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Bodo Ramelow: "Ich sehe das unaufgeregt"

Linken-Politiker zum Rücktritt von Gesine Lötzsch Bodo Ramelow: "Ich sehe das unaufgeregt"

Die neue Frau in der Doppelspitze der Linken könnte nach Ansicht des Thüringer Fraktionsvorsitzenden Bodo Ramelow auch aus dem Westen kommen.

Marburg. Im Interview sprach sich Ramelow gegen Quoten für die Vertreter von Ost und West sowie verschiedener Flügel in der Parteispitze aus.

OP: Herr Ramelow, waren Sie überrascht, als Gesine Lötzsch am Dienstagabend ihren Rücktritt verkündete?

Bodo Ramelow: Ja, klar. Ein Rückzug aus solch privaten Gründen ist eine hoch persönliche Angelegenheit und macht deutlich, dass private Sorgen und öffentliches Leben ziemlich unverträglich sind. Von daher kann ich nur meinen Respekt zollen und Familie Lötzsch alles Gute wünschen.

OP: Nun zieht die Linke mit nur noch einem Vorsitzenden in die Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. Wäre es nicht besser, jetzt sofort über die Nachfolge zu entscheiden?

Ramelow: Dazu gibt es überhaupt keinen Grund. Wir sind im Moment in den Vorbereitungen zum Göttinger Parteitag, und dort stehen sowieso Neuwahlen auf der Tagesordnung. Ich sehe das wirklich sehr unaufgeregt. Und es gibt etwas viel Spannenderes für mich: Das ist die Frage, gelingt es uns, in Nordrhein-Westfalen die Fünf-Prozent-Hürde zu knacken.

OP: Aber da kommt es ja auch auf die Zugpferde an.

Ramelow: Ja, aber die beiden Parteivorsitzenden stehen dort nicht zur Wahl. In Nordrhein-Westfalen stehen Wolfgang Zimmermann und Katharina Schwabedissen zur Wahl. Beide sind engagierte Leute, und ich kann mir eine Katharina Schwabedissen zukünftig auch auf der Bundesebene vorstellen.

OP: Das heißt, die neue Frau in der Doppelspitze könnte auch aus dem Westen kommen?

Ramelow: Ja. Ich bin strikter Anhänger einer geschlechtsspezifischen Doppelspitze, aber ich bin ein Gegner von Himmelsrichtungs- und Strömungsdefinitionen. Diese Mehrfach-Quotierungen tun uns überhaupt nicht gut. Es muss um Persönlichkeiten gehen, die zur Wahl stehen. Ich nenne nur drei Frauen: Aus Hessen stände Janine Wissler zur Verfügung, die im Landtag als Fraktionsvorsitzende ihre Frau steht. Wir haben Katharina Schwabedissen in Nordrhein-Westfalen, die über längere Zeit schon bewiesen hat, dass sie in der Lage ist, Verantwortung zu übernehmen. Und wir haben als gestandene Persönlichkeit Dora Heyenn aus Hamburg. Aber ich kann mir eben auch eine Idealkombination vorstellen.

OP: Und die wäre?

Ramelow: Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich sagen, Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch als Vorsitzende. Und Oskar Lafontaine und Gregor Gysi als Zugpferde für die Bundestagswahl, dann hätten wir eine gute Grundaufstellung, die gesamtdeutsche Ansprüche auch nach außen ausstrahlt.

von Stefan Dietrich

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