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Barack Obama nutzt seine zweite Chance

TV-Duell Barack Obama nutzt seine zweite Chance

Drei Wochen vor den US-Präsidentschaftswahlen liefern sich Barack Obama und Mitt Romney in der Nacht zum Mittwoch einen beeindruckenden Schlagabtausch - doch die eigentliche Entscheidung lässt weiter auf sich warten.

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US-Präsident Barack Obama und sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney beim ersten Präsidenten TV-Duell. Nach dem gestrigen steht noch ein weiteres Rededuell an.

Quelle: Rick Wilking / dpa

Washington. Beim zweiten TV-Duell erleben die mehr als 50 Millionen Zuschauer eine spannende Auseinandersetzung, bei der sich beide Kandidaten in Topform präsentieren.

Der Amtsinhaber zeigt sich im Vergleich zu seinem ersten - verpatzten - Auftritt wie ausgewechselt: Obama greift den Herausforderer mehrfach an und wirft ihm vor, die Unwahrheit zu sagen. Auch OP-Blogger Harald Renz und seine Kollegen in Harvard sahen den Präsidenten deutlich aggressiver - und attraktiver. Obama spielt geschickt auf all die Fehltritte an, die sich Romney in den vergangenen Wochen geleistet hatte: "Gouverneur Romney bezeichnet 47 Prozent der Amerikaner als Opfer, weil sie keine Einkommenssteuer zahlen - also unsere Soldaten, die Studenten und all die Berufstätigen, die ihre Sozialversicherungsbeiträge zahlen, aber eben unterhalb der Einkommenssteuergrenze liegen. Sind das Opfer?" Außerdem hält er dem Republikaner vor, letztlich die Besserverdienenden zu bevorzugen anstatt für mehr Fairness zu sorgen.

Millionen Arbeitslose können  Wahl entscheiden

Romney wiederum lenkt die Debatte immer wieder auf die lahmende Wirtschaft. Als langjähriger Geschäftsmann empfiehlt er sich als der Kandidat, der mit schlechten Arbeitsmarktzahlen am besten umgehen kann: "Mein halbes Leben habe ich in der Privatindustrie verbracht und weiß, wie man Jobs schafft." Obama kontert: "Sie sind ein Meister im Verlagern von Jobs in Richtung China."

Die Debatte verläuft nach strengen Regeln, ohne dass die Spannung aus dem Streitgespräch verschwindet. In dem kleinen Städtchen Hempstead im Bundesstaat New York haben zunächst einmal die Bürger das Wort. Wie bei einer Stadtversammlung - einem "Townhall-Meeting" - stellen sie den Kandidaten Fragen, die zuvor ausdrücklich nicht abgesprochen wurden. Ganz Amerika kann sich an diesem Abend davon überzeugen, dass beide Spitzenkandidaten mit dieser Unberechenbarkeit bestens umgehen können. Wer aus dieser Debatte als Sieger hervorgeht, lässt sich schwer sagen. Die ersten Umfragen unmittelbar nach Sendeschluss sehen Obama mit einem dünnen Vorsprung vorn. Einige Kommentatoren gehen allerdings davon aus, dass diese Führung vor allem dem Umstand geschuldet sei, dass sich der Präsident im Vergleich zu der ersten Debatte am 3. Oktober so viel besser und angriffslustiger präsentiert. Ob er allerdings wesentlich überzeugender wirkt als Romney bleibt unter vielen Beobachtern zunächst strittig. Immer wieder muss er sich vorwerfen lassen, nicht genug getan zu haben, um neue Jobs für das Millionenheer von Arbeitslosen zu schaffen und den Menschen, die auf Lebensmittelkarten angewiesen sind, neue Perspektiven und Hoffnungen zu geben.

Obama punktet bei der Außenpolitik

Der "Commander in Chief" verfällt in eine andere, ernstere Tonlage, wenn es um die jüngsten Krisen geht. Er spricht plötzlich mit knappen, eindringlichen Sätzen, die an eine Befehlsausgabe erinnern - und viele Amerikaner dürften in diesem Moment spüren, dass ihr Präsident tatsächlich ein ernstzunehmender Militärführer ist. Romneys Versuch, Obama nach dem blutigen Angriff auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi Führungsversagen vorzuwerfen, geht nach hinten los: Sein Vorwurf, der Präsident habe zu spät erkannt, dass es sich um eine Terrorattacke handelte, ist schlicht falsch. Schon 24 Stunden nach dem Unglück hatte der Chef des Weißen Hauses von einem "Terrorakt" gesprochen - auch wenn sich einige Präsidentschaftsberater zunächst anders geäußert hatten. Obamas trockene Antwort auf Romney lautet denn auch: "Schauen Sie in den Protokollen nach." Es ist wohl der Moment in der 90-minütigen Debatte, in dem der Amtsinhaber am meisten überzeugt.

Es bleibt aber die Frage, ob diese außenpolitischen Streitigkeiten den Ausschlag bei den Wählern geben. Eine Arbeitslosenquote von knapp acht Prozent, hohe Benzinpreise und Schuldenberge der öffentlichen Hand lasten auf dem Amtsinhaber. Es ist offensichtlich: Das Kopf-an-Kopf-Rennen setzt sich auch in den letzten drei Wochen bis zu den Präsidentschaftswahlen fort.

Den Bericht unseres US-Bloggers Prof. Harald Renz finden Sie im OP-Blog 6monateharvard.

Von Stefan Koch

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