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Ausschreitungen könnten heftig werden

Krawalle in Berlin zum 1. Mai Ausschreitungen könnten heftig werden

Von einem Osterei wird gesprochen, das man der Telekom vor die Tür gelegt habe. Neun Autos brannten in der Nacht zu Sonntag auf ihrem Firmengelände am Prenzlauer Berg in Berlin.

Berlin. Auf der linken Internetseite „Indymedia“ gibt es dafür Applaus. „Tolle Aktion“, schreibt einer. Bereits in der Nacht zuvor hatten Unbekannte einen Audi Q7 im Stadtteil Neukölln angezündet. Dass hinter den Taten ein politischer Hintergrund steht, ist kaum noch fraglich. Die Polizei hat bereits ihren Staatsschutz beim Landeskriminalamt eingeschaltet.

Wenige Wochen vor dem 1. Mai scheinen die Linksautonomen aufzudrehen. 2012 ist es 25 Jahre her, dass in Kreuzberg bei dem von Linken organisierten Straßenfest schwere Unruhen ausbrachen. Jahr für Jahr liefern sich Demonstranten und Behörde seitdem ein Katz- und Mausspiel. In diesem Jahr scheint der Protest neue Formen anzunehmen. Autonome rufen im Internet zu „Insurrection Days“ auf - „Tagen der Auflehnung“. Angestrebt seien „dezentral möglichst viele direkte Aktionen durchzuführen“. Derzeit kursieren Listen mit Überwachungskameras, die zerstört werden sollen. Vorschläge wie „bei Aldi klauen“ oder „einen Bundesstaatsanwalt kidnappen“ werden mitgeliefert.

Die Polizei nimmt das ausgesprochen ernst. Das Problem: Wenn die Polizei zu früh zu mächtig in der Öffentlichkeit auftrete, provoziere das die Autonomen. Hinzu kommt, dass die Demo am 1. Mai (Motto: „Der Druck steigt“) nicht wie sonst durch Kreuzberg und Neukölln, sondern direkt durchs Regierungsviertel zum Brandenburger Tor führen soll. Die Deutsche Polizeigewerkschaft betonte bereits, dass man den „Chaoten“ das Brandenburger Tor auch aus Imagegründen für Berlin nicht als Kulisse zur Verfügung stellen dürfe.

Rüdiger Holocek, Sprecher der Gewerkschaft der Polizei, sieht in diesem Jahr noch eine andere Problematik. Erstmalig tragen Beamte am 1. Mai Rückennummern, um identifizierbar zu sein. Wer ohne Anlass auf Demonstranten einprügelt, soll leichter zur Rechenschaft gezogenen werden können - so die Idee. Der Gewerkschaftssprecher hält das für falsch, befürchtet Hetzjagden. „Die Beamten werden regelrecht verfolgt, Fotos von Gesichtern und Nummern ins Internet gestellt.“

von Sebastian Scherer

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