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Berliner Redaktion Windräder dort errichten, wo Wind ist
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18:30 24.05.2012
Während der Veranstaltung meldete sich unter anderem Wolfgang List zu Wort. Foto: Hoffsteter Quelle: Michael Hoffsteter
Bauerbach

„Die Situation hat sich vor 14 Tagen geändert“, sagte Dr. Horst Wiegand, Ortsvorsteher von Ginseldorf zu Beginn der Veranstaltung, zu der rund 80 Besucher kamen, um sich über die geplanten Windkraftanlagen in Marburg zu informieren. Am 10. Mai nämlich hatte der Verwaltungsgerichtshof die Festlegung von Vorrangflächen für Windenergie im Regionalplan Mittelhessen gekippt. Nun will das Regierungspräsidium (RP) Gießen bis zum Herbst einen neuen Teilplan Energie vorlegen. Nach den Erläuterungen des Ginseldorfer Ortsvorstehers, der zusammen mit seinen Ortsvorsteher-Kollegen aus Bauerbach, Schröck und Moischt zu der Informationsveranstaltung eingeladen hatte, rentieren sich im Gebiet der Stadt Marburg mangels Windgeschwindigkeit keine Windkraftanlagen. In Marburg seien vier Standorte geplant. Zwei auf den Lahnbergen - Bürgeler Gleiche und Lichter Küppel - am Görzhäuser Hof sowie in Dilschhausen.

Nach der Windkraft-Potenzialkarte des RP beträgt die Windgeschwindigkeit auf den Lahnbergen sechs Meter pro Sekunde. Da es sich um Waldgebiet handele, müsse man noch einmal zehn Prozent abziehen. Es gebe aber harte Kriterien für die Genehmigung von Windkraftanlagen. Unter einer Geschwindigkeit von 5,5 Metern pro Sekunde würde keine Genehmigung erteilt. Wiegand berichtete, dass bislang für die geplanten Standorte in Marburg nur Windberechnungen vorlägen, aber keine Windmessungen.

Ob denn eine Windmessung Voraussetzung für den Bau einer Windkraftanlage sei, wollte der Ginseldorfer Wolfgang List wissen. Sylvia Bandte vom Ortsbeirat Moischt fragte, warum es nur Berechnungen und keine Messungen gebe. Der Grünen-Stadtverordnete Uwe Volz, einer der zahlreich vertretenen Politiker unter den Besuchern, gab die Antworten: Bei den Berechnungen handele es sich um eine Prognose, die für ganz Hessen erstellt wurde. Sollte ein Investor eine Windkraftanlage bauen wollen, müsse er ein vernünftiges Ertragsgutachten vorlegen. Anderenfalls erhalte er von der Bank keinen Kredit.

Schröcks Ortsvorsteher Uwe Heuser, erklärte, dass die Windkraftanlagen in Wehrda eine Fehlplanung gewesen seien. „Das sollte nicht wieder passieren. Warum messen wir nicht an den vier Standorten, dann haben wir Fakten und können uns Reibereien sparen“, so Heuser.

Die neu geplanten Anlagen seien höher und technisch viel besser, räumte die Grünen-Stadtverordnete und Umweltausschuss-Vorsitzende Johanna Busch ein. Die Stadt untersucht Standorte, wo es sich lohnen könnte. Messungen seien teuer. Wenn allerdings jemand ein Windrad errichten wollte, würde er das bestimmt nicht ohne Messungen tun.

Der CDU-Stadtverordnete Mathias Range, der auch Mitglied im Ortsbeirat Bauerbach ist, kündigte an, in der Stadtverordnetenversammlung einen Dringlichkeitsantrag zu stellen, damit Messungen erfolgen. „Ich hoffe, dass wir in einem Jahr verlässliche Zahlen haben und nicht mehr um den heißen Brei herumreden“, sagte er.

„Es geht darum, dass wir die Windkraft da haben, wo auch Wind ist“, sagte Sylvia Bandte.

Horst Wiegand empfahl, mit den Messungen zu warten, bis der neue Plan des RP vorliege. Vielleicht würden die in Marburg favorisierten Flächen ja dort herausfallen.

„Wir müssen uns in der Stadtverordnetenversammlung dafür einsetzen, dass die Frage der Wirtschaftlichkeit geklärt wird. Das ist ein wichtiges Ergebnis dieser Veranstaltung“, sagte Uwe Volz. Johannes Hühn, der Bauerbachs Ortsvorsteher Lothar Böttner vertrat, zog aus der Veranstaltung das Fazit, dass keine ideologischen Windräder gewollt sind. Und Jens Mengel-Vornhagen vom Ortsbeirat Schröck forderte, dass in Marburg Windkraftanlagen mit Sinn und Verstand geplant werden.

von Heike Horst