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Panorama Demokratie beim Loccumer Neujahrsempfang
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10:40 09.01.2017
Von Michael B. Berger
Kloster Loccum

„Liebe, Dir ergeb ich mich“, singen die vier jungen Männer und vier Frauen des Voktett Hannover in geradezu göttlicher Brillanz. Kerzen leuchten auf den gedeckten Tischen des Kloster Loccums. „Die Ministerpräsidenten kommen und gehen“, sagt der gastgebende Bischof Ralf Meister: „Aber der Butterkuchen bleibt.“

So ist es in Loccum seit 67 Jahren, wenn der Abt des Klosters und der hannoversche Landesbischof zum Neujahrsempfang laden. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der neben dem Bischof sitzt, ist zum vierten Mal da, sein Herausforderer Bernd Althusmann (CDU), der das klösterliche Setting noch aus seinen Zeiten als Kultusminister kennt, sitzt am Nebentisch.

Der Terror, das weltweite Auftreten von Rechtspopulisten, der Brexit und die mit der Flüchtlingsbewegung auftretenden Ängste prägen die Reden von Ministerpräsident und Bischof, die den Empfang umrahmen, zu dem erneut die „Notabeln“ des Landes gekommen sind: Gerichts- und Universitätspräsidenten, Bischöfe, Bürgermeister.

Erinnerung an Erfreuliches

Weil spricht in seiner Rede von einem „annus horribilis“, einem schrecklichen Jahr. Die Queen hatte einst diesen lateinischen Begriff salonfähig gemacht. Und dennoch verdecke die Wahrnehmung zuweilen die erfreulichen Entwicklungen, sagt der Ministerpräsident. So beginne der Staat in Niedersachsen, „dem guten Beispiel der Kirchen zu folgen und keine Schulden mehr zu machen“. Selten sei die Lebenszufriedenheit der Bundesbürger so hoch gewesen wie heute. „Und der Norden Deutschlands gilt als glücklichste Region unseres Landes, inklusive Niedersachsen, versteht sich“, sagt Weil. Und die Festgemeinde freut sich.
Er beschwört die Gemeinsamkeit der Demokraten, die zusammenhalten sollten „und nicht mit den Wölfen des Rechtspopulismus heulen“ sollten und den Rechtspopulisten nicht zuhören sollten, ohne ihnen zugleich zu widersprechen.

Bischof Meister knüpft an Weils Gedanken an, dass die Welt in Unordnung geraten sei. In einer klugen Rede problematisiert er den Gedanken der „Ordnung“, die in politischen Debatten oft zitiert wird. „Es gibt nicht die Ordnung“, sagt Meister, die allein gültige Ordnung. Auch der Satz, dass früher alles besser gewesen sei, sei eine Täuschung, ja „eine naive Lüge“, denn früher habe es viel Ungerechtigkeit gegeben: „Wer will leben in einer Gesellschaft, in der Homosexualität unter Strafe gestellt wird, Kinder verprügelt werden dürfen, Raubbau an der Natur allgemein akzeptiert wird, und ein Loccumer Epiphanias-Empfang nur mit männlichen Gästen bestückt ist? Ich nicht.“

Mahnung zur Fairness

Und dennoch will er auf den Begriff der althergebrachten Ordnung, die auch die Reformation infrage stellte, nicht völlig verzichten. Gerade die Kirchen wüssten um die Kämpfe für die richtige Ordnung. „Die Grundlagen für die heutige Meinungs- und Religionsfreiheit finden sich in den blutigen Ausein­andersetzungen des 16. und 17. Jahrhunderts zwischen den christlichen Kirchen.“ Wichtig sei, daraus zu lernen, dass es Fairness und Barmherzigkeit geben müsse – auch in einer Zivilgesellschaft, in der politisch gestritten werde. „All’ meine Herzgedanken sind immer nah’ bei Dir“, singt das Voktett Hannover. Noch einmal göttlicher Klang im Klostersaal, diesmal von Brahms.     

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