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"Die Kunst des Zuhörens praktizieren"

Interview mit Linken-Vorsitzender Katja Kipping "Die Kunst des Zuhörens praktizieren"

Katja Kipping, neue Vorsitzende der Linkspartei, will mit neuem Motto die Partei einigen und stabilisieren: „Fragend schreiten wir voran“.

Göttingen. OP: Die alte PDS ist endgültig tot, die „Bartschisten“ sind geschlagen und gespalten. Zufrieden?

Katja Kipping: Sie müssen auf einem anderen Bundesparteitag gewesen sein als ich. Wir haben eine Führung gewählt, die die Partei in der ganzen Breite abbildet. Matthias Höhn aus Sachsen-Anhalt ist als neuer Bundesgeschäftsführer mit einem richtig guten Ergebnis gewählt worden.

OP: Wo liegt der Gebrauchswert der Linken?

Kipping: Es gibt in Deutschland viele Gruppen, die sich keine Lobbyisten leisten können, zum Beispiel Leiharbeiterinnen, die Schlecker-Frauen, Solo-Selbstständige am Laptop, Erwerbslose, die auf den Ämtern gedemütigt werden, oder Angestellte, die in der gleichen Arbeitszeit immer mehr leisten müssen. Unsere Aufgabe ist es, uns genau für diese Menschen einzusetzen, weil es niemand sonst tut.

OP: Wie wollen Sie die frustrierten Ostler wieder mit „ihrer“ Partei versöhnen?

Kipping: Die neue Führung muss die Kunst des Zuhörens praktizieren. Wir werden bald eine Tour durch alle Bundesländer, zu allen Landesverbänden unternehmen, uns vorstellen und die Vorschläge unserer Basis aufnehmen. Wir werden im Internet einen Blog für Vorschläge unser Mitglieder und Sympathisanten einrichten. Der Schlüssel zum Erfolg ist für uns eine Kultur der Offenheit und ein Gestus: Fragend schreiten wir voran.

OP: Was spricht gegen ein Bundestags-Spitzenkandidatenduo Sahra Wagenknecht/Oskar Lafontaine?

Kipping: Die K-Frage hat sich auf dem Parteitag nicht gestellt. Ich hoffe und wünsche mir, dass Oskar Lafontaine, Gregor Gysi, Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch, aber auch Klaus Ernst und Gesine Lötzsch weiterhin in unserer Partei eine wichtige Rolle spielen werden.

OP: Wie viele Stunden täglich wollen Sie dem Kind schenken, wie viele Stunden der Vorsitzendenarbeit?

Kipping: Ich bin ein Fan von Arbeitsteilung, weil es den Teamgeist stärkt und außerdem auch genügend Raum für ein glückliches Familienleben lässt.

OP: Hat Gysi noch Führungsautorität?

Kipping: Ja.

von Dieter Wonka

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