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Berliner Redaktion "Ich bekomme auch mal ein Beileid"
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19:08 12.03.2012
Berlin

Herr Lanz, herzlichen Glückwunsch.

Markus Lanz: Danke. Ich bekomme viele Glückwünsche, aber auch schon mal ein "Beileid."

Sollte man Ihnen denn auch Beileid ausdrücken?

Lanz: Es wirkte die vergangenen Wochen so, als sei das der schlimmste Job, den man in diesem Land annehmen kann. Ich weiß gar nicht warum. Dass das kein leichter Job ist, ist klar. Aber es ist auch eine tolle Herausforderung. Erstmal konnte ich mir das gar nicht vorstellen. Und wenn überhaupt, dann vielleicht in einer interessanten Doppelmoderation. Das ZDF hat mir dann viele Freiheiten angeboten - und ich mir zugleich viele Möglichkeiten offen gehalten. Das sind schon mal gute Voraussetzungen. Das zweite ist, dass viele in meinem engeren Umfeld sehr früh sagten, mach das - auch im ganz engen Familienkreis. Ich merkte: Da gibt es eine Chance.

Was verbindet Sie mit "Wetten, dass"? Haben Sie in Ihrer Jugend die Sendung geguckt?

Lanz: Wir waren damals in Südtirol auf der Alm was deutsches Fernsehen anging weitestgehend im Tal der Ahnungslosen. Nicht so ahnungslos wie seinerzeit in Dresden, wir konnten immerhin das ZDF empfangen. Und wir haben "Wetten, dass...?" geguckt. Irgendwann gab es in der Sendung die legendäre Wette, bei der ein Baggerfahrer aus Südtirol mit der Baggerschaufel ein Feuerzeug angezündet hat. Da hatte die Sendung Südtirol im Sack. Der Aufschrei war immer nur dann groß, wenn wir nicht einzeln begrüßt worden sind. Die emotionale Nähe zum Ersten fehlt mir da übrigens völlig, das haben wir früher einfach nicht sehen können, vielleicht bin ich ja deswegen beim ZDF gelandet.

Zukünftig gibt es statt der Mallorca-Folge eine aus einem Skigebiet. Einstellungsbedingung von Ihnen?

Lanz: Das war nicht meine Idee, das kam von der Redaktion. Ich habe den Verdacht, dass das ein Köder war. Für jemanden, der bei der Vorstellung von 30 Grad Außentemperatur eher unruhig wird, ein ziemlich guter.

Wie präsent ist die Vorstellung in Ihrem Kopf: Ich mache jetzt "Wetten, dass...?"

Lanz: Ich denke nicht oft daran, oder versuche es zumindest. Ich trinke jetzt einfach meinen Kaffee, versuche irgendwann, schlafen zu gehen, und gehe das Ganze beherzt und enthusiastisch an, wenn es soweit ist.

Und bis dahin Verdrängung...

Lanz: Das klappt nicht ganz. Ich habe derzeit immer den selben Traum. Es ist der 6. Oktober 2012, 20.14 Uhr, eine dunkle Gestalt nähert sich mir von hinten und sagt: "Markus, noch eine Minute." Dann wache ich schweißgebadet auf. Aber es überwiegt bei weitem die Freude über die großartige Möglichkeit, mit einem tollen Team die Show neu aufzustellen.

Man spricht oft wenig einfühlsam von der "dritten Wahl Lanz". Fühlen Sie sich so?

Lanz: Der Eindruck mag entstanden sein. Erstens ist das nicht ganz richtig, zweitens bin ich da gelassen. Mir ist das nicht so furchtbar wichtig, wer wann gefragt wurde. Mir ist wichtig, dass ich es mache.

Hat Thomas Gottschalk sich mal bei Ihnen gemeldet, so nach dem Motto "fahr mir das Ding nicht an die Wand"?

Lanz: Er hat sich öffentlich sehr freundlich geäußert, das habe ich wahrgenommen und das hat mich gefreut. Aber wir sitzen jetzt nicht zusammen und debattieren die Sendung.

von Sebastian Scherer