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Berliner Redaktion Operation Standfestigkeit
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22:51 14.03.2012
Berlin

FDP-Generalsekretär Patrick Döring fand erst am Spätnachmittag die Worte, um die spektakuläre Nachricht aus Düsseldorf zu kommentieren. "Den Mutigen gehört die Zukunft", postulierte Philipp Röslers Statthalter im Thomas-Dehler-Haus. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr, im Nebenberuf NRW-Landeschef, war gleich nach der Kabinettssitzung in die Heimat geeilt, um dort seinen "Stolz über die Standhaftigkeit" zu bekunden. Fraktionschef Gerhard Papke pries die "Überzeugungstreue" der Freidemokraten an.

Aber die selbstbewussten Parolen täuschen. Die Begeisterung hält sich stark in Grenzen. Denn die Liberalen, bei Umfragen in Nordrhein-Westfalen auf gerade zwei Prozent geschrumpft, könnten untergehen. Dem Parteichef, der im ständigen Kontakt mit Papke stand, ist das bewusst. Die Parteispitze hatte eigentlich auf eine Verhandlungslösung und mehr Zeit gesetzt. Aber am Ende blieb kein Ausweg, wenn man sich nicht erneut das Etikett der Umfallerpartei anheften lassen wollte.

"Sonst hätte es doch geheißen, die Liberalen verkaufen ihre Glaubwürdigkeit um ein paar Diäten willen", hieß es im Thomas-Dehler-Haus. Mit der dritten irregulären Landtagswahl in diesem Jahr kommt es knüppeldick. Das liberale Drehbuch musste in den letzten Monaten schon etliche Male umgeschrieben werden. Der Mitgliederentscheid sollte die Reihen schließen, er geriet zum Fiasko.

Ein weiterer Nackenschlag kam Anfang Januar aus Saarbrücken, wo die Union einer desolaten FDP die Schuld für den Kollaps der Jamaika-Koalition zuschob. Als vorläufig letzte Hoffnung galt Nordlicht Wolfgang Kubicki, der am 6. Mai ein Zeichen der Wiederauferstehung setzen sollte. Doch auch im Norden liegen die Liberalen unter der Fünf-Prozent-Schwelle. Und jetzt wird die Wahl in Nordrhein-Westfalen alles überstrahlen. Überrascht war gestern auch das Kanzleramt.

Angela Merkel zeigte sich schmallippig. Vor einem Dauerwahlkampf müsse man keine Bedenken haben, ließ sie Regierungssprecher Steffen Seibert erklären. SPD und Grüne frohlocken. Von der "Testwahl" ist die Rede, von einem deutlichen Signal für Rot-Grün.

von Frank Lindscheid