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Politik Bettina Wulff – die jüngste First Lady Deutschlands
Mehr Welt Politik Bettina Wulff – die jüngste First Lady Deutschlands
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21:29 02.07.2010
Shopping interessiert sie eigentlich nicht: Bettina Wulff bekennt, dass ihr Kleiderschrank hauptsächlich mit „Gelegenheitskäufen“ bestückt sei. Quelle: dpa

Bettina Wulff sitzt in einem bunt gestreiften Strandkorb, in der Hand einen Cocktail, an ihrer Seite Christian Wulff, und lächelt. Sie sitzt einfach da und lächelt. Als gebe es sie nicht, die Dutzenden von Kameraobjektiven, die beim Sommerfest der niedersächsischen Landesregierung in Berlin, sozusagen am Vorabend der Bundespräsidentenwahl, unablässig auf sie gerichtet sind. Bettina Wulff lächelt ihr großes, temperamentvolles Lächeln, völlig entspannt – und sehr professionell.

Warum auch nicht. Die neue First Lady ist schließlich beides: seit ein paar Jahren Politikergattin, aber auch gelernte PR-Fachfrau mit eigenem Job. Im Garten der Landesvertretung schüttelt sie Hände und plaudert unter sternenklarem Hauptstadthimmel mit den Großen der Politik. Ein paar Stunden zuvor war sie in der Hauptstadt noch ihrem eigentlichen Job nachgegangen: Für die nächste Ausgabe der Kundenzeitschrift „Centaur“ der Drogeriekette Rossmann hat die Pressereferentin Bettina Wulff den ZDF-Moderator Peter Hahne interviewt, der gerade eine neue Talkshow übernommen hat.

Es wird vorerst das letzte Interview gewesen sein, das Rossmann bei Bettina Wulff in Auftrag gegeben hat. Sie wird den Job in der Pressestelle jetzt aufgeben, an der Seite des Bundespräsidenten hat sie andere Aufgaben: Schirmherrschaften, soziales Engagement, Stiftungen, Empfänge. Sie kann jetzt gewissermaßen hauptamtlich Gutes tun. Es ist eher wahrscheinlich, dass es beim nächsten Treffen zwischen Bettina Wulff und Peter Hahne der ZDF-Journalist ist, der die Fragen stellt.

Interesse an der verhältnismäßig jungen Frau an der Seite Christian Wulffs gibt es zu Genüge. „Miss Perfect“, die „Piefkeflüsterin“, „Familienmanagerin“, „ein Hingucker“ – die mediale Aufmerksamkeit für die 36-Jährige mit den blonden Haaren war schon in den vergangenen Wochen so groß wie wohl noch nie für eine First Lady in der doch eigentlich so unpräsidialen Bundesrepublik. Bettina Wulff, so die allseits geäußerte Erwartung, werde nach der gelungenen Image-Entstaubung ihres Mannes in Niedersachsen nun auch ins ehrwürdige Schloss Bellevue ein bisschen Lebensfreude im Stil des 21. Jahrhunderts bringen. Schließlich hält mit der jungen Mutter aus Großburgwedel die jüngste Präsidentengattin der Geschichte Einzug ins Bellevue. Und die erste mit Tattoo – sie trägt seit Anfang der Neunziger ein Ornament an ihrem Oberarm, von dem ihr 14 Jahre älterer Mann Christian etwas ungelenk verkündete: „Es ist kein Problem, es ist cool.“ Designer bescheinigten der 1,80 Meter großen Mutter zweier Kinder einen sicheren Modegeschmack, waghalsigere Beobachter vergleichen sie ob ihrer Erscheinung sogar schon mit Michelle Obama und Nicolas Sarkozys Model-Ehefrau Carla Bruni. Deutschland lechzt offenbar nach etwas mehr weiblichem Glanz an der Spitze des Staates. Oder zumindest in deren Nähe.

Dabei gibt sich Bettina Wulff fernab der Empfänge und roten Teppiche eher bodenständig. Sie mag das Leben in der Öffentlichkeit, sie ist nicht medienscheu. Aber sie mag auch das Leben ohne Kameras. Ihr Kleiderschrank sei hauptsächlich mit „Gelegenheitskäufen“ bestückt, bekennt sie. Shopping interessiere sie eigentlich gar nicht. Manchmal, wenn Designer ihr Kleider zur Verfügung stellen, bringt sie sie nach dem Tragen artig zur Post in Großburgwedel und schickt sie wieder zurück, berichten Leute aus der Nachbarschaft in Großburgwedel.

Auch bei ihrem Arbeitgeber Rossmann gibt sie sich bescheiden. Sie schrieb Artikel für die Mitarbeiterzeitung über Jubilare, Filialeröffnungen, Pflegecremes. „Sie hat sich ohne Sonderrolle in den Arbeitsalltag eingefügt“, bescheinigt ihr der Chef, Pressestellenleiter Stephan-Thomas Klose. „Doch natürlich haben wir durch Frau Wulff Kontakte und Gesprächspartner bekommen, die sonst vielleicht nicht für unser Magazin zur Verfügung gestanden hätten.“ Vor Peter Hahne hatte sie Klaus Meine und Rudolf Schenker, die beiden Köpfe der Scorpions, interviewt, „Die Weltrocker“ lautet der Titel. Im Text stellt Bettina Wulff Fragen wie „Bei welcher Musik können Sie besonders gut entspannen?“. Firmenchef Dirk Rossmann sagt, er sei betrübt über den Abgang seiner Angestellten. „In Krisenzeiten bringen wir bei Rossmann aber gerne dieses Opfer.“

Im Juni 2009 hatte die Frau des Ministerpräsidenten, die zuvor neun Jahre in der PR-Abteilung des Continental-Konzerns tätig war, ihre PR-Tätigkeit aufgenommen – halbtags. Im Übrigen kümmerte sie sich um ihre beiden kleinen Söhne, den siebenjährigen Leander aus einer früheren Beziehung mit einem Immobilienmakler und den gemeinsamen Sohn mit Christian Wulff, Linus Florian (2). Das Sorgerecht für seine 16-jährige Tochter Annalena teilt sich der Neu-Bundespräsident mit Christiane, seiner ersten Frau. Auch das ist eine Premiere: Erstmals ist die „First Family“ eine Patchworkfamilie.

