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Berliner Redaktion Viele Stühle für ein breites Gauck-Bündnis
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23:27 16.03.2012
Berlin

Für Joachim Gauck haben sich ausgesprochen: CDU, CSU, SPD, FDP, Grüne und jetzt auch noch die zehn Delegierten der Freien Wähler. Der elfte bundesdeutsche Präsident sagte am Freitag bei einer Art heimischer Abschiedsrunde vor der Synode der mecklenburgischen Landeskirche: Angst und Furcht seien menschlich, würden aber nicht weiterhelfen. "Angst macht kleine Augen und ein enges Herz." Mit ihm, so der Anspruch, könne sich aber Zivilgesellschaft trainieren, "sich nicht von Angst leiten zu lassen".

Am Sonntag wird der 72-Jährige zunächst zur Ehrentribüne auf der Empore des Plenarsaal des Reichstages geleitet. Unten drängeln sich theoretisch 1240 Wahlbeauftragte, zur Hälfte aus dem Bundestag, zur anderen Hälfte aus den Landesparlamenten. Ein paar werden fehlen. Bisher haben sich schon zwei aus gesundheitlichen Gründen abgemeldet - je einer von den Linken und von der Union.

Nach erfolgter Wahl bittet der Bundestagspräsident auch Joachim Gauck nach unten. Dort steht ein Stuhl bereit, exakt in der Mitte des Saals, damit keine Fraktion behaupten kann, der neue Präsident sei "ihr" Mann (oder Frau). Es folgt die Frage, ob man gedenke, das Amt anzunehmen. Erfolgt die Antwort sofort, dann hat die Bundesrepublik ab dieser Sekunde ein neues Staatsoberhaupt, da Vorgänger Christian Wulff vorzeitig abhanden gekommen ist.

Das neue Staatsoberhaupt hält dann eine mehr oder weniger lange oder kurze Antrittsrede. Anders als der Kandidat Gauck sitzt die Kandidatin die von der Linkspartei vorgeschlagen ist, Beate Klarsfeld, im Saal ganz links (vom Podium aus gesehen) in der Reihe der Linkspartei. Die zehn Delegierten der Freien Wähler sitzen zwischen Grünen und Union, also ziemlich mittig. Die Vertreter der Piraten und des Südschleswigschen Wählerverbandes sind in die etablierten Fraktionen integriert.

Ärger gab es zeitweilig über die drei Delegierten, zwei Ersatzvertreter und deren Kandidat Olaf Rose aus der Abteilung NPD. Jeweils eine Dreier-Stuhlgruppe ist ganz hinten im Saal links und rechts einer Tür platziert. Vor ihnen sitzen die Grünen beziehungsweise die Union, wie schon 2010. Dieses Mal wehrten sich die vor der NPD platzierten Fraktionen. Die Grünen haben einen Angehörigen der Opfer der rechtsterroristischen Mordserie als Wahldelegierten in ihren Reihen, die Union verwies auf eine Türkin in ihrer Gruppe, die eine Angehörige des rechtsradikalen Brandanschlages von Solingen von 1993 ist. Es blieb am Ende beim Protest.

Das gemeinsame Singen der Nationalhymne beendet die Zeremonie. Zuvor werden noch Blumen überreicht. Das Staatsoberhaupt verlässt den Reichstag mit neuer amtlicher Würde, ausgestattet mit der allerhöchsten Sicherheitsstufe. Schloss Bellevue hat wieder einen offiziell gekürten Hausherrn. Im Reichstag feiern dann, auf Kosten des Bundestages, Bundesversammlung und Medien. Alles in allem werden an diesem Tag Kosten von rund einer Million Euro entstanden sein. Die Summe taucht in keinem bisherigen Haushalt auf, da ja niemand wissen konnte, dass es so schnell schon wieder ernst würde. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble wird den Scheck wegen außergewöhnlicher Aufwendungen gegenzeichnen müssen.

von Dieter Wonka