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00:15 22.06.2013
Von Matthias Koch
Obama: „Our fates are linked“ – unsere Schicksale sind miteinander verknüpft. Quelle: Dröse
Hannover

Was genau gefiel den Leuten bei seiner Rede am Brandenburger Tor am besten? Wer die Aufzeichnung vor- und zurückspult, stellt fest: Der erste richtig breite und herzliche Applaus, vermischt mit ein paar Jubelrufen, brandete auf, als Obama wegen der Hitze sein Jackett auszog und sagte: „Wir können ja unter Freunden ein bisschen informeller miteinander umgehen.“

Was dann folgte, war mehr als nur Beifall fürs Banale. Obama ließ seine deutschen Zuschauer spüren, dass hier ein US-Präsident steht, der sie nicht von oben herab belehren, sondern mit ihnen zusammenarbeiten will: für eine gemeinsame gute Zukunft der 500 Millionen EU-Bürger und der 300 Millionen US-Bürger. Mit vier Worten kennzeichnete er die Zukunft dieser 800 Millionen Menschen: „Our fates are linked“ – unsere Schicksale sind miteinander verknüpft.

Konstruktive Kritik an den USA ...

Obama war gut beraten, in Berlin den Ball einigermaßen flach zu halten. Er wusste: Einen zweiten Triumphzug wie bei seinem ersten Besuch in Berlin als Präsidentschaftskandidat würde es diesmal nicht mehr geben.

Damals, im Juli 2008, war der junge schwarze Politiker aus Chicago noch mit einer magischen Aura umgeben. 200 000 Deutsche strebten mit leuchtenden Augen zu seinem Auftritt an der Siegessäule. Und die Kanzlerin war danach tagelang ratlos: Warum in aller Welt wurde plötzlich ein Senator aus Illinois verehrt und verklärt, als sei er der Messias? In Angela Merkels Kühle lag gar nichts Böses. Die Frau aus der Uckermark lebt nur einfach sehr weit entfernt vom Planeten Pathos.

Inzwischen haben sich die Dinge etwas normalisiert. Obamas bisherige Bilanz ist, aller im Weißen Haus üblichen, funkelnden Rhetorik zum Trotz, bescheiden. In der Finanzpolitik scheiden die USA wegen ihrer eigenen heillosen Verschuldung als Ratgeber mittlerweile aus. In der Menschenrechtsdebatte geriet Guantanamo zum Desaster. Und den alten völkerrechtlichen Fragwürdigkeiten der Bush-Regierung fügte Obama sogar noch neue hinzu: durch das ferngesteuerte Töten von Menschen in einem unerklärten Drohnenkrieg. Inzwischen höhnen Kritiker, man erlebe unter Obama „George W. Bushs Amtszeiten drei und vier“. Und verstört blickt die Presseabteilung der US-Botschaft in Berlin auf Kommentare, in denen bereits feixend Parallelen zwischen NSA und Stasi gezogen werden.

Einmal mehr müssen die Deutschen ihr Verhältnis zu den USA überprüfen. Warum werden mit Blick aufs Weiße Haus  die Bewertungen so oft und so stark übertrieben? Als Reagan 1987 den Abriss der Mauer forderte, nahmen in Deutschland neunmalkluge Sozialkundelehrer mit ihren Schülern im Unterricht durch, wie einmalig dämlich dieser amerikanische Präsident doch sei. Als Obama 2008 ins Weiße Haus gewählt wurde, schwärmten viele Deutsche prompt von wunderbaren neuen Zeiten, in denen alte weltpolitische Konflikte wie von selbst verschwinden, allein durch die Kraft des guten Willens im Westen. Beides erwies sich als falsch.

... könnte sich als produktiv erweisen

Es wird Zeit, beim Blick auf die USA eine neue Mitte zu finden. So sollte jetzt die Enttäuschung vieler Deutscher über Obama nicht gleich wieder ins Haltlose und ins Antiamerikanische übergehen. Konstruktive Kritik indessen kann sehr produktiv sein. Die relative Schwäche der USA könnte sogar die Bereitschaft Washingtons steigern, sich einzufinden in einen neuen transatlantischen Kontext.

Falsch wäre es jedenfalls, jenen die Meinungsführerschaft zu überlassen, die auf beiden Kontinenten nur ihr altes Vorurteil pflegen, „dass die da drüben nicht ganz sauber ticken“. Im jüngsten US-Wahlkampf punkteten einige Republikaner mit Anti-Europa-Kampagnen. Man kennt die Attitüde: Die Europäer reden viel von sozialer Gerechtigkeit, bekommen aber ökonomisch nichts geregelt und riechen auch noch nach Knoblauch. Solches Denken führt nicht weiter, weder hier noch dort. Der entscheidende „Link“ der 800 Millionen EU/USA-Bürger liegt, darin haben die Freunde des Pathos sogar recht, in der Freiheit. Wenn dieses Modell sich behaupten soll, etwa gegen die chinesische Kombination aus Turbokapitalismus und Rechtlosigkeit des Einzelnen, ist die Freihandelszone ein guter erster Schritt. Um sie zu organisieren, muss man immer wieder als Partner zusammenfinden und die Ärmel hochkrempeln – nicht nur an heißen Tagen.

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