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Peinliche Promi-Pannen im Netz

Twitter Peinliche Promi-Pannen im Netz

Zuletzt hat es Sigmar Gabriel erwischt. Einen knappen Dreizeiler veröffentlichte er vergangene Woche auf seiner Seite bei "Facebook", verglich Israel mit einem Apartheid-Regime.

Berlin. Postwendend reagierten Hunderte Benutzer auf der Seite. Als "Zyniker" wurde er beschimpft, "Antisemitismus-Hetze" unterstellt. Es folgte eine Entschuldigung, ebenfalls bei Facebook: Wäre ihm Israel nicht so wichtig, hätte er das nicht geschrieben.

Hätte, hätte, hätte. Ein Wort, dass sicher nicht nur Gabriel nach Veröffentlichungen im Internet durch den Kopf ging. Im Zeitalter vom Kurznachrichtendienst Twitter und Facebook hat jeder die Möglichkeit, seine Meinung öffentlich zu machen. Auch Politiker und Prominente. Damit wird gern mal das von Beratern mühsam aufgebaute öffentliche Bild mit wenigen Zeichen zerstört.

Immer wieder muss zum Beispiel die Sängerin Rihanna wahre Proteststürme über sich ergehen lassen. Mal beschimpft sie Kollegin Ciara, dann Fans, mal protestieren Elternverbände, dass Rihanna zu oft Schimpfworte wie "Bitch" (Schlampe) schreibt - trotz minderjähriger Anhänger.

Aber gerade diese "So-bin-ich-eben"-Mentalität gefällt den Anhängern. Dominic Hesse leitet die Abteilung "Neue Medien" bei der Plattenfirma Universal. "Es ist für einen Künstler ein gravierender Nachteil, dort nicht, respektive noch nicht stattzufinden", sagt er. Es sei etwa für Plattenfirmen aber "seltener Fluch als oftmals Segen". Wenn sich ein Star authentisch zeige, "kommt es in jedem Fall der Künstler-/Fanbeziehung zugute." Aber: Wer wild drauflos twittert, kann für Kollisionen mit globalen PR-Kampagnen sorgen.

Wie schnell ein gefeierter Promi Hohn und Spott ernten kann, bewies Schauspieler Ashton Kutcher mehrfach. Am 11. September 2011 twitterte der Ex von Demi Moore fröhlich, dass es "ohne Zweifel der beste Tag des Jahres" sei.

Auch zehn Jahre nach dem Angriff aufs World Trade Center in New York verstanden die Amerikaner da wenig Spaß. Anschließend beschwerte er sich über den Rauswurf eines Football-Trainers. Was Kutcher nicht wusste: Der Mann sollte Kindesmissbrauchsfälle gedeckt haben. Kutcher twittert jetzt nur noch unter Aufsicht.

Verständlich, findet Sascha Lobo, seit Jahren Vorreiter der Social-Media-Welt. "Die Gefahr, sich ohne den Filter der medialen Inszenierung durch PR-Agenturen und Klatschblätter auf Twitter selbst zu entzaubern, ist nicht klein."

Auch prominente Deutsche versuchen das gelegentlich - unfreiwillig. Rapper Bushido lästert stumpf über den "dicken Arsch" einer Big-Brother-Kandidatin. Boris Becker schreibt vorm Fußballspiel Deutschland gegen die Niederlande von Tulpen- und Wohnwagenbesitzern. Konsequenz: Rassismusvorwürfe. Und Regierungssprecher Steffen Seibert blamiert sich, als er Anfang Mai 2011 die durchaus bedeutsame Nachricht zu Osama Bin Ladens Tod hinausschickte: "Kanzlerin: Obama verantwortlich für Tod tausender Unschuldiger". Gemeint war Osama, nicht Obama.

von Sebastian Scherer

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