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Berliner Redaktion "Du darfst" blamiert sich mit Werbespot
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21:08 11.04.2012
Berlin

Und tatsächlich: Die Frauenstimme aus dem Off erklärt zu Bildern glücklicher Menschen, die gemeinsam Wurst essen und Fallschirmspringen, ganz selbstverständlich: „Fuck the diet“.

Der neue Slogan für die fettarmen Produkte ist damit ziemlich direkt geworden. Aussage: Mit unseren Lebensmitteln kannst du Essen so viel du willst, also - frei übersetzt - scheiß auf Diät. Der passende Spot läuft bereits im Fernsehen, im Internet soll der Spruch auf die Face­book-Seite der Firma führen. Dort haben sich jedoch nicht nur begeisterte Fernsehzuschauer, sondern auch eine ganze Menge Kritiker verewigt. „Peinlich“, findet eine die neue Werbung, die von der Agentur Ogilvy & Mather entworfen wurde. Ein anderer meint, sie passe zum Volk - „dumm und niveaulos“. Und offensichtlich sind auch Eltern eher unzufrieden: „Ich erziehe meine Tochter so, dass sie solche Wörter nicht sagt, und was machen Sie? F... Du darfst!!!“, schreibt ein Vater. Der Verein Deutscher Sprache ist ebenfalls nicht beeindruckt - im Gegenteil. „Es ist eine grobe Unverschämtheit, was da auf die Sprachgemeinschaft losgelassen wird“, sagt Geschäftsführer Holger Klatte. Der englische Slogan solle wohl jung, modern und knackig wirken. Allerdings: „In englischsprachigen Ländern wie den USA würde die Werbung sogar zensiert werden.“ Damit habe „Du darfst“ beim Sprachniveau „einen neuen Tiefpunkt erreicht.“ „Du darfst“, das zu dem niederländisch-britischen Konzern Unilever gehört, sieht in dem drastischen Slogan eher ein gutes Werk. In Zeiten des Diätwahns habe man eine Diskussion anstoßen wollen, wird bei Facebook erklärt - als Konsequenz auf die vielen bitterbösen Kommentare. „Wir verstehen „Fuck the Diet“ als emotionalen Ausdruck einer Einstellung, von der wir glauben, dass sie von einer Menge Frauen insgeheim herbeigewünscht wird.“ Die Wortwahl solle „wachrütteln“, wobei die auch nicht glücklich ist. Dass „Diet“ auf Englisch nicht nur „Diät“, sondern auch simpel „Ernährung“ heißt, sorgt im Internet schon für zahlreiche Lacher. Inzwischen wundern sich auch ausländische Medien über den deutschen Umgang mit Schimpfworten. Der englische „Guardian“ berichtet, dass die Kampagne nicht sonderlich gut bei Frauen ankomme. Auf französischen und russischen Internetseiten wird diskutiert, warum niemand die Kinder schütze.

von Sebastian Scherer