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Geplanter „Klotz“ schockt Nachbarn

Bauen Geplanter „Klotz“ schockt Nachbarn

Anwohner der Höhlsgasse und des Fähnrichswegs fühlen sich übergangen. Weil ein in ihren Augen überdimensionales Haus in ihrem Wohnviertel gebaut werden soll, haben sie bei der Stadt Widerspruch eingelegt.

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Auf diesem Grundstück neben dem früheren Forstamt soll ein neues Wohnhaus mit vier Ebenen entstehen. Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Zwischen Alter Kirchhainer Weg und Kaffeweg liegen die Höhlsgasse und der Fähnrichsweg. In den beiden engen Straßen stehen idyllische Wohnhäuser, die zum großen Teil unter Denkmalschutz stehen.

Mit der Idylle in der Höhlsgasse scheint es bald vorbei zu sein. Dort will ein privater Bauherr auf dem Grundstück neben dem ehemaligen Forstamt, das einstige Palais der Gräfinnen von Solms, ein viergeschossiges Haus mit 900 Quadratmetern Wohnfläche errichten.

Die Anwohner beider Straßen sind geschockt. Sie empfinden einen solchen „Klotz“ als Fremdkörper, der nicht in das Wohnumfeld passt. Bei baulichen Veränderungen der bestehenden Häuser würden den Eigentümern wegen des Ensembleschutzes strenge Auflagen gemacht, berichtet Michael Berdux, Anwohner der Höhlsgasse. „Da müssen statt Kunststofffenster Holzfenster eingebaut werden.“

Warum für ein modernes kubisches Haus die Baugenehmigung erteilt wurde, können die Anwohner nicht verstehen. Vor allem das Ehepaar Müller ist fassungslos, weil es als unmittelbarer Nachbar direkt betroffen ist. „Wir werden zugebaut, ohne Rücksicht“, sagt Walter Müller. Er und seine Frau Elisabeth wissen, dass sie kein Recht auf Schlossblick haben, aber wenn das Haus auf dem benachbarten Grundstück gebaut werde, würden sie nur noch auf Beton schauen. Als unmittelbarer Nachbar durfte Walter Müller die Baupläne einsehen.

Er hat Widerspruch bei der Stadt eingelegt, ebenso wie die übrigen Anlieger. Nun erhielten sie die Mitteilung, dass bis zur Anhörung noch zwei bis drei Wochen vergehen. „Man hat das Gefühl, hier wird etwas verschleppt“, sagt Walter Müller. „Bis dahin sind die Bagger angerollt.“

Auch eine Unterschriftenaktion gegen den Bau gab es. „90 Prozent der Anlieger haben unterschrieben“, sagt Marianne Dippel. „Und die Liste liegt im Rathaus.

Ärgerlich finden die Anwohner auch die geplante Straßensperrung. Damit die Baufahrzeuge in der engen Straße passieren können, sollen die Anwohner ihre Fahrzeuge für vier Monate nicht dort parken.

Den Denkmalschutz haben die Anwohner auch eingeschaltet. „Der hat keine Bedenken“, sagte Bürgermeister und Bauderzent Dr. Franz Kahle (Grüne) am Freitag auf Anfrage der OP.

Nach Paragraf 34 des Baugesetzbuches müsse geprüft werden, ob sich der geplante Bau in die Umgebung einfüge, erläutert Kahle. Die Stadtplanung sei zu dem Ergebnis gekommen, dass das Gebäude dorthin passe und somit habe der Bauherr auch das Recht zu bauen. Der Widerspruch des Nachbarn und der Anwohner habe keine aufschiebende Wirkung. Um das Bauvorhaben zu stoppen, müssten die Betroffenen vor das Verwaltungsgericht gehen, erklärt Kahle.

Was die Straßensperrung betreffe, so sei diese montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr vorgesehen. Der Bauherr wolle auf seine Kosten eine provisorische Parkfläche zur Verfügung stellen.

von Heike Horst

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