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Politik Alle hacken auf der Jugend rum
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09:07 27.01.2018
Immer auf die Jungen: Der Juso-Bundesvorsitzende Kevin Kühnert im Januar beim SPD-Sonderparteitag in Bonn. Quelle: dpa
Hannover

Man muss jung sein, um große Dinge zu tun. Das hat Goethe 1828 gesagt. Da war er 78 Jahre alt. Eine Ausnahme. Nach alter Väter Sitte steht die Jugend seit jeher unter Dauerverdacht, aufsässig, nassforsch und ungezogen zu sein. Sie habe gefälligst „Gottesfurcht, Königstreue und Vaterlandsliebe“ zu pflegen, polterte Kaiser Wilhelm II. anno dazumal.

Im Kern hat sich seither wenig geändert. Wie man’s als Junger auch macht – den Alten missfällt’s. Da kommt ein 28-Jähriger namens Kevin Kühnert und liest den alten Politknochen die Leviten. Und zum Dank wird er als „Bubi“ (focus.de) und „SPD-Milchgesicht“ (bild.de) belächelt, geduzt und bei RTL gefragt, ob er in einer WG wohnt (tun das nicht alle linken jungen Hüpfer?).

Lange galten die Jungen von heute als brave, unpolitische Opportunisten. Und jetzt macht einer den Mund auf, und es ist auch wieder nicht richtig.

Wir können jeden Kevin gebrauchen

Es ist zum Verzweifeln in dieser alternden Gesellschaft: 65-Jährige simulieren mit Baseballkappe und freiem Brusthaar ewige Adoleszenz, während das System die wahren Jüngeren mit prekären Arbeitsbedingungen, verschultem Studium und miesen Löhnen hart an die Kandare nimmt. Für experimentelle Reifung, Persönlichkeitsbildung, Ausprobieren, Lust und Laune ist kaum Luft.

Armselige ­2,3 Prozent der Abgeordneten im Deutschen Bundestag – zwölf von 709 Menschen – sind unter 30. „Jugend“ ist nur noch ein durchkommerzialisiertes Marktideal.

„Wir suchen nach etwas, woran wir glauben können“, sagte vor knapp 100 Jahren eine Angehörige der radikal modernen Flapper-Frauenbewegung. „Und sie haben Angst vor uns.“ Das gilt bis heute. Weil Träumende und Suchende unsere verunsicherte Gesellschaft daran erinnern, dass sie auf vieles noch keine Antwort hat.

Gut so. Wir können jeden Kevin gebrauchen.

Von Imre Grimm

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