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Betriebsamkeit ist keine Utopie

Betriebsamkeit ist keine Utopie

Es gab einmal eine Zeit, da herrschte auf dem Schlossareal Hochbetrieb: Sonntag für Sonntag pilgerten bis zu tausend Menschen zur Freilichtbühne.

Marburg. Marburg. In den späten 80er-Jahren lud die Stadt Marburg in Gestalt des damaligen Verkehrsdirektors Hans Christian Sommer den ganzen Sommer zu den „Sommerkonzerten“ auf die Freilichtbühne im Schlosspark. Bis zu 1000 Menschen kamen jede Woche - zu Fuß, mit dem Auto oder mit dem „Schlossbus“. Der Verkehrsdirektor hatte damals die ein oder andere schlaflose Nacht zu überstehen: Was sollte geschehen, wenn es regnet? Ersatz-Spielorte wurden im Stadtzentrum zur Verfügung gehalten – aber die, die damals dabei waren, erinnern sich: Es war jedesmal ein Zitterspiel. Sicher einer der Gründe, warum damals bereits die Idee einer Überdachung für die Freilichtbühne geboren wurde – vorsichtige Schätzungen sprachen damals von Kosten in Höhe von 1,8 Millionen Mark.

Sommer wird seinen Erfahrungsschatz von damals wohl einbringen, wenn heute auf dem 9. Marburger Stadtforum (19 Uhr im Stadtverordnetensitzungssaal, Barfüßerstraße 50) über die Zukunft des Schlossareals gesprochen werden wird.

von Till Conrad

Dabei geht es nicht nur um eine mögliche Überdachung der Freilichtbühne: Überlegungen, das Schlossareal mehr zu beleben und es zu einem touristischen Anziehungspunkt für Marburg zu machen, werden auch die Frage mit diskutieren müssen, wie die Menschen denn aufs Schloss kommen sollen. Oberbürgermeister Egon Vaupel hat Ende vergangenen Jahres vorgeschlagen, einen Schrägaufzug von der Wasser-scheide aus zum Schloss zu bauen. Alle Lösungen, die einenregelmäßigen Busverkehr zum Schloss vorsehen, müssen die Frage beantworten, wie die beiden engen Straßenknicke an der Ecke Barfüßertor/Rotenberg/Sybelstraße und am Gisonenweg entweder umgangen oder entschärft werden können.

Wegen der steilen Hanglage keine leichte Aufgabe - und dann gibt es noch die Anwohner, die wenig begeistert sein werden, wenn große Busse zum Schloss hinauffahren würden.

Andererseits: Mehr Pkw als bisher zum Schloss hochzulocken, verbietet sich von selbst: Es gibt nun einmal keine Parkplätze auf dem Schlossareal.

In den vergangenen Jahren sind Großveranstaltungen im Landgrafenschloss gelegentlich daran gescheitert, dass das Land Hessen seine Zustimmung verweigert hat - nicht aus Bosheit oder mangelndem guten Willen, sondern aus Sorge um die einmalige kunsthistorische Sammlung im Landgrafenschloss. Auch dafür gilt es eine Lösung zu finden, wenn über die Belebung des Schlossareals diskutiert wird.

Aber was heißt hier Belebung. Hubert Hetsch, der Geschäftsführer der Marburger Filmkunsttheater, weist in einem Schreiben an die OP darauf hin, dass die Marburger Kinobetriebe seit 1993 sage und schreibe 669 Open-Air-Vorstellungen auf der Freilichtbühne organisiert haben. Jedes Jahr bevölkern zudem Tausende Menschen den Schlosspark bei „Drei Tage Marburg“.

Betrieb ist also auf dem Schlossareal. Heute abend wird es darum gehen, welche Bausteine zusammengetragen werden müssen für ein schlüssiges Gesamtkonzept, um das Landgrafenschloss ganzjährig zu einem Anziehungspunkt für marburger wie für Touristen zu machen.

n Die Facebook-Fans der OP haben verschiedene Vorschläge für das Schlossareal gemacht: Unter anderem Aufzug, Pferdekutsche oder Esel um hochzukommen; die Gelegenheit, im Schloss auch Hochzeiten oder ähnliches feiern zu können sowie mehr Rasen und blühende Sträucher direkt am Schloss.

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