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Die Beste, aber nicht gut genug

"System Merkel" Die Beste, aber nicht gut genug

Angela Merkel ist das Beste, was der CDU im nächsten Wahlkampf passieren kann. Das ist nicht nur dem konservativen Wortführer Bosbach unionsintern klar.

Schon der Blick hinüber zur maladen SPD-Troika sollte alle in der CDU demütig stimmen, die in Parlamenten wirkungsvoll gestalten wollen. Insofern ist die alte Leier vom immer neu zuschlagenden „System Merkel“ ein Beleg für die Unfähigkeit der Kritiker, sich einflussreich zu inszenieren. Was kann „Mutti“ dafür, dass die Herren Merz und Koch lieber viel Geld in der Privatwirtschaft verdienen, als in der CDU an Merkel vorbei das konservative Profil zu polieren?

Es ist wahr, bisweilen erscheint nun die Union als Partei von Schwächlingen, von Duckmäusern - Stichwort: Kanzlerinnen-Wahlverein. Und manche haben noch nicht verwunden, dass eine pragmatische Ostlerin die Hosen anhat. Wem es in erster Linie um die Macht geht, wer von Haus aus mit Grundsätzen nicht viel anfangen kann, dem gehen ideologische Konflikte um konservatives Herzblut, um emotionale Themen-Bindungen auf die Nerven. Solche politischen Führer wie Angela Merkel finden kaum Gefallen an dem, was schon immer so und nicht anders sein sollte. Deshalb murren Konservative in der Union.

Sie wissen, Angela Merkel ist keine von ihnen. Ihr ist die liberale Marktwirtschaft, ihr sind FDP-Naseweise eher suspekt. Sie würde gerne durchregieren, am besten mit der SPD als Junior. Merkel vorn, der ist Rest ist schon fast egal. Gegen ein solches Parteien- und Politik-Verständnis laufen viele Sturm. Die meisten von ihnen in der Union haben sich aber damit abgefunden, dass Merkel so ist, wie sie ist. Wer sich lieber mit sich selbst als mit wirklichen Alternativen beschäftigt, ist keine Gefahr. Auch die CDU ist voll von Leuten, die alles besser wissen, aber eben nicht, wie es besser geht.

Angela Merkel kennt dies alles - vermutlich sehr viel besser als Josef Schlarmann. Aber sie ist keine wirklich große Politikerin und Vorsitzende. Denn sonst hätte sie dafür gesorgt, dass in der Union nicht jede erst zu nehmende Kritik als Majestätsbeleidigung abgewürgt wird, dass nicht alles als alternativlos geschildert wird, was im Kanzleramt erdacht und von Merkels Getreuen exekutiert wird.

Macht zu besitzen ist schön. Man kann aber auch in Amt und Würden inhaltlich und personell austrocknen. Ganz unversehens landet man dann nach einem Wahlknaller nicht nur in der Opposition, sondern auch in mehr oder weniger lang andauernder Depression.

SPD und FDP erleben dies immer mal wieder. Und die CDU hat nach dem langwierigen Ableben des „System Kohl“ erfahren, wie tief man fallen kann. Bald geht es vielleicht wieder los.

von Dieter Wonka

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