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Der Weg zurück

Von Marburg nach Kabul Der Weg zurück

Der 21-jährige Wasim Bahawi ist vor wenigen Tagen aus Marburg nach Afghanistan zurückgekehrt, um seine Eltern, seine Geschwister und seine Verlobte wiederzusehen (die OP berichtete).

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Wasim Bahawi (links) ist wieder zu Hause in Kabul bei seinem Vater und seinem Bruder.

Quelle: Privatfoto

Marburg/Kabul. Vor drei Jahren waren Wasim und sein jüngerer Bruder in Kabul gekidnappt worden. Eine Woche lang wurden sie von Kriminellen festgehalten, bis ihr Vater 100000 Dollar Lösegeld bezahlt hatte. Danach flüchteten die beiden Brüder über Umwege nach Deutschland.

Nachdem sein Asylantrag zweimal abgelehnt wurde, hat sich Wasim entschieden, freiwillig nach Afghanistan zurückzukehren. In Deutschland hatte er bereits einen Ausbildungsplatz in Aussicht. Die OP hat nach der Ausreise Kontakt zu Wasim Bahawi gehalten und ihn gefragt, wie es ihm seitdem ergangen ist.

OP: Welche Gefühle hattest du, als du am Flughafen Kabul angekommen bist?

Wasim Bahawi: Ich hatte ein schlechtes Gefühl, als ich in Kabul angekommen bin. Die Atmosphäre war ganz anders und das Wetter war ganz anders. Um 15 Uhr bin ich in Kabul angekommen, dann haben mich meine Eltern abgeholt. .

OP: Normalerweise, wenn man freiwillig nach Afghanistan zurückkehrt, bekommt man für die erste Zeit Unterstützung von der Internationalen Organisation für Migration (IOM). Hast du bei deiner Ankunft Geld von IOM bekommen und wie viel?

Bahawi: Als ich am Flughafen angekommen bin, habe ich 800 Euro gekriegt. Seitdem hatte ich keinen Kontakt mit IOM gehabt, und in diesen drei Tagen hat niemand angerufen.

OP: Wo wohnst du gerade, wohnst du bei deiner Familie oder allein?

Bahawi: Wegen der Sicherheit kann ich meine genaue Adresse nicht sagen, aber ich wohne bei meinen Eltern. Sie haben mich schon am Flughafen abgeholt. Seitdem ich im Haus meiner Familie angekommen bin, fühle ich mich sicher. Aber seit drei Tagen bin ich nicht nach draußen gegangen, weil ich Angst habe. Das ist sehr schwer, wenn man nach drei Jahren zurückgeht, hat man große Angst. Man hat auf der Straße keine Sicherheit. Ich habe wirklich Angst, wegen meiner Sicherheit kann ich nicht nach draußen gehen. Ich fühle mich wie in einem Gefängnis.

OP: Was denkst du - was hat sich in drei Jahren in Afghanistan, besonders in Kabul verändert?

Bahawi: Wie gesagt, als ich 2014 nach Deutschland gekommen bin, war die Situation schlecht, aber jetzt ist die Situation schlechter geworden. Ich kann sagen, dass die Situation 2014 besser war als 2017. Ich habe heute in den Nachrichten gehört, dass der IS in Kabul ein militärisches Ausbildungszentrum angegriffen hat. Und das ist nur drei Kilometer weit weg von mir.

OP: Hast du deine Verlobte schon getroffen?

Bahawi: Ja, natürlich habe ich sie getroffen, aber nur ganz kurz am Flughafen. Seitdem habe ich sie nicht gesehen. Normalerweise ist das so in unser Kultur, dass vor der Hochzeit die Verlobte nicht ins Haus des Mannes kommt, sondern der Mann die Frau besucht. So ist das - und wegen meiner Sicherheit kann ich nicht dorthin gehen.

OP: Wie ist die Situation gerade in Kabul?

Bahawi: Es gibt in Kabul überhaupt keine Sicherheit. So schnell wie möglich will ich Afghanistan wieder verlassen.

OP: Willst du nicht in Afghanistan bleiben?

Bahawi: Auf keinen Fall. Ich kann nicht noch mal von null anfangen. Ich habe 2014 in Deutschland von null angefangen, ich bin zur Schule gegangen, ich habe die deutsche Sprache gelernt. Ehrlich gesagt, kann ich nicht wieder in Afghanistan von null anfangen. Ich versuche, so schnell wie möglich wieder nach Deutschland zu kommen. Ich will mein Leben in Deutschland weiterführen.

von Hashmatullah Behnam

  • Hashmatullah Behnam ist derzeit Praktikant bei der Oberhessischen Presse. Er hat vor seiner Flucht bereits in Afghanistan als Journalist bei TV- und Radiosendern gearbeitet und kam vor zwei Jahren über die Balkanroute nach Deutschland. Hashmatullah Behnam und Wasim Bahawi haben das Interview am Telefon auf eigenen Wunsch komplett auf Deutsch geführt, die Redaktion hat es lediglich sprachlich geglättet.
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Von Redakteur Michael Agricola

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