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Blackbox im Auto könnte für Sicherheit sorgen

Blackbox im Auto Blackbox im Auto könnte für Sicherheit sorgen

Brauchen Autos wie Flugzeuge eine Blackbox, um die Ursachen von Unfällen besser ermitteln zu können? Ein Beschluss des Petitionsausschusses sorgt für Wirbel.

Marburg. Auf die Autofahrer komme wohl der serienmäßige Einbau eines Unfalldatenspeichers zu, schreibt die „Saarbrücker Zeitung“. Durch ein solches Gerät lasse sich ähnlich wie in einem Flugzeug feststellen, was in den Sekunden vor, während und nach einem Unfall passiert ist.

Doch so rasch, wie der Medienbericht vermuten lässt, steht die flächendeckende Einführung der Blackbox offenbar doch nicht bevor. „Es gibt dazu keinen Bundestagsbeschluss, sondern der Petitionsausschuss hat beschlossen, eine Petition an das Europäische Parlament weiterzuleiten“, sagt der SPD-Verkehrsexperte Sören Bartol. „Und auf die europäische Ebene gehört es auch hin. Denn es wäre ja Quatsch, wenn die deutschen Autos das haben und Autos aus anderen Ländern nicht.“

Das sei noch keine Entscheidung für die serienmäßige Einführung, stellt der Marburger Bundestagsabgeordnete klar: „Es gibt Pro- und Contra-Argumente, und im Petitionsausschuss sind auch die Probleme diskutiert worden: Beispielsweise die Kosten für Einbau und Wartung und Datenschutzfragen.“ So hält auch der Petitionsausschuss als Ergebnis der parlamentarischen Beratung über den von 417 Bürgern unterzeichneten Antrag fest: Die Europäische Union könne die Petition in seine Überlegungen einbeziehen, die es sowohl auf europäischer als auch auf Bundesebene seit einiger Zeit gebe.

Wenn auf europäischer Ebene die Vor- und Nachteile gegeneinander abgewogen sind, könnte aus Bartols Sicht zunächst in bestimmten Fahrzeugklassen getestet werden, ob die Verkehrssicherheit durch Unfalldatenschreiber steigt - beispielsweise in gewerblichen Fahrzeugen. „Eine sofortige flächendeckende Einführung lehnen wir ab“, stellt Bartol die Position der SPD klar.

Ähnlich äußerte sich das Bundesverkehrsministerium: „Bevor man solche Geräte verbindlich einbaut, sind die technischen Fragen zu klären, die Kostenfragen und vor allem die datenschutzrechtlichen Fragen“, sagte ein Sprecher der Nachrichtenagentur dpa. Der Datenschutzbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein, Thilo Weichert, bezeichnete es als Problem, dass die Daten von Polizei und Versicherungen ausgewertet werden könnten.

Die Geräte, die schon jetzt freiwillig eingebaut werden können, würden laut „Saarbrücker Zeitung“ mehrere hundert Euro kosten. Befürworter der Blackbox glauben, dass dadurch nicht nur die Schuld an einem Unfall leichter zu ermitteln ist, sondern Unfälle sogar vermieden werden können. In dem Petitionsantrag heißt es, Untersuchungen hätten gezeigt, „dass Fahrer in Fahrzeugen mit Unfalldatenschreiber überwiegend vorsichtiger fahren würden“.

Bartol steht dieser Einschätzung skeptisch gegenüber. Gero Storjohann (CDU), Verkehrsexperte der Union, sagte dagegen der „Saarbrücker Zeitung“: „Für mich ist die Blackbox im Auto ein weiterer Baustein, um zu mehr Verkehrssicherheit zu kommen.“ Es sei aber nicht an eine Pflicht zum nachträglichen Einbau in bereits zugelassene Autos gedacht.

Die Bundesregierung will abwarten, welche Vorschläge aus Brüssel kommen. Nur die EU-Kommission habe hier das Recht zur Initiative, sagt der Ministeriumssprecher. EU-Verkehrskommissar Siim Kallas hat aber derzeit keine konkreten Blackbox-Pläne, wie seine Sprecherin der dpa sagte. Erst im nächsten Jahr solle eine von der Kommission in Auftrag gegebene Studie zum Thema vorliegen, auf deren Basis über weitere Schritte entschieden werde.

von Stefan Dietrich

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