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Panorama Zwillingsschwester überlebte Attacke der Mutter nur knapp
Mehr Welt Panorama Zwillingsschwester überlebte Attacke der Mutter nur knapp
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22:51 13.04.2011
Am Dienstag sind in Langelsheim bei Goslar zwei kleine Mädchen erstochen aufgefunden worden. Quelle: dpa

Es ist nicht lange her, dass Maja S. aus einer psychiatrischen Klinik entlassen wurde. Sie galt als geheilt. Erst im März attestierten ihr die Ärzte, dass keine Eigen- oder Fremdgefährdung von ihr ausgehe. Nur wenige Wochen später sind zwei ihrer Kinder tot, Maja S. sitzt in Untersuchungshaft. Sie steht im dringenden Tatverdacht, ihre Töchter getötet zu haben. Die Psychiater haben sich offenbar in der seelischen Stabilität der 34-Jährigen getäuscht.

Vieles deute darauf hin, dass die Alleinerziehende im Alltag überfordert gewesen sei und aus Verzweiflung gehandelt habe, da waren sich am Mittwoch die Ermittler der Goslarer Polizei einig. Genauere Angaben zum Tatmotiv konnten sie bei einer ersten Pressekonferenz nicht machen. Die Beschuldigte ist noch nicht vernehmungsfähig. Auch die übrigen Angehörigen der getöteten Kinder konnte die Mordkommission „Astfeld“ noch nicht befragen.

Die Polizisten hatten am Dienstagmorgen in einem Einfamilienhaus im kleinen Ort Astfeld, etwa sechs Kilometer von Goslar entfernt, die Leichen der fünfjährigen Laura und ihrer vier Monate alten Halbschwester Amelie gefunden. Der Vater von Maja S. hatte die getöteten Kinder gegen acht Uhr in der Früh entdeckt und gleich die Polizei gerufen.

Über das, was sie am Tatort vorfanden, zeigten sich die Ermittler am Mittwoch fassungslos: „Die Mädchen hatten mehrere frische Schnitt- und Stichverletzungen und dadurch sehr viel Blut verloren“, sagte Michael Blase von der Goslarer Polizei. Die kleine Amelie habe leblos im Kinderbett gelegen, die Leiche von Laura im Flur der oberen Etage.

Die Obduktion habe ergeben, dass die beiden Mädchen an ihren Schnittverletzungen gestorben sind, berichtete der Leiter der 30-köpfigen Mordkommission, Friedrich-Wilhelm Sattler. Über den genauen Tathergang könne er allerdings noch keine Angaben machen. Lediglich die Tatwaffe ist bekannt. „Wir gehen davon aus, dass die Kinder mit zwei herkömmlichen Küchenmessern getötet wurden“, sagte Sattler. „Im Haus trafen wir auch auf die Kindsmutter“, sagte Blase. Sie sei in einem völlig apathischen Zustand gewesen und habe leichte Schnittverletzungen an den Händen gehabt. Einen Suizidversuch der Frau schließen die Ermittler aus.

Es war die Zwillingsschwester von Laura, die am frühen Morgen ihren Großvater alarmierte. Die Fünfjährige flüchtete aus der Wohnung ihrer Mutter und lief zum dahinterliegenden Haus der Großeltern. „Die Zwillingsschwester entkam nur um Haaresbreite einem ähnlichen Schicksal wie Amelie und Laura“, sagte Blase. Die Ermittler glauben, dass Maja S. versucht hat, auch die dritte Tochter zu töten: Luisa habe leichte Schnittverletzungen gehabt, die am Dienstag in einem Krankenhaus behandelt wurden. Seither befindet sich das Mädchen in der Obhut ihrer Großeltern und wird von Psychologen betreut.

Über das Tatmotiv der Mutter können die Ermittler bisher nur spekulieren: „Die Alleinerziehende könnte nicht die seelische Stabilität für die Alltagsbelastung gehabt haben“, sagte Blase. Sie habe sich zuvor in psychotherapeutischer Behandlung befunden. Welche Art psychischer Probleme die Mutter hatte, konnten die Ermittler nicht sagen. Vermutlich belasteten sie die zurückliegende Scheidung von ihrem Mann, dem Vater der Zwillinge, und ein damit einhergehender Sorgerechtsstreit. Die Eltern suchten dazu auch Rat beim Jugendamt.

Im Jahr 2002 hatte Maja S. den Lehrer aus Goslar geheiratet, im Oktober 2010 wurden sie geschieden. Zu diesem Zeitpunkt war die Sozialversicherungsangestellte bereits von einem anderen Mann schwanger, im Januar brachte sie die kleine Amelie zur Welt. Seither lebte sie mit den drei Töchtern allein, eine Familienhebamme vom Jugendamt half ihr.

Maja S. soll jetzt in einer psychiatrischen Klinik untergebracht werden. Es gebe Hinweise, die die Begutachtung durch einen psychiatrischen Sachverständigen erforderlich machten, teilte am Mittwoch Birgit Seel von der ermittelnden Staatsanwaltschaft in Braunschweig mit. Mit einer Vernehmung rechnet sie erst nächste Woche.

Die Menschen im kleinen Orte Astfeld stehen noch immer unter Schock. Am Mittwochabend gedachten rund 300 Menschen in der evangelischen Laurentiuskirche der beiden Mädchen. Mit stockender Stimme sprach Pastorin Kathrin Reich aus, was viele hier denken: „Das, was geschehen ist, macht sprachlos und ratlos und wütend.“ Viele legten Kerzen im Andenken an die getöteten Kinder vor dem Altar nieder. Einige schrieben ihre Gedanken in ein Kondolenzbuch.

Die Tragödie ist das beherrschende Thema im Ort. Schuldirektor Herbert Westermann und seine Kollegen standen am Mittwoch vor einer schweren Aufgabe. Wie sollten die Lehrer der Grundschule Astfeld mit der Tat umgehen, die sich im Einfamilienhaus nur einen Steinwurf entfernt abgespielt hatte? Das Kollegium verständigte sich darauf, den Tod der Mädchen in den Klassen anzusprechen.

„Wir hatten den Eindruck, dass die Ereignisse in den Familien gut aufgearbeitet wurden“, sagte Westermann. Einige Viertklässler wussten, dass die Mutter im Verdacht steht, ihre Töchter erstochen zu haben.

Vieles ist noch ungeklärt von den Ereignissen in Astfeld. Aber dass die Tragödie im Gedächtnis des Ortes haften bleiben werde, das stand für eine langjährige Einwohnerin bereits am Mittwoch fest. „Wir haben ja die Kinder noch zusammen gesehen, so niedlich und so süß, wie sie waren. Und jetzt sind zwei der Mädchen tot. Das vergisst man nicht.“

Sophie Hilgenstock und Gunnar Menkens

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