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Berliner Redaktion "Lieber die Ärmeren entlasten"
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23:30 02.04.2012
Hannover

OP: Brauchen wir eine höhere Pendlerpauschale, wie die FDP sie fordert?

Claudia Kemfert: Eine Erhöhung der Pendlerpauschale würde vor allem höhere Einkommen begünstigen. Man müsste allerdings Geringverdiener entlasten, die mehr als 50 Kilometer pro Tag fahren, dies sind weniger als zwei Prozent aller Pendler.

OP: Welche Erhöhung würde Sinn machen?

Kemfert: Es würde in erster Linie eine Erhöhung für Geringverdiener mit hoher jährlicher Fahrleistung Sinn machen, um die soziale Schere nicht noch weiter auseinander driften zu lassen.

OP: Wie könnte die Bundesregierung die hohen Benzinpreise drücken?

Kemfert: Es geht ja um eine nachhaltige bezahlbare Mobilität, das heißt, die Kosten für den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) müssten gesenkt werden, Angebote erweitert und attraktiver gemacht werden. Steuersenkungen würden vermutlich überkompensiert werden durch die Erhöhung der Margen der Mineralölkonzerne - dem Autofahrer wäre so nicht geholfen.

OP: Ist ein eigenes Auto pro Person beziehungsweise pro Familie noch zeitgemäß oder würden Teilmobil-Modelle mehr Sinn machen?

Kemfert: Sicherlich sind auch Car-Sharing-Modelle wichtig, in Städten und Ballungsräumen ist dies auch kein Problem. Allerdings benötigt man in strukturschwachen Regionen oftmals ein eigenes Fahrzeug. Und Benzin wird langfristig nicht unbedingt billiger. Daher wäre es wichtig, alternative Kraftstoffe steuerlich zu entlasten wie Erdgas- oder ­Hybridfahrzeuge. Auch Elektrofahrzeuge sind noch weit entfernt von der Wirtschaftlichkeit.

OP: Müsste man nicht den öffentlichen Nahverkehr stärker ausbauen?

Kemfert: Unbedingt. Sowohl ausbauen als auch wirtschaftlich attraktiver machen.

von Petra Rückerl