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Ist Gauck kein Bürgerrechtler?

Bundespräsident Ist Gauck kein Bürgerrechtler?

"Mein Wunschkandidat hat endlich gewonnen", sprudelte es gestern aus Vera Lengsfeld heraus. Die einstige DDR-Oppositionelle wurde 1988 wegen ihrer Teilnahme an einer Demonstration am Rande der Luxemburg-Ehrung der SED verhaftet und ausgewiesen.

Berlin. Sie gehörte einst zu den DDR-Grünen, später Bündnis90/Die Grünen. Vor 16 Jahren wechselte sie zur CDU. Vor genau 22 Jahren zog sie zusammen mit Joachim Gauck in die damals erstmals frei gewählte DDR-Volkskammer ein.

Der Pfarrer aus Rostock war in der damaligen 20-köpfigen Fraktion der Bürgerrechtler der einzige, der sich klar zur Herstellung der deutschen Einheit bekannte. Damit eckte er bei vielen gehörig an. In den Wochen vor der Wahl hatte sich Gauck heftiger Kritik von ehemaligen Weggefährten aus der DDR-Opposition zu erwehren. Er sei gar kein Bürgerrechtler gewesen, habe sich erst im Herbst 1989 der Opposition angeschlossen, hieß es da. Andere monierten, dass sich Gauck nur des Themas der Freiheit, aber nicht auch der notwendigen Frage der Gerechtigkeit und Solidarität annehme.

Joachim Gauck hatte kurz zuvor mit ihm gesprochen und auch zur Bundesversammlung eingeladen. Dort saß Lietz gestern zwei Reihen hinter Gauck auf der Tribüne. Er werde dem ersten Mann im Staate ein "kritischer und sympathischer Gesprächspartner" bleiben, meinte Lietz versöhnlich. Kein Verständnis für die Kritik einstiger Mitstreiter hatte dagegen Werner Schulz, der ebenfalls mit Gauck in der letzten DDR-Volkskammer gesessen hatte. Und Vera Lengsfeld nannte die Anwürfe "unsäglich". Schulz, einst ein brillanter Redner im Bundestag und inzwischen Abgeordneter des Europaparlaments, hatte vor knapp zwei Jahren den Kandidaten Gauck erst ins Spiel gebracht.

von Reinhard Zweigler

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