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Deutschland / Welt Berliner Duell Wowereit-Künast wieder spannend
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09:58 25.04.2011
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und die Fraktionschefin von Bündnis 90/Die Grünen, Renate Künast. Quelle: dpa

Renate Künast strotzt vor Zuversicht. „Wir werden so stark werden, dass die Berliner uns das Steuer in die Hand drücken“, gab sich die 55-Jährige jüngst siegessicher. Die Grünen-Herausforderin des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit will bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus am 18. September den seit zehn Jahren amtierenden SPD-Politiker ablösen. Denn die Grünen wollen nicht nur mitregieren, sondern erstmals auch den Ton im Senat angeben.

Was 2006 selbst für die in Berlin traditionell starken Grünen noch undenkbar war, könnte jetzt klappen.

Die Atomkatastrophe im japanischen Fukushima hebt die Grünen in neue Sympathiehöhen. Zunächst verhalf sie Künasts Parteikollegen Winfried Kretschmann in Baden-Württemberg zum Punktsieg über die SPD. Dann schob sie auch die Berliner Grünen Anfang April erneut an die Spitze. Mit 28 Prozent lagen sie in einer Infratest dimap-Umfrage zwei Punkte vor der SPD.

Zuletzt war das den Grünen im November gelungen. Im Februar waren die Grünen mit 23 Prozent noch 5 Punkte hinter der SPD gelandet.

Kopf-an-Kopf-Rennen

In der jüngsten Umfrage des Info-Instituts von Mitte April kletterten die Grünen gar auf 30 Prozent, die SPD erreichte 27 Prozent. Fünf Monate vor der Wahl ist das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Grün und Rot - Künast und Wowereit - wieder richtig spannend geworden. „Eine Prognose ist schwierig, wer am Ende die Nase vorn behält“, sagt der Berliner Parteienforscher Prof. Oskar Niedermayer.

„Viel hängt davon ab, wie lange sich Fukushima und die Folgen prominent in den Medien halten.“ Beim Duell Wowereit-Künast um das höchste Regierungsamt spielen die anderen Parteien nach Einschätzung von Niedermayer nur eine untergeordnete Rolle. Weder die CDU (zuletzt bei 21 Prozent) noch die mitregierende Linke (bei 15 Prozent) könnten mit ihren Spitzenkandidaten Frank Henkel und Wirtschaftssenator Harald Wolf ernsthaft eingreifen.

CDU-Chef Henkel sei selbst in Berlin kaum bekannt. Zudem habe er das strategische Dilemma, dass ihm ein Koalitionspartner fehle. „Die FDP liegt derzeit immer bei 3 Prozent und wird wohl nicht wieder ins Abgeordnetenhaus einziehen“, prognostiziert der Parteienforscher. Die SPD werde den Teufel tun und mit der CDU regieren, wenn sie zwischen Grünen und Linke wählen könne. Und die Grünen betonten gerade in Berlin immer wieder ihre inhaltliche Distanz zur CDU.

Linke-Spitzenkandidat Wolf werde zwar als „honoriger Arbeiter, aber als wenig charismatisch“ angesehen, sagt Niedermayer. Und dann fehlten der Linke ein inhaltliches Alleinstellungsmerkmal sowie der bundespolitische Rückenwind. Die anhaltende Debatte um das an der eigenen Basis unbeliebte Führungsduo schrecke Wähler eher ab.

Die SPD gibt sich cool und setzt auf Zeit sowie auf ihren Spitzenkandidaten. Begründet, findet Niedermayer. Wenn sich die „Konjunktur dieses urgrünen Themas Atompolitik“ abschwäche, „hat die SPD wieder etwas bessere Karten, allein schon dadurch, dass Wowereit unbestritten die Nummer 1 bei den Berlinern ist“, sagt er.

Das ist das Dilemma der Grünen und ihrer Spitzenkandidatin. Selbst in ihrer ersten Hochphase im Herbst, als sie die regierende SPD mit 30 zu 22 Prozent deutlich abhängten, lag Künast in der Gunst der Wähler nicht vor Wowereit. Auch jetzt schlägt der 57-Jährige mit 55 Prozent im direkten Vergleich Künast mit 30 Prozent um Längen.

„Wowereit ist vielen Leuten sympathisch und verkörpert in ihren Augen wie kein anderer das Lebensgefühl, wie die Berliner sich gern sehen: weltoffen, tolerant und dennoch bodenständig“, sagt der Politologe. Zudem habe Künast einen zentralen Fehler gemacht, indem sie sagte, sie komme nur als Regierende Bürgermeisterin und bliebe ansonsten im Bundestag. „Das mögen die Berliner gar nicht.“

Berliner Medien kreideten Künast neben inhaltlichen Anfangsfehlern auch eine Kühle an. „Wo bleibt die Empathie, das Berlin-Gefühl eines Klaus Wowereit? Er hat das Herz mit Schnauze, sie hat die Schnauze, bloß das Herz fehlt“, kommentierte der „Tagesspiegel“.

dpa

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