-Bahnen - zumindest wenn es nach den Forderungen von Bayerns Innenminister geht. Quelle: dpa

Nach dem Gewaltexzess auf einem Berliner U-Bahnhof fordert Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ein bundesweites Alkoholverbot im öffentlichen Nahverkehr. Das würde zu mehr Sicherheit beitragen, sagte der CSU-Politiker „Spiegel Online“ am Donnerstag. Als Vorbild nannte Herrmann die Städte München und Nürnberg, wo in U- und Straßenbahnen bereits ein Alkoholverbot gilt. „Dies sollte bundesweit Schule machen.“

Ein betrunkener Schläger im Alter von 18 Jahren hatte in der Nacht zum Ostersamstag im U-Bahnhof Friedrichstraße einen 29-Jährigen mit heftigen Tritten gegen den Kopf so schwer verletzt, dass dieser das Bewusstsein verlor. Der Schüler räumte ein, das Opfer zufällig ausgesucht zu haben. Er sei aggressiv gewesen, habe Streit gesucht und sei stark betrunken gewesen. Er hatte sich selbst gestellt.

Die Berliner Staatsanwaltschaft will den 18-Jährigen schnell vor Gericht bringen. Die Anklage wegen versuchten Totschlags gegen den Schüler soll in zwei bis drei Wochen fertig sein. Gegen den jungen Mann war Haftbefehl erlassen worden, er wurde aber von der Untersuchungshaft verschont. Dies hatte für Empörung gesorgt.

Auch ein zweiter 18-Jähriger soll wegen des Überfalls angeklagt werden - wegen gefährlicher Körperverletzung. Ihm wird der Angriff gegen einen Mann vorgeworfen, der sich einmischte und dem am Boden liegenden Opfer helfen wollte. Der Anwalt des Helfers teilte am Donnerstag mit, er habe bei der Berliner Staatsanwaltschaft vorsorglich Strafantrag gegen die 18-Jährigen gestellt.

Die Verletzungen seines Mandanten seien eine gemeinschaftlich begangene gefährliche Körperverletzung, sagte Anwalt Michael De Saavedra-Mai. Der Helfer aus dem bayerischen Kreis Donau-Ries werde in dem Prozess als Nebenkläger auftreten. Über seinen Anwalt appellierte der Mann, Gewaltüberfälle nicht tatenlos hinzunehmen:
„Es ist so leicht, jemanden das Leben zu retten, wenn man hilft und nicht zusieht. Jeder kann helfen, vor allem gemeinsam.“

Indes wandte sich das Opfer der Gewaltattacke mit einem Brief an Berlins Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD). Es sei für ihn wie ein weiterer Tritt ins Gesicht, dass der Täter wieder freigelassen worden sei, schrieb der 29-Jährige. Die „Bild“-Zeitung druckte am Donnerstag einen Auszug aus dem Schreiben. Justizsprecher Michael Kanert sagte, die Senatorin werde den Brief persönlich beantworten.

Erst im Februar war es in Berlin zu einem ähnlichen Gewaltexzess gekommen, der bundesweit Entsetzen hervorrief. Im U-Bahnhof Lichtenberg hatten vier Jugendliche einen 30-Jährigen überfallen und mit Schlägen und Tritten schwer verletzt. Der Handwerker lag wochenlang im künstlichen Koma. Die Schläger waren ebenfalls alkoholisiert. Sie sitzen in Untersuchungshaft. Ihnen werden versuchter gemeinschaftlicher Raubmord sowie gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Anklage ist noch nicht erhoben worden.

dpa

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