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Panorama Wissenschaftler forschen zum Leben im All
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21:34 20.07.2010
Von Nicola Zellmer
Unendliche Weiten – und die Frage, ob irgendwo da draußen Leben existiert, ist noch immer nicht beantwortet. Quelle: Nasa

Die Arbeit von Tilman Spohn gleicht einem Puzzle mit 10 000 kleinen Teilchen, von denen nur ein Bruchteil vorhanden ist. In der Helmholtz Allianz für Planetenentwicklung und Leben befasst sich der Geophysiker vom Institut für Planetenforschung des Deutschen Instituts für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Berlin mit der Möglichkeit außerirdischer Lebensformen und trägt mit seinen Kollegen und Partnern in aller Welt geduldig Puzzleteilchen um Puzzleteilchen für sein Wissensmosaik zusammen. „Leben außerhalb der Erde zu finden ist heute eine der größten Herausforderungen“, sagt Spohn, der zugleich wissenschaftlicher Koordinator der Allianz ist.

„Wir wollen wissen, welche Voraussetzungen ein Himmelskörper bieten muss, um die Entstehung von Leben zu ermöglichen“, erklärt Spohn. „Und wir gehen der Frage nach, inwieweit das Leben auch seine Umwelt formen kann.“ Bei der internationalen Weltraumkonferenz Cospar in Bremen, wo sich noch bis Freitag rund 3600 Wissenschaftler treffen, haben Spohn und seine Kollegen über die Suche nach Leben im Weltraum diskutiert.

Verglichen mit der Erde erscheinen die meisten Planeten in unserem Sonnensystem höchst unwirtlich. So herrschen auf der Venus mit ihrer dichten Kohlendioxidatmosphäre Durchschnittstemperaturen von mehr als 400 Grad Celsius. Die „Eisriesen“ Uranus und Neptun dagegen empfangen kaum Sonne und warten mit extrem frostigen Temperaturen auf. Der große Jupiter wiederum besteht fast nur aus Gasen, und auf seiner Oberfläche toben Wirbelstürme.

Als wahrscheinlichster Kandidat wird der orangerote Erdnachbar Mars mit seinen extremen Temperaturunterschieden gehandelt. Er könnte zumindest früher lebensfreundlicher gewesen sein, glauben viele Wissenschaftler. Doch Spohn ist skeptisch. „Es gibt noch vieles, was überprüft werden muss“, sagt er. „Dazu gehört auch die Behauptung, dass der Mars früher einmal feucht und warm gewesen ist.“ Dass den neuesten Daten zufolge tatsächlich einmal Wasser auf der Marsoberfläche geflossen ist, räumt auch der Geophysiker ein. Doch der Zuschnitt der Flusstäler zeige, dass der Rote Planet wohl deutlich mehr trockene als feuchte Zeiten hinter sich habe.

Vergleichen könne man immer nur mit der Erde als dem bislang einzig bekannten belebten Planeten, erklärt Harald Hellmann vom DLR-Institut für Raumfahrtsysteme. Hier gibt es flüssiges Wasser, Kohlenstoff und Sonnenenergie. Es gibt ein Erdmagnetfeld, das schädliche Weltraumstrahlung abfängt, sowie relativ angenehme Temperaturen, eine Atmosphäre mit Sauerstoff und alle notwendigen chemischen Elemente. Ein weiterer Pluspunkt sind für Hellmann die Massenvernichtungsereignisse der Erdgeschichte – etwa durch Eiszeiten oder Vulkanausbrüche. „Vor 200 Millionen Jahren wurden 80 Prozent aller Lebewesen ausgelöscht“, sagt der Wissenschaftler. Das schaffe Raum für die Weiterentwicklung des Lebens.

Bislang weniger bekannt ist, dass auch die Plattentektonik der Entwicklung von Leben dienlich ist. Aktuell besteht die Erde aus sieben großen Kontinentalplatten, die in einer fortwährenden Zeitlupenbewegung ins Erdinnere abtauchen, dort eingeschmolzen werden und am anderen Rand neu entstehen. „Man glaubt, dass dieser Zyklus nicht nur für das Abkühlen des Erdinnern und die Entstehung des Erdmagnetfelds, sondern auch für den Kohlendioxidzyklus entscheidend ist“, sagt der Geophysiker Spohn.

Ob das Leben sich tatsächlich nur auf erdähnliche Planeten beschränkt, ist jedoch noch nicht ausgemacht. „Wir müssen von unserer menschlichen Weltsicht weg und die fundamentalen Merkmale des Lebens entschlüsseln“, fordert etwa Pabulo Henrique Rampelotto vom Space Science Laboratory im brasilianischen Santa Maria. „Vielleicht ist das Leben anderswo im Universum überhaupt nicht vergleichbar mit dem auf der Erde – und kann auch nicht mit Teleskopen und Landefähren identifiziert werden“, sagt der Forscher. Er sucht daher nur nach Kohlenstoff, Flüssigkeit und Energie.

Auf diese Weise hat Rampelotto in den Weiten des Weltalls einige mögliche Kandidaten für ammonium-, schwefel- oder silikonbasiertes Leben ausgemacht. Großer Favorit ist der Saturnmond Titan mit seiner Stickstoffatmosphäre sowie flüssigem Äthan und Methan auf seiner Oberfläche. Aber auch der Neptunmond Triton und der Saturnmond Enceladus mit ihren Kältevulkanen stehen auf der Liste des Brasilianers weit oben. „Erdähnliche Umweltverhältnisse dürften nicht so verbreitet sein, wie man bisher angenommen hat“, sagt Rampelotto. Bei Spohn stößt der Brasilianer aber auf Widerspruch. „Das ist extrem optimistisch gedacht“, sagt der DLR-Geophysiker. „Auf Triton etwa ist unklar, wo Lebewesen die notwendige Energie finden könnten.“

Dass das Leben mitunter ungewöhnliche Formen annimmt, weiß auch Spohn. Sein DLR-Kollege Jean-Pierre de Vera hat für die Helmholtz Allianz die Mikroorganismen verschiedener kalter Lebensräume von Spitzbergen über die Alpen und das spanische Sierra-de-Gredos-Gebirge bis hin zur Antarktis verglichen. „In Gletschern, Moränen und Permafrostböden findet man überall die gleichen Schneealgen, Cyanobakterien und Flechten“, sagt er. „Das sind die Pionierorganismen dieser extremen Lebensräume.“ Vor allem in Felsrissen finden die Bakterien und Flechten genug zum Leben. „Manchmal reicht dort schon die Luftfeuchtigkeit für die Photosynthese aus“, erklärt de Vera. „Und genau solche Felsrisse finden wir auch auf dem Mars.“

Reichlich Hinweise also, wo man nach den fehlenden Puzzleteilchen für die Frage nach dem außerirdischen Leben suchen könnte. Geduld werden die Forscher der Helmholtz Allianz dafür aber noch reichlich brauchen. Doch laut Spohn geht es in dem Projekt auch nicht darum, neue Welten für die Menschheit zu erschließen. „Wir sind sicherlich besser beraten, unsere Erde zu pflegen, bevor wir daran denken, woandershin auszuwandern“, meint der Geophysiker.

Nachts kommen sie aus ihren Verstecken. Sie spüren die Wärme, die vom Körper eines Menschen ausgeht, nähern sich - und dann stechen sie zu: die Bettwanzen. Das sind winzig kleine Tiere, die sich von menschlichem Blut ernähren. Deshalb stechen sie uns. Wenn sie sich ganz voll gesaugt haben, können sie etwa neun Millimeter groß werden.

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