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Politik Preisbremse für teure Arzneimittel geplant
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00:16 15.04.2016
Von Jens Heitmann
Schluss mit teuren Medikamenten? Derzeit können Arzneimittelhersteller die Preise für ihre Medikamente noch selbst festlegen. Das soll sich bald ändern. Quelle: dpa/Symbolfoto
Hannover

Dafür will der Gesetzgeber einen sogenannten Schwellenwert setzen – wo dieser genau liegen werde, sei noch nicht entschieden, sagte Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) am Dienstag in Berlin. Die Schwelle könnte bei einem Umsatz von etwa 250 Millionen Euro liegen.

Mit der geplante Gesetzesänderung reagiert die Große Koalition auf Exzesse einzelner Arzneimittelhersteller. Zurzeit kann der Hersteller bei der Markteinführung eines Präparats den Preis im ersten Jahr selbst festsetzen. Vorreiter war der US-Konzern Gilead mit seinem Hepatitis-C-Medikament Sovaldi. Als das Präparat 2014 in die Apotheken kam, kostete eine Pille 700 Euro. Bei einem Behandlungszeitraum von zwölf bis 24 Wochen errechneten die Krankenkassen Therapiekosten von bis zu 115.000  Euro pro Behandlung. Da auch andere Hersteller dabei sind, neue Wirkstoffe gegen die Krankheit auf den Markt zu bringen, warnen die Krankenkassen vor deutlichen Mehrausgaben.

Die AOK Niedersachsen hatte die Kosten allein durch Sovaldi auf fünf Milliarden Euro im Jahr für die Kassen hochgerechnet – etwa ein Fünftel der Kosten für alle auf dem Markt befindlichen Arzneimittel. Diese Befürchtungen haben sich aber nicht bestätigt: Bis heute würden alle neuen Hepatitis-C-Medikamente insgesamt mit zwei Milliarden Euro zu Buche schlagen, hieß es am Dienstag bei der AOK. Die Kasse selbst hat dafür 81 Millionen Euro aufgewendet.

Dass der Ausgabenanstieg geringer ausgefallen ist als befürchtet, hat im wesentlichen zwei Gründe: Zum einen konnten die Kassen mit dem Sovaldi-Hersteller einen Preisnachlass aushandeln, zum anderen haben die Ärzte das neue Medikament eher zurückhaltend verschrieben – auch aus Angst vor möglichen Regressansprüchen der Kassen, wie es heißt.

Dennoch blicken die Gesundheitspolitiker mit Sorge auf die Preise auf dem Pharmamarkt. Laut einer Studie waren Preiserhöhungen bereits eingeführter Arzneimittel in den USA in den vergangenen drei Jahren für die Hälfte des Umsatzanstiegs der Branchenführer verantwortlich. Die Hersteller verweisen auf hohe Forschungskosten.

Den Krankenkassen gehen die Pläne der Bundesregierung nicht weit genug. „Eine Umsatzschwelle wäre nur ein Verhandlungskompromiss zu Lasten der Versicherten“, sagte Niedersachsens AOK-Chef Jürgen Peter. Die Kassen fordern, dass der Preis, den sie ein Jahr nach der Markteinführung eines Medikaments mit dem Hersteller aushandeln dürfen, rückwirkend gelten soll. Das lehnt die Industrie ab. Eine solche Vorgabe würde die schnelle Verbreitung „bahnbrechender Innovationen“ gefährden, erklärte der Verband Forschender Arzneimittelhersteller.

Auch Antibiotika gehen ins Geld

Neue Wirkstoffe nötig: Viele gängige Antibiotika helfen Patienten nicht mehr. Grund für die Resistenzen ist unter anderem, dass Ärzte die Präparate zu oft und unnötigerweise verordnen – zudem wirkt sich der Einsatz in der Tiermast indirekt auf die Menschen aus. Das Bundesgesundheitsministerium drängt deshalb auf die Entwicklung neuer Antibiotika. Da dieses Geschäft für die Pharmabranche als nicht sonderlich lukrativ gilt, müssten neue Präparate möglicherweise über die Krankenkassen refinanziert werden, sagte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe am Dienstag.

Pharmadialog ist beendet: Der Plan für eine Preisbremse teurer Arzneimittel und die Hoffnung auf neue Antibiotika sind noch die konkretesten Ergebnisse des Pharmadialogs. Anderthalb Jahre hat die Bundesregierung mit Vertretern der Hersteller und der Wissenschaft über die Zukunft der Branche debattiert. Mit am Tisch saß auch die Gewerkschaft IG  BCE, die Krankenkassen hingegen blieben außen vor. Weitere Themen waren Lieferengpässe bei bestimmten Medikamenten, der Schutz vor Arzneimittelfälschungen und die Förderschwerpunkte des Forschungsministeriums.

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