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Hessens Hauptstadt heißt jetzt Wetzlar

Hessentag Hessens Hauptstadt heißt jetzt Wetzlar

Für die nächsten zehn ­Tage ist Wetzlar Hessens Hauptstadt: Die ersten Hessentagsstunden gehörten der Politikprominenz, mehreren tausend „Premierengästen“ und am Abend dem ersten Pop­Giganten: Sir Elton John.

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Hessentag in Wetzlar - im HVT Trachtenzelt. Foto: Thorsten Richter (thr)

Wetzlar. Der Natur auf der Spur - so gehört sich das für eine Landwirtschaftsministerin. Lucia Puttrich eröffnet die weitläufige Ausstellung auf dem Wetzlarer Bodenfeld am späten Vormittag - und sie muss alles geben. Na ja, so ein Hessentag ist ja sowieso ein einziges Geben und Nehmen, wie Wetzlars Oberbürgermeister Wolfram Dette anmerkt, als ihm die Ministerin eine hölzerne Kletterrutsche als Wiesbadener Geschenk vermacht.

Gut 200 Tauben steigen in den bedeckten Himmel über der Hessentagsstadt, dann geht Lucia Puttrich noch enger auf Tuchfühlung mit der Tierwelt: Rudolf Fippl von der Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz drückt ihr einfach mal so eine lebende Fledermaus in die Hand, ein paar Meter weiter geht die Ministerin auf Hirschkäferpirsch. Zuvor hat sie eine Wildkirsche gepflanzt und ist barfuß über Schilf, Sonnenblumenkerne, Weizen und Wolle gelaufen. Und durch Torf.

Es ist das größte Landesfest Hessens. Über eine Million Besucher werden zum Hessentag in Wetzlar erwartet. Unsere Fotografen Thorsten Richter und Michael Hoffsteter haben sich ins Getümmel gestürzt.

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„Würde es Ihnen etwas ausmachen, wenn ich nicht nochmal durch das Dunkle gehen muss?“, fragt Puttrich einen Fotografen, der den Gang durch den Sinnesparcours gern noch einmal einfangen würde. Nein, das macht niemandem etwas aus, und außerdem geht‘s schneller so. Und Schnelligkeit ist jetzt gefragt, denn Lucia Puttrich will sehen, wie sich ihr Staatssekretär Mark Weinmeister beim Wettmelken schlägt.

Hessentagseröffnung, die Zweite: In der Kestnerschule, ein wenig abseits der Wetzlarer Festmeile, spricht Staatsminister Jörg-Uwe Hahn über Prävention. „Mit allen Sinnen - gewaltfrei leben“ - das kommt einem doch bekannt vor...

„So etwas gibt es nirgendwo anders“

Genau: Auf dem Stadtallendorfer Hessentag 2010 war‘s, als Pfarrer Thomas Peters seinen Parcours erstmals präsentierte. Mittlerweile ist es das vierte Mal, dass Jugendliche mit allen Sinnen erfahren können, wie sie Situationen meistern können, in denen Gefahr in Verzug ist. „Mein Traum ist, dass der Parcours irgendwann einmal in fünf Containern an öffentlichen Plätzen gezeigt werden kann - momentan scheitert das noch an den Kosten“, so der Stadtallendorfer Pfarrer.

Und auch im Justizministerium ist Träumen erlaubt: „Am liebsten hätten wir es, wenn wir uns gar nicht um Gewalt und Prävention kümmern müssten“, sagt Hahn: „Lieber wären wir arbeitslos.“

Hessentagseröffnung, die Dritte - und diesmal die offizielle! Nina gibt zu, nah am Wasser gebaut zu sein, und auch Florian, die männliche Hälfte des Wetzlarer Hessentagspaares, ist gerührt und ein bisschen sehr stolz auf das Fest, das vor ihm, seiner Partnerin und der angepeilten Million Hessentagsbesucher liegt: „Ich bin überzeugt von dem Konzept, es lohnt sich - egal, wo ihr hingeht!“

Freut sich Nina darüber, dass Wetzlar für zehn Tage Hessens heimliche Hauptstadt sein wird, korrigiert sie Ministerpräsident Volker Bouffier wenig später: „Wetzlar ist jetzt nicht die ­heimliche, es ist DIE Hauptstadt!“ Und dieser Stadt macht der Landeschef jede Menge Komplimente: Eine Stadt, die den Hessentag lebe, sei Wetzlar mit seinen vielen Vereinen, Schulen und Initiativen, den rund 2500 freiwilligen Helfern. Jeglicher Kritik an Form und ­Umfang des Hessentages begegnete Bouffier, indem er ­erneut unterstreicht, dass Hessen das längste und größte Landesfest Deutschlands habe: „So etwas gibt es nirgendwo anders.“

Auch Wetzlars Oberbürgermeister Wolfram Dette steht vorbehaltlos hinter den vier Millionen, die die Stadt zu schultern hatte, um das Fest auf die Beine zu stellen: „Die Investi­tion ist vertretbar, weil sie nachhaltig ist.“

von Carsten Beckmann

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