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Merkels Klügster will nach Düsseldorf

Nordrhein-Westfalen Merkels Klügster will nach Düsseldorf

Dass er Kanzler werden will, habe Norbert Röttgen (CDU, Foto: Ralph Sondermann) bereits als Gymnasiast im halben Scherz verkündet, erzählte jetzt ein Mitschüler dem "Cicero" . Nun aber will der Bundesumweltminister zunächst einmal Ministerpräsident in NRW werden.

Berlin. Das heißt, der Mann, der wie kein anderer aus Merkels Kabinett auf die großen Zukunftsthemen Klima und Wirtschaft abonniert zu sein scheint, müsste als Landesvater Volksfeste eröffnen, einen klammen Landeshaushalt bewirtschaften, das Ruhrgebiet aufpäppeln - Zweifel bleiben da selbst unter Vertrauten. "Landespolitik ist ihm ein Graus", sagte gestern einer, der Röttgen über Jahrzehnte begleitet hat.

Weil er diese Zweifel kennt, hat der 46-jährige Chef der NRW-CDU rasch vernehmlich Ja gerufen. Ja, er wolle die CDU zur stärksten Partei in NRW machen und Ministerpräsident werden. Das klingt entschieden, wobei die Klarheit noch aussteht, ob Röttgen auch als Oppositionsführer nach Düsseldorf gehen würde.

Der Jurist scheut nicht den Eindruck intellektueller Überlegenheit, redet auch mal über Köpfe hinweg. Seit 1994 errang Röttgen in fünf Bundestagswahlen in seinem Wahlkreis im Bonner Umland die Mehrheit. Sollte der smarte Überflieger am Ende tatsächlich Hannelore Kraft besiegen, die sich im Ruhrgebiet als Kümmerin einen Namen gemacht hat, so hätte Röttgen nicht nur die Regierungszentrale des größten Bundeslandes erobert. Er hätte die besten Aussichten, dereinst Merkel zu beerben.

Machtinstinkt zeigt sich darin, den richtigen Zeitpunkt abzuwarten. Das hat Röttgen erst lernen müssen. Nach der Bundestagswahl 2005 wollte "Merkels Klügster" Kanzleramtsminister werden und schmollte, als er nicht zum Zuge kam. 2009 wollte Röttgen Unionsfraktions­chef Volker Kauder beerben. Merkel bremste ihn erneut aus. Seither beweist Röttgen mehr Gespür fürs Timing.

von Michael M. Grüter

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