Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Deutschland / Welt 23 Festnahmen nach Unglück in Tianjin
Mehr Welt Politik Deutschland / Welt 23 Festnahmen nach Unglück in Tianjin
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:02 27.08.2015
Während im Hafen die Aufräumarbeiten weitergehen, wurden in Tianjin 23 Menschen festgenommen, die für das Unglück mit verantwortlich sein sollen. Quelle: dpa
Tianjin

Zwei Wochen nach dem verheerenden Explosionsunglück im chinesischen Tianjin sind 23 Verantwortliche festgenommen worden. Die Zahl der bestätigten Toten stieg auf 139, während in den Trümmern immer noch 34 Menschen vermisst werden. Wie die Nachrichtenagentur China News Service am Donnerstag meldete, wurden elf hohe Beamte des Transportministeriums, der Stadtregierung, der Aufsichtsorgane und des Hafenbetreibers in Gewahrsam genommen. Ihnen wurde "Vernachlässigung der Pflichten" vorgeworfen.

Ferner kamen zwölf Manager in Haft. Es sind Führungskräfte des Unternehmens Ruihai Logistik, dem das explodierte Gefahrgutlager gehörte, und der Beratungsfirma Zhongbin Haisheng. Deren Sicherheitsgutachten ermöglichte die Umwandlung des nur 600 Meter von Wohnsiedlungen gelegenen Lagerhauses im Hafen in ein Gefahrgutlager.

Die massiven Explosionen von Chemikalien am 12. August hatten in einem weiten Umkreis schwere Zerstörungen angerichtet. Noch immer liegen 527 Verletzte in Krankenhäusern. Darunter sind 34 Schwerverletzte. In dem Gefahrgutlager waren rund 700 Tonnen giftiges Natriumzyanid und Hunderte Tonnen andere gefährliche Chemikalien gelagert.

Erhöhte Zyanid-Werte gemessen

Im Wasser wurden an sechs Stellen nahe des Explosionsortes übermäßige Werte von Zyanid gemessen, darunter einer, der 32 mal den Grenzwert überschritten hatte, wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. In welchem Zeitraum gemessen wurde, blieb unklar. Außerhalb des Sperrgürtels um den Unglücksort seien keine schädlichen Luftwerte gemessen worden, versicherten die Behörden demnach weiter.

Die Untersuchungen zur Unglücksursache haben Vetternwirtschaft und Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften enthüllt. Die beiden Chefs des Unternehmens Ruihai, Yu Xuewei und Dong Shexuan, hätten ihre guten Beziehungen ausgenutzt, um an Genehmigungen für den Betrieb des Lagers zu kommen, berichtete die Staatsagentur Xinhua. Auch hätten sie zeitweise ohne Lizenz die Chemikalien transportiert. Dong Shexuan ist der Sohn des früheren Polizeichefs des Hafens.

Unter den festgesetzten Verantwortlichen sind der Vize-Inspekteur des Transportministeriums in Peking, der Leiter der städtischen Transportkommission, der Chef des Hafenbetreibers Tianjin Port sowie Aufsichtsbeamte der Binhai Entwicklungszone, in der das Gefahrgutlager liegt.

dpa

Mehr zum Thema

Nach dem Unglück in Tianjin wurden landesweit Sicherheitsinspektionen angeordnet. In einer Chemiefabrik in Shandong kam es jedoch zu einer neuen Explosion mit Verletzten.

22.08.2015

Bei der Katastrophe im Hafen von Tianjin sind möglicherweise deutlich mehr Feuerwehrleute ums Leben gekommen als bisher zugegeben. Dutzende werden noch vermisst. Welche Lehren zieht China aus dem Unglück?

16.08.2015

Nach der Brandkatastrophe in einem Gefahrgut-Lager in der chinesischen Hafenstadt Tianjin mit 56 Toten und 700 Verletzten hat die chinesische Regierung landesweite Inspektionen in anderen möglicherweise gefährdeten Firmen angekündigt. Allerdings nicht das erste Mal.

14.08.2015

Bundesjustizminister Heiko Maas kritisiert den Umgang von Facebook mit extremistischen Beiträgen. Laut einem Zeitungsbericht hat er Vertreter der die Europa- und die Deutschland-Zentrale zu einem Gespräch eingeladen. Facebooknutzer beobachten häufig, dass fremdenfeindliche Beiträge trotz der Meldefunktion von Facebook nicht gelöscht werden.

27.08.2015

Sie sind zu Tausenden auf der „Balkan-Route“ gen Mitteleuropa unterwegs. Viele Flüchtlinge hoffen, noch aus Serbien über die Grenze nach Ungarn zu kommen, bevor der neue Stacheldrahtzaun dicht ist.

26.08.2015

Bundespräsident Joachim Gauck hat Rechtsextremisten und Ausländerfeinde als Hetzer bezeichnet, die das weltoffene Bild Deutschlands beschädigen. Beim Besuch eines Flüchtlingsheims in Berlin zeigte er sich am Mittwoch aber überzeugt, dass sie durch die Mehrheit hilfsbereiter Menschen isoliert würden.

26.08.2015