Für den 51-jährigen CDU-Politiker Wulff ist Bettina die zweite große Liebe. Es war im WM-Sommer 2006, als er sich erstmals mit Bettina, die damals noch Körner hieß, in der Öffentlichkeit zeigte. Kurz davor hatte Wulff bekannt gegeben, dass er sich von seiner Frau Christiane in Osnabrück nach 18 Ehejahren getrennt hatte; nun führte er die Neue mit einer geschickten PR-Offensive via „Bild“ und „Bunte“ in die Öffentlichkeit ein. Dann ging alles sehr schnell. Noch im August des gleichen Jahres bezog sie mit ihrem Sohn Leander und dem Ministerpräsidenten eine Dachgeschosswohnung im Philosophenviertel in Hannover-Kleefeld. Im März 2008 feierte das Paar Hochzeit – damals war Bettina Körner bereits hochschwanger.

Der Beliebtheit des bis dahin bieder wirkenden Katholiken Wulff schadeten Trennung und Neuvermählung entgegen manchen Befürchtungen in der Staatskanzlei kaum. Ein gutes halbes Jahr nach der Geburt von Linus Florian im Mai 2008 kaufte die Patchworkfamilie sich einen rustikalen Klinkerbau in Großburgwedel.

Großburgwedel, die kleine Stadt in der Region Hannover, ist der Fixpunkt in Bettina Wulffs Leben. Dort ist sie aufgewachsen, dorthin ist sie mit Christian Wulff zurückgekehrt, dort hat sie gearbeitet, von dort aus geht es nun nach Berlin. Eine schöne, alte Kirche thront in der Dorfmitte, an der Hauptstraße stehen alte Fachwerkhäuser mit Reetdach, Pferdekoppeln, eine Autobahnauffahrt mit einem Ikea. Die Kommune gehört zu den wenigen im Land, die trotz Krise kaum Schulden macht.

Viele dort kennen Bettina, die Tochter eines Bankangestellten, noch als kleines Mädchen. Wer sich umhört, dem erzählen die Großburgwedeler davon, dass die große Frau früher beim TSG Großburgwedel gut Basketball gespielt hat. Und davon, dass sie heute wieder oft beim Sportverein zu sehen ist – wenn ihr Sohn Leander beim FC Burgwedel Fußball spielt. „Sie ist sehr normal, aber hier kennen sie ja auch alle“, sagt ein älterer Burgwedeler. Auch im neuen Amt wollen die Wulffs ihr Haus in Bettina Wulffs Heimat als Rückzugsort behalten. Ein Stück Normalität inmitten des rasanten Aufstiegs.

Denn trotz des hohen Boulevardfaktors in ihrem Leben hat die neue First Lady bisher nichts aus der Heimat weggezogen. Nach dem Abschluss der Realschule in Burgwedel wechselte sie in die Klasse 11d der Leibnizschule Hannover, wo sie 1993 Abitur machte. Danach studierte sie Medienmanagement am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung an der Musikhochschule Hannover – allerdings ohne je einen Abschluss zu machen.

Ihre Weggefährten beschreiben Bettina Wulff dennoch als sehr zielstrebig. „Sie war damals sehr fleißig, sicherlich hat das nicht immer allen gepasst“, sagt eine ehemalige Mitschülerin. Allerdings versprühte sie auch in der Schule schon Glanz. Im Schulchor sang sie oft die Sopransoli, im Schulmusical „Yentl“ hatte sie die Hauptrolle und wandelte, kostümiert mit Zylinder und Strumpfhose, auf den Spuren Barbra Streisands. „Wir haben damals alle zu ihr aufgesehen. Ich dachte allerdings immer, sie heiratet mal einen Rockstar und keinen Politiker“, sagt eine Mitschülerin aus der Tanz-AG.

Nun ist es Christian Wulff geworden, der freundliche Schwiegermuttertraum. Die Welt der Schönen und Reichen hat sie dennoch mit ihm erobert. AWD-Gründer Carsten Maschmeyer und Lebensgefährtin Veronica Ferres zählen zu den Freunden der Wulffs, wie sich im vergangenen Jahr bei der Party „Nord-Süd-Dialog“ am hannoverschen Flughafen beobachten ließ. Dort scherzten und plauderten sie den ganzen Abend. Damals gesellte sich eine weitere Schauspielerin dazu, die Bettina Wulff bereits seit Kinderzeiten kennt: Bettina Zimmermann. Beide sind zusammen zur Schule gegangen, erst in Großburgwedel, dann in Hannover an der Leibnizschule. Wahrscheinlich treffen sich die beiden Großburgwedelerinnen nun bald wieder, in Berlin. Die Rockstars kommen dann bestimmt von ganz alleine.

Stefanie Kaune, Dany Schrader und Dirk Schmaler

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