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Deutschland / Welt Chinas Angst vor dem Lauffeuer aus Hongkong
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07:34 30.09.2014
Für freie Wahlen: Mit erhobenen Händen und Mundschutz protestieren die Studenten gegen die Bevormundung. Quelle: XAUME OLLEROS
Hongkong

Der beißende Geruch von Pfefferspray und Tränengas hängt auch am späten Montagabend noch in der Luft. Ein paar Demonstranten mit Armbinden kehren auf der einen Seite einer Polizeisperre den Müll auf. Neben ihnen liegen junge Leute auf dem Boden, die meisten sind Studenten. Sie sind völlig übermüdet, aber sie wollen nicht weichen. Sie wollen bleiben.

Auf der anderen Seite der Straßensperre sitzen vor einem Regierungsgebäude Hunderte von Einsatzkräften. Auch sie sind todmüde. Viele lehnen mit geschlossen Augen an den Wänden und dösen. Aber auch sie müssen die Stellung halten. Hongkong gönnt sich nur eine Pause. Der „Occupy“-Protest der jungen Menschen, die für Demokratie und größere politische Unabhängigkeit von Peking streiten, gibt noch lange nicht auf.

Am Sonntagabend war es zu den bislang gewalttätigsten Auseinandersetzungen zwischen der Hongkonger Polizei und den Demonstranten der Aktion „Occupy Central“ gekommen. Die Initiative hatte spontan zu ihrer seit Wochen angekündigten Blockade des Hongkonger Regierungs- und Finanzviertels aufgerufen. In Anlehnung an die „Occupy“-Bewegung in den USA wollen die Aktivisten das Herzstück der Hongkonger Innenstadt lahmlegen. Sie fordern von der chinesischen Führung freie Wahlen, „die die Bezeichnung auch verdienen“, wie es im Aufruf heißt. Peking hatte zwar versprochen, dass die Hongkonger ihren Regierungschef 2017 erstmals direkt wählen dürfen. Doch im August präzisierte die kommunistische Führung ihre Vorgaben: Die Zahl der Kandidaten ist auf maximal drei beschränkt, Peking soll das Recht zu einer Vorauswahl bekommen.

Die Blockade war eigentlich erst für den Mittwoch geplant, wenn in der Volksrepublik der Nationalfeiertag begangen wird. „Der Entschluss wurde spontan gefällt“, sagte der Gründer der Aktion, Benny Tai. Man habe sich mit den Studenten solidarisieren müssen, die sich seit einer Woche im Streik befinden. Bei ihrer Demonstration am Sonnabend mit mehreren Zehntausend Teilnehmern hatte die Polizei 75 von ihnen festgenommen, darunter auch den 17-jährigen Studentenführer Joshua Wong. „Wir mussten uns mit erheben“, sagt Tai. Er spricht von einer „neuen Ära des zivilen Ungehorsams“.

Doch am Abend mündete der erste Tag der Blockade in Gewalt. Mit Pfefferspray, Tränengas und Gummiknüppeln versuchten die Polizisten, die Massen zu vertreiben. „Schande, Schande“, rief eine aufgebrachte Menschenmenge im Chor. „Mit diesem Einsatz hat sich die Polizei nun endgültig zum Feind der Bevölkerung gemacht“, wetterte Fung Wai-Wah von der Hongkonger Lehrergewerkschaft später.

Zu gewalttätigen Einsätzen ist es am Montag dann zwar nicht mehr gekommen. Doch die Massenproteste haben sich inzwischen auf die gesamte Hongkonger Innenstadt ausgeweitet. Gleich in mehreren Stadtteilen versammelten sich jeweils Tausende von Aktivisten und blockierten Kreuzungen. Zahlreiche Schulen, Geschäfte und Banken blieben in den Hauptgeschäftsvierteln geschlossen. Nach Angaben der Verkehrsbehörde fielen am Montag insgesamt 200 Buslinien aus. Und auch die U-Bahn konnte an mehreren Stationen nicht halten. Am Hafen in der Innenstadt kamen gegen Mittag neue, große Protestgruppen zusammen.

Der in Hongkong unbeliebte Regierungschef Leung Chun-ying forderte die Demonstranten am Montag auf, nach Hause zu gehen. „Wir wollen kein Chaos in unserer Stadt“, sagte er. Gerüchte, dass er das Militär - die chinesische Volksbefreiungsarmee - um Hilfe gebeten habe, wies er entschieden zurück.

Die kommunistische Führung in Peking bezeichnete „Occupy Central“ als „illegale Bewegung“ - und warnte zugleich ausländische Regierungen vor einer Einmischung. Jeglicher Versuch von außen, die Demonstranten zu unterstützen, werde vehement bekämpft, kündigte eine Sprecherin des Außenministeriums an.

Ihren Ursprung haben die Occupy-Aktionen in New York. Dort wollten Aktivisten mit der Blockade der Wall Street gegen die Macht der Banken im Zuge der Finanzkrise protestieren. Doch während „Occupy Wall Street“ selbst zu ihren Hochzeiten 2011 nicht den Kursverlauf der New Yorker Börse zu beeinflussen vermochte, erwägt die Hongkonger Börse sogar, den Handel auszusetzen, falls die Kurse angesichts der anhaltenden Blockaden weiter fallen sollten.

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