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Berliner Redaktion Event-Star Klaus Wowereit im Gerede
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02:04 14.03.2012
Berlin

Als eine Art Party-Löwe hatte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) in seiner Anfangszeit einmal demonstrativ einen Damen-Pump in der Hand gehabt, so als ob er daraus den Champagner der reichen und beschwipsten Gesellschaft tränke. Es habe ihn viel Kraft gekostet, dieses Image wieder los zu werden, räumte Wowereit später ein. Jetzt, nach einer Phase demonstrativ-nüchterner Amtlichkeit, steckt Wowereit im Dickicht der Event-Fragwürdigkeit.

Wären die Geschichten über einen Finca-Urlaub bei Manfred Schmidt oder eine VIP-Rede- und Golfreise nach London auf dem Höhepunkt der jüngsten Affäre um Christian Wulff öffentlich geworden, hätte sich daraus womöglich ein handfester politischer Skandal entwickeln können, räumte ein besorgter SPD-Freund Wowereits gestern ein. Andere, beispielsweise Grünen-Parlamentarier im Berliner Abgeordnetenhaus, fragen verwundert, wieso bestimmte Dinge erst jetzt herauskämen.Erst war, auf parlamentarische Nachfrage hin, ein als privat deklarierter Aufenthalt des Politikers im Jahr 2004 auf der Spanien-Finca von Veranstaltungsmanager Manfred Schmidt (bekannt aus der Affären-Geschichte rund um Alt-Präsident Christian Wulff) eingeräumt worden. An "zwei, drei Tage" hatte sich Wowereit erinnert. Der Name seines Bekannten Schmidt war dem Bürgermeister erst spät eingefallen.

Dann geriet ein Sonder-Flug mit Super-Vip-Charakter (Capital Club Berlin) auf die britische Insel vom Juli 2002 in die Öffentlichkeit. Golf-Freund Heinz Dürr, seinerzeit Bahn-Chef, hatte Wowereit im Privatjet mitgenommen, um auf der Insel in feiner Runde politisch-wirtschaftliche Gespräche zu führen und um sich mit Golf zu beschäftigen. Zum Ausgleich für den geschenkten Flug hatte Wowereit 300 Euro an den Verein "Mann-o-Meter", Berlins schwules Informations- und Beratungszentrum, überwiesen.

Mehr gebe es dazu nicht zu sagen, ließ Senatssprecher Richard Meng einen Tag lang wissen. Der Flug soll alles in allem 5625 Euro gekostet haben. Gestern räumte Wowereit ein: "Heute würde ich das nicht mehr machen." Im Jahr 2003 war Wowereit erneut in Dürrs Jet mitgeflogen. Auch dafür habe er gespendet - 215 Euro.

Dirk Behrendt, rechtspolitischer Sprecher der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, hält es immer dann für kritisch, "wenn Freundschaften eingegangen werden mit der Erwartung auf Gegengeschäfte". Im Fall Wowereits gibt es dafür, anders als bei den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen im Fall Wulff, keine Hinweise. "Es ist immer schwierig zu beurteilen, wie viel Abstand Politiker und Lobbyisten halten sollten", so Behrendt. "Der Besuch auf einer Finca in Spanien ist sicher mehr, als man heute bereit ist, hinzunehmen." Das war früher anders.

Jahrelang hatte Veranstaltungsmanager Schmidt, der seine Karriere mit der Hilfe für Schwererziehbare begann, von der weichen Vermischung wirtschaftlicher und politischer Partygänger und Interessenten gelebt. Mit dem Fall Wulff gilt das Event-Geschäft im politischen Bereich als ziemlich kaputt. Der Vorstand der Deutschen Bahn hat soeben das Aus des Polit-Sponsorings beschlossen. Das lässt für die kommenden politischen Sommerfeste in der Hauptstadt die Veranstalter schwitzen oder ganz absagen.

von Dieter Wonka