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Deutschland / Welt Attentäter soll "Soldat" des IS gewesen sein
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19:06 25.07.2016
15 Menschen wurden bei einem Bombenanschlag in Ansbach verletzt, drei von ihnen schwer. Quelle: Daniel Karmann
Ansbach

Bei dem Anschlag handelt es sich um einen Anschlag mit islamistischer Überzeugung des Täters, sagte Herrmann. Der Mann beziehe sich auf Abu Bakr al-Bagdadi, den Anführer der Terrormiliz IS. Auf einem Handy gebe es eine Anschlagsdrohung des Täters selbst als Video. Er kündige einen Racheakt gegen Deutsche an als Vergeltung, weil sie Muslime umbrächten. In einer ersten Übersetzung des arabischen Textes heiße es, der Täter handle im Namen Allahs.

Auch die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat sich zu dem Anschlag geäußert, und den Attentäter als einen ihrer "Soldaten" bezeichnet. Wie die IS-Agentur Amaq am Montag mitteilte, folgte der 27-Jährige den "Aufrufen, die Staaten der Koalition, die den IS bekämpfen, ins Visier zu nehmen".

Daher übernimmt nun die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung, wie sie am Montagabend in Karlsruhe mitteilte.

Seehofer fordert rasche Aufklärung

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) forderte eine rasche und lückenlose Aufklärung der Tat. "Nur so können wir die richtigen Schlussfolgerungen ziehen", sagte der CSU-Chef nach Angaben eines Sprechers. Trotz dieser "Tage des Schreckens" werde der Rechtsstaat nicht weichen. Von Dienstag an will die Staatsregierung bei einer Kabinettsklausur am Tegernsee über das Thema Sicherheit beraten.

Laut Herrmann wollte der 27-Jährige die Bombe mit scharfkantigen Metallteilen in seinem Rucksack bei einem Musikfestival mit etwa 2500 Besuchern zünden. Ihm wurde aber der Einlass verwehrt, weil er keine Karte hatte. Durch die Explosion waren nach neuesten Angaben der Polizei 15 Menschen verletzt worden, vier von ihnen schwer. Wie ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur sagte, schwebt keiner der Verletzten in Lebensgefahr.

Asylantrag war abgelehnt worden

Der 27-Jährige sei vor zwei Jahren nach Deutschland gekommen und habe einen Asylantrag gestellt, sagte Herrmann. Der Antrag wurde vor einem Jahr abgelehnt, der Flüchtling sei seitdem geduldet gewesen. Hintergrund sei, dass Deutschland im Moment niemanden nach Syrien in den Bürgerkrieg abschiebe.

Der Grund für die Ablehnung des Asylantrags sollte im Laufe des Montags mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge geklärt werden. Laut Bundesinnenministerium sollte der 27-Jährige nach Bulgarien abgeschoben werden. Dem Sozialamt der Stadt Ansbach war der mutmaßliche Täter als "freundlich, unauffällig und nett" bekannt.

Wegen Drogendelikten aufgefallen

Der Mann wohnte in einer Unterkunft in Ansbach und war wiederholt strafrechtlich aufgefallen. Unter anderem hatte die Polizei wegen eines Drogendelikts mit ihm zu tun. Der Syrer habe sich auch schon zweimal das Leben nehmen wollen. Er sei deshalb in psychiatrischer Behandlung gewesen.

Die Polizei stellte am Vormittag in einer Flüchtlingsunterkunft mehrere Gegenstände sicher. Mitarbeiter der Spurensicherung trugen Kisten, Säcke und Tüten aus dem Gebäude. "Im Umfeld des Verstorbenen sind Ermittlungen zugange, die wir aber derzeit noch nicht näher konkretisieren können", sagte ein Polizeisprecher.

Eine erste Auswertung habe ergeben, dass der Mann Gewaltvideos mit islamistischer Ausrichtung und salafistischem Inhalt dabei hatte, sagte der Innenminister. Außerdem sollen bei der Durchsuchung der Asylunterkunft auch eine Fülle von Materialien gefunden worden sein, die zum Bau weiterer Bomben geeignet gewesen wären.

Unklar bleiben, in welchem Umfeld sich der 27-Jährige bewegte und woher er den Sprengstoff hatte. Man müsse auch klären, woher genau die Metallteile stammten, sagte Polizeivizepräsident Roman Fertinger.

Dritte Bluttat innerhalb einer Woche

Es ist die dritte Bluttat in Bayern innerhalb einer Woche. Am Montagabend hatte ein Flüchtling in einer Regionalbahn in Würzburg Menschen mit einer Axt angegriffen, am Freitagabend war ein junger Mann in München Amok gelaufen. Mehrere Menschen starben, viele wurden verletzt.

Herrmann sagte, es sei leider ein weiterer schlimmer Anschlag, der gerade die Besorgnis der Menschen weiter verstärken dürfte. Eine restlose Aufklärung der Tat sei wichtig, um das Vertrauen in den Rechtsstaat wieder herstellen zu können. "Wir müssen sehen, dass neben vielen Flüchtlingen mit schlimmen Schicksalen auch Leute in unser Land kommen oder gekommen sind, die eine echte Gefahr für die Sicherheit der Menschen in unserem Land darstellen", sagte er. "Das können wir nicht hinnehmen."

Bundesinnenminister Maizière sagte, er verstehe die Sorgen der Bevölkerung. Er mahnte zugleich Besonnenheit und warnte auch vor einem Generalverdacht gegen Flüchtlinge. Die ganz große Mehrheit komme nach Deutschland, um hier in Frieden zu leben. "Das muss sauber getrennt werden." "Wir sprechen aktuell von 59 Ermittlungsverfahren wegen eines Verdachts der Verwicklung in terroristische Strukturen, und das bei vielen Hunderttausend neu angekommenen Menschen", sagte er den Zeitungen der "Funke Mediengruppe". Die meisten Hinweise in diese Richtung hätten sich bisher als unwahr herausgestellt.

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In Ansbach sorgte die Explosion für einen Großeinsatz der Polizei, die mit 200 Kräften anrückte. Feuerwehr und Rettungsdienste waren mit 350 im Einsatz. Die komplette Altstadt von Ansbach, das rund 40.000 Einwohner hat, war am späten Abend abgeriegelt, Anwohner konnten zunächst nicht zurück in ihre Häuser.

Das Open-Air-Konzert wurde abgebrochen, die Besucher verließen den Veranstaltungsort. Bei den "Ansbach Open 2016" sollten am Sonntag die deutschen Pop-Sänger Joris, Philipp Dittberner und Gregor Meyle auftreten.

dpa/RND/are

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