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Berliner Redaktion "Die Wahlen sind eine riesige Chance für die FDP"
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19:40 13.04.2012
Berlin

OP: Herr Rösler, wann wird Christian Lindner Ihr Nachfolger als FDP-Chef?

Philipp Rösler: Es geht aktuell nicht um einzelne Personen, sondern um die Frage, wie stark die liberale Stimme im Landtag von Düsseldorf wird. Das ist unser gemeinsames Ziel: Die FDP wird die Landespolitik in NRW mit ihren Themen - Entschuldung, Bildungschancen, attraktiver Industriestandort - weiter kraftvoll mitgestalten können. Und mit dem besten Mann für NRW - Christian Lindner.

OP: Sie haben vor einem Jahr die Parteiführung übernommen. Haben Sie die FDP erfolgreich verändert?

Rösler: Wir hatten 2011 vieles abzuarbeiten. Es ging um eine Neupositionierung für dieses Jahr und mit dem Blick auf 2013. Wie man gerade in NRW sieht: Die Menschen hören uns wieder zu und sie stimmen der liberalen Absage an den sozialdemokratischen Einheitsbrei mehr und mehr zu. Die bevorstehenden Wahlen sind eine riesige Chance für beide Bundesländer und auch für die FDP.

OP: Sie haben als Amateur als Vorsitzender angefangen. Wie professionell sind Sie inzwischen geworden?

Rösler: Ich teile schon Ihre Ausgangsthese nicht.

OP: Sind Sie schon ein hoch professioneller Vorsitzender, so wie Sie sich das vermutlich bei Amtsantritt vorgenommen haben?

Rösler: Als Vorsitzender sollte man wissen, dass man Antworten darauf anderen überlässt. Und darüber hinaus lernt man, wie jeder von uns, täglich hinzu.

OP: Zu Ihrem Prinzip gehört auch, dass die FDP erkennbarer werden muss, um sich durchzusetzen. Gehört dazu auch eine koalitionspolitische Option wie die Ampel? Mit Westerwelle schien das ausgeschlossen.

Rösler: Andere Parteien ähneln sich in ihrem sozialdemokratischen Einheitsgewand immer mehr. Das ist unsere aktuelle Chance: Die FDP steht wie keine andere Partei für die Themen der Freiheit, der wirtschaftlichen Vernunft, der Bürgerrechte, der gesellschaftspolitischen Offenheit und Toleranz. Davon bekommt man bei anderen nur mal dieses oder jenes Häppchen. Und wenn wir zu diesen liberalen Grundwerten in der alltäglichen Politik stehen, werden wir erkannt und auch anerkannt.

OP: Ist es koalitionspolitisch unfreundlich, wenn Sie offensiv versuchen, CDU-Wähler zu binden, die über die Obersozialdemokratin Angela Merkel und die sozialdemokratischere Union stöhnen?

Rösler: Wähler wollen Wettbewerb. Und in einer Koalition fusioniert man nicht, sondern bleibt eigenständig. Verlässlich bei dem, worauf man sich verständigt hat, gemeinsam flexibel, aber fest in den Grundüberzeugungen. Zurzeit würden wir uns mehr Einigkeit in den Reihen der Union wünschen, um gemeinsam Baustellen schließen zu können wie beim Betreuungsgeld oder der Pendlerpauschale. Wir füllen die Lücke, die andere in der Mitte lassen.

OP: Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie die Bundestagswahl 2013 als FDP-Chef erreichen und wer befindet darüber?

Rösler: Die nächsten regulären Vorstandswahlen stehen bei unserem Parteitag im Mai 2013 an. Ich konzentriere mich jetzt auf Punktgewinne für die FDP: mit den Wahlkämpfern im Norden und im Westen, dann auch in Niedersachsen sowie in der Berliner Regierungszusammenarbeit .

OP: Was ist das Schwerste an Ihrer Arbeit als FDP-Chef?

Rösler: Dass der Tag nur 24 Stunden hat. Mittlerweile greifen die Rädchen des Zeitmanagements aber fein ineinander. Es ist gut, wenn man sich auf Mitarbeiter und viele Freunde verlassen kann.

OP: Ist es ein Problem für Sie, dass Angela Merkel als sehr nachtragend gilt?

Rösler: Ich kann gar nicht bestätigen, dass Angela Merkel nachtragend ist. Wir haben ein gutes Verhältnis zueinander.

von Dieter Wonka