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Panorama Wenn Gymnasiallehrer vor Grundschülern stehen
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07:11 11.08.2017
Keine einfache Aufgabe: Gymnasiallehrer müssen nun in Grundschulen ganz andere Schwerpunkte setzen. Quelle: dpa
Hannover

Eigentlich sollte der 39 Jahre alte Studienrat einen Politik-Leistungskurs übernehmen. Darauf hatte sich der Lehrer aus der Region nördlich von Hannover schon gefreut, doch für ihn kam es am ersten Schultag nach den Ferien überraschend anders - wie für Dutzende Kollegen in Niedersachsen. Er wurde für zehn Stunden an eine Oberschule abgeordnet. Dort wird der Gymnasiallehrer hauptsächlich Werte und Normen unterrichten - ein Fach, das er gar nicht studiert hat. „Die Abordnungen an sich stören uns nicht. Wir sind alle Beamte“, sagt er. „Uns stört, dass es so kurzfristig war.“

Am Freitag müssen Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) und der Leiter der Landesschulbehörde, Ulrich Dempwolf, dem Kultusausschuss die Hintergründe der Abordnungen sowie das Thema Unterrichtsausfall erläutern. Die CDU-Fraktion will kommende Woche im Landtag angesichts der neuen Mehrheitsverhältnisse Kurskorrekturen erzwingen, darunter eine Übernahmegarantie für Referendare. Kurz vor dem Start des neuen Schuljahres konnten erst 462 von 632 ausgeschriebenen Stellen an Grund-, Haupt- und Realschulen besetzt werden.

Holpriger Start an den Schulen

Schulleiter klagen, dass selten ein Schuljahr so holprig gestartet ist wie nach diesen Sommerferien. Der Vorsitzende des Schulleitungsverbandes Niedersachsen, Frank Stöber, sieht die Ursache dafür in Fehlplanungen im Kultusministerium und in der Landesschulbehörde, nicht erst seit Rot-Grün. „Es ist ein hausgemachtes Problem“, sagt der Verbandschef.

Der 39-jährige Lehrer erfuhr erst nach den Ferien, dass es mit seinem Politik-LK nichts wird. Sechs Wochen zuvor hatte der Direktor seines Gymnasiums zwar angefragt, welcher Kollege sich eine Abordnung an eine Grundschule vorstellen könnte. Erst war die Rede von 40 Stunden, später von 20 weiteren. Der 39-Jährige meldete sich freiwillig und machte auch keinen Rückzieher, als es plötzlich hieß, er müsse an die Oberschule.

Dort stellt sich der Pädagoge auf völlig andere Anforderungen ein. „Ich weiß, dass es mir schwerfallen wird“, meint er. Die Abordnungen gelten erst mal nur für ein halbes Jahr. „Gerade junge Schüler brauchen Bezugspersonen, aus pädagogischer Sicht sind Wechsel nicht gut“, sagt der 39-Jährige. Zudem seien Gymnasiallehrer nicht für die Grundschule ausgebildet. „Sie machen den Beruf von anderen, fast so, als wolle man Tischler in eine Bäckerei schicken.“

Bennigsen bekommt Hilfe aus Springe

Das gegenseitige Aushelfen von Schulen kann auch problemlos klappen. Die Leiterin der Grundschule Bennigsen südlich von Hannover, Madlen Ludwig, etwa lobt den Mathelehrer vom nahen Otto-Hahn-Gymnasium in Springe. „Wir haben großes Glück mit dem Kollegen gehabt. Er hat sich sehr gut auf die neue Situation eingestellt“, sagt die Schulleiterin. Gleichzeitig behält der Pädagoge einen Grundkurs in der Oberstufe des Gymnasiums. „Kurz vor dem Abitur wollten wir niemanden aus dem Kurs reißen“, sagt Schulleiterin Kerstin Prietzel.

Während in Springe nur ein Lehrer gehen musste, steht der Schulleiter des Ratsgymnasiums Osnabrück, Lothar Wehleit, vor einem großen Umverteilungsproblem. Schon vor den Sommerferien war klar, dass Lehrer aus seinem Kollegium mit 45 Stunden an anderen Schulen aushelfen würden. Durch die kurzfristigen Abordnungen seien nun „wie ein Phantom“ weitere 50 Stunden aufgetaucht, die an die nahe Hauptschule und eine Oberschule im Norden der Stadt gehen. Zwei Wochen dauere es, einen Stundenplan zu entwerfen, bei dem die Balance wieder stimmt, klagt der Schulleiter. Für das Ratsgymnasium bedeutet das außerdem: Wahlunterricht sowie besondere Arbeitsgemeinschaften müssen auf den Prüfstand und können eventuell überhaupt nicht angeboten werden.

dpa

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