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Deutschland / Welt AfD-Mitglieder nennen Parteitag "schaurig"
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20:58 06.07.2015
Von Klaus Wallbaum
Bernd Lucke und Frauke Perty werden künftig wohl getrennte Wege gehen. Quelle: Federico Gambarini/dpa
Essen/Berlin

Schon im Mai hatte sich der gemäßigte Flügel der AfD in einem Verein namens „Weckruf“ versammelt. Das diente offenbar der Vorbereitung für den Schritt, der nun bald folgt.

Als einer der ersten ist der frühere BDI-Präsident und AfD-Europaabgeordnete Hans-Olaf Henkel bereits ausgetreten. Vier weitere AfD-Europaabgeordnete dürften ihm demnächst folgen, anschließend hätte die AfD nur noch zwei Abgeordnete in Brüssel, die treu zur neuen Vorsitzenden Frauke Petry stehen. Es ist damit zu rechnen, dass die Abgeordneten nach dem Parteiaustritt ihre Mandate nicht zurückgeben.

In der Kartei des Vereins „Weckruf“ sind mehr als 4000 Namen von Personen gespeichert, die meist der AfD angehören. Die AfD zählt bundesweit derzeit rund 21.000 Mitglieder. Lucke selbst ist kein Freund überstürzter Entscheidungen, will eine Neugründung gründlich vorbereiten. Aber mehrere Mitstreiter raten ihm, er müsse „das Eisen schmieden, solange es heiß ist“ – also die momentane Verärgerung seiner Anhänger nach dem Parteitag nutzen und schnell Fakten schaffen.
Lucke hat Anhänger vor allem in den Landesverbänden Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg und Schleswig-Holstein.

Landesvorsitzender in Niedersachsen macht Ärger Luft

In Niedersachsen hat der frühere Vize-Landesvorsitzende Matthias Dorn am Montag seinem Ärger deutlich Luft gemacht. Er nannte in einem Schreiben den Essener Parteitag ein „schauriges Erlebnis“, weil Lucke während seines Rechenschaftsberichts „niedergebrüllt“ worden war. Dem bisherigen Vorsitzenden habe man einen „schändlichen Abgang bereitet“, das Bürgerliche in der Partei werde an den Rand gedrängt.

Auch der konservative Publizist Konrad Adam aus Hessen, der bisher neben Lucke und Petry Bundessprecher der AfD war und am Wochenende den Wiedereinzug in den Vorstand verpasste, ist über den Umgangston auf dem AfD-Parteitag irritiert. Freie, unbelastete Vorstandswahlen habe es gar nicht gegeben, vielmehr sei das Führungspersonal nach vorbereiteten Listen ausgesucht worden – sogar für das Bundesschiedsgericht.

„Die AfD ist wohl auf dem Weg zu einer Kaderpartei“, urteilte Adam gegenüber dieser Zeitung. Auch Adam, der noch zu Beginn des Parteitags scharfe Kritik am Führungsstil Luckes übte, zweifelt mittlerweile daran, ob die AfD nach Luckes Abwahl noch lange seine politische Heimat sein kann: „Ich werde nicht das intellektuelle Aushängeschild für eine Partei abgeben, die einen Kurs einschlägt, den ich nicht billigen kann.“

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