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Emotionen helfen nicht weiter

Debatte um Beschneidungen Emotionen helfen nicht weiter

Wenn religiöse Traditionen und weltliche Anschauungen aufeinanderprallen, bietet das immer reichlich Zündstoff. So auch im Fall der Kölner Richter, die rituelle Beschneidungen von Jungen als strafbare Körperverletzungen sehen.

Marburg. Beschneidungen sind sowohl im Judentum als auch im Islam uralte Traditionen. Dass sie jetzt als rechtswidrige Körperverletzung gelten sollen, löst in den jeweiligen Gemeinden verständlicherweise heftige Emotionen aus.

Davon sollte sich jedoch niemand anstecken lassen. Dass Kinderschützer an erster Stelle das Wohl des Kindes sehen und dieses schützen wollen, ist verständlich. Die Warnung der Kinderhilfe vor einem „Blankoscheck für religiös motivierte Kindesmisshandlungen“ jedoch geht weit über das Ziel hinaus. Solch eine Äußerung hilft niemanden weiter, im Gegenteil: Sie lässt die Emotionen nur noch höher kochen.

Was jetzt gefragt ist, ist Fingerspitzengefühl - und schnelle Rechtssicherheit. Denn nur eine gesetzliche Regelung kann dafür sorgen, dass sich alle wieder beruhigen und nicht weiter aufeinander losgehen. Wie eine solche Regelung aussehen kann, hat allein der Gesetzgeber zu entscheiden. Die Frage, was höher zu bewerten ist - Religionsfreiheit oder körperliche Unversehrtheit -, dürfte so einfach nicht zu beantworten sein.

Wer religiös begründete Beschneidungen verbietet, trägt unter Umständen dazu bei, dass Beschneidungen künftig „in Hinterzimmern“ stattfinden - unter medizinisch bedenklichen Voraussetzungen. Sinnvoll wäre deswegen eine Regelung ähnlich wie beim Thema Abtreibung. Diese ist zwar rechtswidrig, bleibt unter bestimmten Voraussetzungen aber straffrei.

von Maren Schultz

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