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Politik Christian Wulff legt Amtseid als Bundespräsident ab
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15:14 02.07.2010
Vereidigt: Bundespräsident Christian Wulff. Quelle: dpa

Der neue Bundespräsident Christian Wulff will in seiner Amtszeit Brücken in der Gesellschaft bauen. „Mir ist es wichtig, Verbindungen zu schaffen: zwischen Jung und Alt, zwischen Menschen aus Ost und West, Einheimischen und Zugewanderten, Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Arbeitslosen, Menschen mit und ohne Behinderung“, sagte Wulff am Freitag bei einem Festakt von Bundestag und Bundesrat im Reichstag in Berlin. Zuvor war er vereidigt worden. Wulff ist das zehnte deutsche Staatsoberhaupt und der bislang jüngste Bundespräsident.

„Wann wird es bei uns endlich selbstverständlich sein, dass unabhängig von Herkunft und Wohlstand alle gleich gute Bildungschancen bekommen?“, sagte Wulff, der sich beim Ablegen des Amtseides versprach und ein zweites Mal zur Eidesformel ansetzen musste. Und er fügte hinzu: „Wann wird es selbstverständlich sein, dass alle Kinder, die hier groß werden, die deutsche Sprache beherrschen, auch die deutsche Sprache beherrschen?“

Wulff verteidigte das Parteiensystem in Deutschland gegen Kritik. Die Parteien und ihre Jugendorganisationen seien „viel besser als ihr Ruf“. Er wolle die Menschen dafür begeistern, sich wieder stärker an der politischen Willensbildung zu beteiligen.

Besonders will sich Wulff für ein besseres Miteinander der Kulturen engagieren. Die Deutschen müssten offen sein für die Zusammenarbeit mit allen Teilen der Welt. „Dazu müssen wir andere Kulturen besser kennen und verstehen lernen, müssen wir auch hier auf andere zugehen und den Austausch verstärken. „Das können wir schon hier bei uns einüben, in unserer Bundesrepublik, in unserer bunten Republik Deutschland.“

Die Vielfalt in Deutschland sei „zwar manchmal auch anstrengend, aber sie ist immer Quelle der Kraft und der Ideen und eine Möglichkeit, die Welt aus unterschiedlichen Augen und Blickwinkeln kennenzulernen“, sagte Wulff. Als Beispiel für erfolgreiche Integration verwies er auf die von ihm ernannte niedersächsische Sozial- und Integrationsministerin Aygül Özkan - die erste deutsch- türkische Ministerin in Deutschland.

Der Bundesregierung bescheinigte Wulff in der Finanz- und Wirtschaftskrise gute Arbeit: „Durch rasche und besonnene Entscheidungen ist es gelungen, die Folgen der Krise deutlich abzufedern.“ Jetzt müsse dafür gesorgt werden, dass sich Krisen diesen Ausmaßes nicht wiederholten. „Darum ist es wichtig, die Verursacher der Bankenkrise in Haftung zu nehmen und den Finanzmärkten endlich gute Regeln zu geben.“ Dies könne „nur in europäischer und in internationaler Zusammenarbeit gelingen. Das macht die Aufgabe außerordentlich komplex.“

Wulff, der für seine Antrittsrede viel Beifall erhielt, sagte, er wisse um die große Verantwortung, die das Präsidentenamt mit sich bringe. „Ich bin dankbar dafür, nun in diesem Amt dienen zu dürfen - Deutschland und den Deutschen und allen Menschen, die hier leben.“ Zugleich dankte er seinen Gegenkandidaten bei der Wahl, Luc Jochimsen (Linke) und Joachim Gauck (SPD/Grüne), für den „fairen Wettbewerb“ der vergangenen Wochen.

Seinem Amtsvorgänger Köhler dankte Wulff für dessen Einsatz für Deutschland. „Der Kummer über Ihren Rücktritt hat noch einmal gezeigt, wie nah Sie unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern waren.“ Besonders Köhlers Engagement für Afrika habe viel bewegt.

Bei dem Festakt für den neuen Bundespräsidenten waren auch Wulff- Vorgänger Horst Köhler und der Kandidat von SPD und Grünen für das Bundespräsidentenamt, Joachim Gauck, anwesend.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sagte über den Ende Mai wegen Kritik an einer Äußerung über den Bundeswehreinsatz in Afghanistan zurückgetretenen Wulff-Vorgänger Köhler: „Er hat die Menschen, ihre Sorgen und Nöte ernst genommen, und sie danken es ihm mit anhaltender Zuneigung.“ Köhler habe es „sich nicht leicht gemacht und der sogenannten politischen Klasse manchmal auch nicht. Das hat viel mit der eigenen Beharrlichkeit zu tun.“ Köhler hatte bei der Rede Lammerts Tränen in den Augen.

Wulff im Präsidenten-Amtssitz Bellevue empfangen

Der Bundespräsident hat am Freitagnachmittag seinen neuen Amtssitz Schloss Bellevue in Berlin bezogen. Wulff und seine Frau Bettina wurden von Bundesratspräsident Jens Böhrnsen und seinem Amtsvorgänger Horst Köhler empfangen. Anschließend wurde Wulff durch die Bundeswehr mit militärischen Ehren im Ehrenhof von Bellevue begrüßt. Für den Abend sind rund 5000 Gäste zum traditionellen Sommerfest in den Schlosspark geladen.

dpa

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