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Deutschland / Welt Autor Dogan Akhanli ist wieder frei
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12:27 20.08.2017
   Quelle: imago/Horst Galuschka
Frankfurt a.M.

Der Generalsekretär des deutschen PEN-Clubs, Carlos Collado Seidel, sagte dem Evangelischen Pressedienst, Akhanli dürfe Spanien aber zunächst nicht verlassen.

Akhanli hat die deutsche Staatsbürgerschaft. Der 60-Jährige war am Samstag während seines Urlaubs in Granada auf Ersuchen der Türkei festgenommen worden. Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) schaltete sich in den Fall ein und bat Spanien gebeten, Akhanli nicht an die Türkei auszuliefern. Die Türkei hatte bei Interpol einen internationalen Haftbefehl gegen ihn erwirkt. Die Festnahme hatte große Empörung ausgelöst.

Auch der Schriftstellerverband PEN-Zentrum Deutschland hatte gegen die Festnahme des Kölner Schriftstellers und Menschenrechtsaktivisten protestiert. Die spanischen Behörden dürften sich nicht zum Handlanger des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan machen lassen, forderte die PEN-Präsidentin Regula Venske in Darmstadt. Auszugehen sei von einer gezielten Suche der türkischen Regierung nach Akhanli. Der Schriftsteller habe unter anderem in „Kiyamet Günü Yargiçlari“ („Die Richter des Jüngsten Gerichts“) über den Völkermord an den Armeniern im Jahr 1915 geschrieben, den die Türkei nicht als solchen bezeichnen will, und gelte der Regierung in Ankara als Gegner.

Akhanli zwei Jahre in türkischem Militärgefängnis

Als vorgeschobener Grund für den Haftbefehl sei ein Strafverfahren genannt, das nach Angaben von Akhanlis deutschem Anwalt Ilias Uyar eindeutig politisch motiviert sei, erläuterte Venske. So sei dem Kölner Schriftsteller 2010 vorgeworfen worden, 1989 an einem Raubüberfall in der Türkei beteiligt gewesen zu sein – zu einer Zeit, als Akhanli nachweislich nicht in der Türkei gewesen sei. Er sei freigesprochen worden, das Urteil 2013 unter Erdogans Regierung jedoch aufgehoben worden.

Der in der Türkei geborene Dogan Akhanli ging dort nach dem Militärputsch 1980 in den Untergrund. Er war zwei Jahre in einem Militärgefängnis inhaftiert, ehe er 1991 mit seiner Familie nach Deutschland fliehen konnte. Seit Mitte der 90er Jahre lebt Akhanli als Schriftsteller in Köln. Sein literarisches Werk handelt vielfach von Heimatsuche, Verbrechen gegen die Menschenwürde und den Völkermorden des 20. Jahrhunderts. 2001 erhielt der Autor die deutsche Staatsbürgerschaft. 2014 wurde Akhanli mit dem Menschenrechtspreis des evangelischen Kirchenkreises Köln, der Pfarrer-Georg-Fritze-Gedächtnisgabe, ausgezeichnet.

Von RND/epd