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Berliner Redaktion Gestreckt mit Weizen und Wasser
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19:41 22.05.2012
Berlin

„Die cholesterinsenkende Wirkung ist unbestritten“, sagt Sprecher Konstantin Bark. Genau diese ist jedoch auch sehr gefährlich, meint die Organisation „Foodwatch“, die in Deutschland gegen falsch beworbene Produkte kämpft.

Gestern hat die Organisation die fünf Produkte vorgestellt, die in diesem Jahr für den „Goldenen Windbeutel“ nominiert sind. Zum vierten Mal soll die Auszeichnung das Produkt herausstellen, das in deutschen Lebensmittelmärkten den größten Etikettenschwindel betreibt. Abgestimmt wird im Internet, unter anderem steht auch die cholesterinsenkende Becel-Margarine zur Wahl.

Kritisiert wird, dass Personen, die gar keine Probleme haben, an ihren „Blutwerten herumdoktern“ können. „Zudem ist der Nutzen ungeklärt“, heißt „pro-activ“ in der Nominierung, eventuell erhöhe es das Herzinfarktrisiko gar. „Humbug“, findet Sprecher Bark. Es gebe keine Hinweise, dass das Produkt schädlich sei.

Die nominierten Firmen sind schnell, wenn es um die Verteidigung ihrer Produkte geht. Teekanne wird vorgeworfen, dass die Sorte „Landlust Mirabelle & Birne“ auch nur „Standard-Industrie-Früchtetee“ sei, der eben teurer verkauft wird. Die Früchte hätten es auf die Packung, aber nicht in den Tee geschafft. Die Firma räumt ein, nur Aromen zu verwenden - anders sei der Geschmack aber auch nicht erzeugbar.

Lebensmittel-Riese „Netto“ dagegen muss sich vorwerfen lassen, weil die „Viva Vital Hackfleisch-Zubereitung mit pflanzlichem Eiweiß“ mit „30 Prozent weniger Fett“ wirbt. Das Ergebnis werde erzielt, weil das Produkt mit Weizen und Wasser gestreckt wird. Firmensprecherin Christina Stylianou: „Es handelt sich, wie deklariert, um eine Fleischzubereitung und kein reines Hackfleisch.“ Die Brauerei Clausthaler dagegen verweist darauf, dass ihr nominiertes Produkt „Classic“ zwar tatsächlich nicht alkoholfrei sei, obwohl es so heißt. Die Lebensmittelkennzeichnungsverordnung werde aber auch mit den enthaltenen 0,45 Prozent Alkohol erfüllt. Das sei exemplarisch für ein „Branchenthema“, so Sprecherin Anica Stief. Anders formuliert: Man macht auch nichts anderes als die Konkurrenten. Zuletzt stellt Foodwatch als fünften Kandidaten Hipp Instant-Früchtetees zur Wahl. Die enthalten umgerechnet zweieinhalb Stück Würfelzucker pro 200-Milliliter-Tasse. „Herkömmliche Säfte und Getränke für Kinder haben einen wesentlich höheren Zuckergehalt“, betont Hipp-Sprecherin Sandra Hohenlohe. Keine Entschuldigung für Foodwatch. Sprecher Martin Rücker: „Tee gibt es auch gänzlich ungesüßt.“

n Bis zum 18. Juni kann auf www.abgespeist.de über die Produkte abgestimmt werden. 2011 hatten fast 120000 Menschen gewählt, die Milch-Schnitte auf Platz 1 gesetzt. Die angeblich leichte Zwischenmahlzeit hat laut Foodwatch „mehr Gehalt als eine Schoko-Sahnetorte.“

von Sebastian Scherer