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Madonnas große Pop-Oper

Tourauftakt in Deutschland Madonnas große Pop-Oper

Sie krümmt sich, die Stimme klingt brüchig. Der Mann am Piano spielt einen Viervierteltakt. Madonna, die Königin des Pop, geht in die Knie.

Berlin. Eine Verbeugung vor ihren Fans, vor ihrer Karriere, ihrem wohl größten Hit „Like a Virgin“. Leise Töne zwischen dem ganzen Getöse um ihre Person, um ihr neues Album MDNA, das erst zelebriert und anschließend zerrissen wurde. Die 13000 Fans in der Berliner O2-World, dem lange ausverkauften Deutschlandauftakt ihrer Welttournee, kümmert das nicht. Sie wollen die Königin tanzen sehen.„Like a Virgin“, der Song, der von Lust und Verlangen handelt, ist bis heute das Motto der mittlerweile 53-jährigen Mutter. Alter spielt bei ihr schon lange keine Rolle mehr. Zeitlos will sie sein. Begehrenswert.

Blitze zucken, Kunstblut spritzt. Ein Gesamtkunstwerk und Horrorstreifen, unterlegt mit dem zackigen Beat ihres aktuellen Albums. Es wummert und dröhnt durch die Mehrzweckhalle an der Spree, so dass jeder Gedanke an das zeitgleich stattfindende EM-Halbfinale der deutschen Fußballnationalmannschaft weggeblasen wird. Autoreifen quietschen, Sirenen heulen. Dazu tausende Arme in der Luft. Und Madonna marschiert über die Bühne. Im Catwoman-Outfit räkelt sie sich, die Pistole provokant zwischen den Schenkeln, den Sklaven an der Leine. Einer Pop-Oper, mit der sie noch ein halbes Jahr um die Welt reisen wird.

Als Funkenmariechen fordert sie „Express Yourself“. Im klassischen Jean-Paul-Gaultier-Kostüm mit gedrahtetem BH gibt sie den Klassiker „Vogue“. Der Abend ist ein Kostümfest für die Massen. Und eine Provokation für jene Sittenwächter, die der Queen of Pop ihren Körperkult als würdeloses Spektakel vorwerfen.

von Nora Lysk

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