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Panorama „Wie Sardinen in der Büchse“
Mehr Welt Panorama „Wie Sardinen in der Büchse“
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15:59 11.01.2018
Ort des Schreckens: In diesem Tunnel in Duisburg starben 21 Menschen. Quelle: dpa
Düsseldorf

Es fällt der Frau sichtlich schwer darüber zu sprechen, was sie vor mehr als sieben Jahren erlebt hat. Schwer atmend und stockend berichtet die 31-jährige Zeugin, wie sie vor sieben Jahren in das Gedränge geriet, das 21 Menschen das Leben kostete. Die Auszubildende hat die Loveparade-Katastrophe von Duisburg überlebt. Doch noch immer plagen sie Schuldgefühle.

Im Prozess zur Tragödie hat am Donnerstag die Zeugenbefragung am Landgericht Duisburg begonnen. Die junge Frau ist die erste Augenzeugin, die im Gerichtssaal befragt wird. Ihre Schwester habe sich damals auf dem Gelände an einer Glasscherbe die Hand verletzt. Auf der Suche nach medizinischer Hilfe sei sie dann mit ihr in das Gedränge geraten. Eine Kette aus Polizisten habe sie am Verlassen des Geländes gehindert. Die Kette sei dann auseinandergerissen worden und das Gedränge habe zugenommen.

„Ich konnte mich nicht befreien“

Ihre Schwester habe noch gefleht: „Halt meine Hand fest, lass ja nicht los.“ Doch dann sei sie weggerissen worden. „Der Druck war so stark. Ich habe sie aus den Augen verloren. Wir wurden von vorne und von hinten gedrückt, wie Sardinen in der Büchse. Ich bekam keine Luft. Man konnte sich nicht bewegen.“

Ein junger Mann habe ihr geholfen, ihren Kopf und die Haare hoch gehalten und gesagt: „Ich helfe dir.“ Beim Versuch, eine Treppe an der Zugangsrampe zu erreichen, sei sie dann gestürzt. Menschen hätten auf ihr gelegen. „Links von mir lag ein junges Mädchen und rief: ,Hilf mir, hilf mir.‘ Aber das ging nicht. Ich konnte mich selbst nicht befreien, weil Menschen auf mir lagen. Es wurde immer schwerer und schwerer. Weiter weiß ich nicht mehr, ich bin dann im Krankenhaus auf der Intensivstation wach geworden“, sagte die Duisburgerin.

Opfer leiden noch heute

Zeitlich könne sie das Geschehen kaum einordnen: „Für mich hat es eine Ewigkeit gedauert.“ Sie sei um 13 Uhr zu Hause aufgebrochen und mit dem Taxi zum Gelände gefahren. Zunächst sei die Stimmung ausgelassen und gut gewesen. Die Absperrgitter seien allerdings wie ein Labyrinth aufgebaut gewesen.

Ab und zu verspüre sie heute noch „diesen ungeheuren Druck“, sagte die 31-Jährige. „Wenn ich etwas Bestimmtes rieche oder viele Menschen sehe, kommt das wieder.“ Ein Jahr nach der Katastrophe sei sie sieben Wochen lang in einer psychosomatischen Klinik gewesen. Sie habe immer noch Schuldgefühle, weil sie der jungen Frau neben ihr nicht habe helfen können.

Anklage wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung

Beim Loveparade-Unglück am 24. Juli 2010 in Duisburg drängten sich an den Zu- und Abgängen des Geländes Zehntausende Menschen. Damals kamen 21 Besucher ums Leben, mindestens 652 wurden verletzt.

Wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung sind sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier Mitarbeiter des Veranstalters des Techno-Festivals, Lopavent, angeklagt. Der Prozess hatte im vergangenen Dezember begonnen. Aus Platzgründen findet das Verfahren des Duisburger Landgerichts in der Düsseldorfer Messe statt.

Von RND/iro/dpa

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