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Panorama Machtlose Schneekanonen: Braunlage fehlt der Schnee
Mehr Welt Panorama Machtlose Schneekanonen: Braunlage fehlt der Schnee
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00:16 25.12.2016
Der Betreiber der Wurmberg-Seilbahn, Dirk Nüsse, lässt sporadisch seine Pisten präparieren - sofern das Wetter mitspielt. Quelle: Nils Oehlschläger
Braunlage

Winter ist anders. Das findet auch Dirk Nüsse. "Winter ist eigentlich, wenn die Bäume weiß sind", sagt der Betreiber der Wurmberg-Seilbahn am Skigebiet in Braunlage. Stattdessen sind die Wipfel der Bäume grün, das Gras auf den Wiesen gelb. Dazwischen scheinen kleckerweise einige weiße Schneehaufen in der Sonne. Allmählich wird Nüsse sogar abergläubisch. "Es ist merkwürdig", sagt er und schaut mit zusammengekniffenen Augen den Hang der Hexenritt-Abfahrt hinauf, an dem zwei Pistenbullys an den Abfahrten arbeiten. "Seitdem unsere Anlage hier steht, müssen wir fast ausschließlich beschneien." Drei Jahre wartet Nüsse schon auf einen ergiebigen Winter mit natürlichem Schneefall im Harz. Doch die Flocken wollen nicht so recht fallen. "Die Wolken ziehen einfach über uns hinweg und schmeißen nichts ab."

Also hat Nüsse nachgeholfen - mit Schneekanonen. Neun der 16 Ski- und Rodelpisten rund um die Wurmberg-Seilbahn können damit beschneit werden. Ein immens wichtiger Schritt für den Tourismus im Harz und damit auch für die Menschen aus Braunlage, findet er. "Das ist schon das wichtigste Geschäft für den Ort. Ohne die Anlage könnten die Betriebe unten gleich zumachen." Diese Saison darf Nüsse sogar die doppelte Menge Wasser aus dem Speichersee am Gipfel durch seine Schneelanzen schießen. Das wurde direkt genutzt. "Einmal haben wir unseren See jetzt so gut wie leer gemacht", sagt er. Gut 30.000 Kubikmeter Wasser wurden auf die Abfahrten gebracht - das sind zwei Drittel des Speichersees. Ist die Luft zu warm zum beschneien, wird der See wieder aufgefüllt.

Wassermenge verdoppelt

Die Kritik von den Naturschützern kam prompt und deutlich. Sie missbilligen die Entscheidung des Landkreises Goslar, die genehmigte Wassermenge von 66.000 Kubikmeter pro Saison in diesem Jahr auf 130.000 Kubikmeter erhöht zu haben. Nüsse darf den Stausee auf dem Gipfel des Wurmbergs, der aus dem Quellfluss Warme Bode gespeist wird, also fast dreimal komplett leeren. "Das ist ein großer Eingriff in ein geschütztes Schließgewässer", sagt Friedhart Knolle vom BUND Westharz. "Jede Wassabnahme ist ein Eingriff in die Natur." Tiere und Pflanzen, denen der Fluss einen Lebensraum biete, würden dadurch bedroht. Außerdem brächten die Schneekanonen keine nachhaltige Lösung. "Wenn am Wochenende beschneit wird, kommt am Montag wieder eine Wärmewelle und alles ist weg", sagt der Naturschützer. Durch den Klimawandel sei der Kunstschnee nicht mehr als eine Sackgasse. "Wir wollen alle, dass der Harz touristisch boomt", sagt Knolle. Investieren solle man das Geld aber lieber an anderer Stelle.

Nüsse hält dagegen. "Die Wasserqalität hat sich in keinster Weise verschlechtert." Wie sein Kontrahent beruft er sich dabei auf Gutachten, die er jedes Jahr aufs Neue anfertigen lassen müsse. Vom ausbleibenden Winterwetter ist aber auch Nüsse gefrustet.

Ohne Frost keine Beschneiung

120 Skitage in Braunlage - das ist sein Ziel. Seitdem er künstlich beschneit, hat das aber noch nicht geklappt: In der Saison 2013/2014 sei man noch auf etwas mehr als 30 Skitage gekommen, schätz Nüsse. Im Jahr darauf seien es bereits 110 gewesen, noch im Frühjahr diesen Jahres wäre man bei 88 gelandet. "Eigentlich will man mehr erreichen", sagt der Betreiber des Skigebiets. Damit sich seine Investition rechne, müsse er nach zehn Jahren auf durchschnittlich 65 Skitage pro Jahr kommen, rechnet Nüsse vor. Lohnen würde sich das Risiko auf jeden Fall. Und ein Drittel habe man davon ja schon rum.

Auch im Harz haben sich die Jahreszeiten offenbar etwas nach hinten verschoben. "Was früher der November war, ist heute der Dezember", sagt Nüsse. Dafür bleibe das Winterwetter oft noch bis zu den Osterferien. Er setzt darauf, dass noch bis Ende April Wintersportler auf den Pisten des Wurmbergs ihr Vergnügen finden können. Für die ersten Besucher wird aber schon ein etwa 500 Meter langer Korridor auf der Hexenritt-Abfahrt präpariert. Dort sollen sich nach den Weihnachtstagen die ersten Skifahrer tummeln können. 

Nüsse hätte sein Skigebiet gerne schon vollständig geöffnet. Aber gegen das Wetter ist selbst die Technik machtlos. Die Schneekanonen und -lanzen entlag der Abfahrten brauchen die passenden Bedingungen für die Schneeproduktion. Sie zersteuben das Wasser lediglich - gefrieren müssen die kleinen Tropfen in der eisigen Luft von selbst. In den vergangenen Wochen waren die Bedingungen dafür nicht gut genug. Und auch die Hoffnung, der Ende November auf die Pisten gebrachte Schnee würde einen frühen Start in die Saison ermöglichen, ist durch Regen, Wind und Sonnenschein dahingeschmolzen.

Von Nils Oehlschläger

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