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Panorama Wird jetzt auf den Wolf geschossen?
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00:16 21.02.2016
Von Michael B. Berger
Der Wolf beschäftigt die niedersächsische Politik. Quelle: dpa (Archiv)
Hannover

Viel mit dem Wolf zu tun hat Jörg Pankla allein schon, weil er im Gemeinderat von Munster im Heidekreis sitzt. Der CDU-Politiker zählt sich weder zu den Wolfshassern noch zu den Wolfsfreunden. Der Wolf habe auf den Truppenübungsplätzen der Umgebung sein eigenes Territorium, sagt Pankla, „und so lang er sich aus unserem Territorium fernhält, ist alles gut“. Doch der Wolf hält sich nicht mehr an sein Revier, er verhält sich überhaupt nicht so, wie er sollte: Weil ein Tier des Munsteraner Rudels, das seit einigen Monaten einen Sender trägt, keine Scheu mehr vor Menschen zeigt und sich nicht mal vertreiben lässt, bereitet Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel die „Entnahme“ des sonderbaren Tieres vor. Ob „Entnahme“ aber den gezielten Abschuss oder ein Einfangen des Tieres bedeutet, ließ Wenzel offen.

Der Minister betonte, dass vor die „Entnahme“ des unter strengem Naturschutz stehenden Tieres rechtlich sehr hohe Hürden gesetzt sind. So sei bereits am Freitag vergangener Woche das Wolfsbüro des Bundes eingeschaltet worden. Man müsse jetzt prüfen, ob auch „mildere Mittel“ möglich seien. Deshalb habe man mit einem schwedischen Experten Kontakt aufgenommen, „der sehr kurzfristig Maßnahmen zur Wiederherstellung der Fluchtdistanz“ einleiten könnte.

Für Panklas hat sich durch den Wolf viel verändert: Der CDU-Politiker hat ein 16 Wochen altes Baby. Seine Frau Melanie schob den Jungen Anfang der Woche im Kinderwagen durch das Örtchen Breloh bei Munster, als ein Tier plötzlich vor dem Kinderwagen stand. „Der war groß, ich hatte Angst um mich und mein Kind“, sagt Melanie Pankla, sie sei schnell nach Hause gelaufen. Doch als sie an ihrem Hof ankam, war das Tier auch da – es war ihr offenbar durch den Wald gefolgt. „Der hat nichts gemacht, nur geguckt, aber das hat mir gereicht. Der hatte keine Angst.“ 

Seitdem einer oder mehrere Wölfe durch den Ort streifen, kann auch Panklas sieben Jahre alter Sohn nicht mehr spielen wie er will. Es gibt eine selbst gebaute BMX-Bahn im Ort, auf der die Kinder mit ihren Fahrrädern fahren. „Unseren Sohn lassen wir da nicht mehr hin“, sagt Melanie Pankla. Ihr Mann ergänzt: „Aber warum sollen wir uns in unserem Wohngebiet einschränken? Der Wolf soll uns bitte unseren Lebensraum lassen.“ 

Ein mulmiges Gefühl der Menschen, die dem Wolf begegnen – man trifft es fast überall an, wo der Wolf auftaucht. Das gilt auch für Wardböhmen im Kreis Celle, rund 25 Minuten mit dem Auto von Breloh entfernt, dazwischen liegt der Truppenübungsplatz Munster. Dort hat vor einiger Zeit ein angeblicher Wolf einen Hund verletzt – der letzte Beweis fehlt. Doch Ortsbürgermeisterin Anni Cornils sagt: „Das war ein Wolf.“

 „Man hat uns den Wolf ganz anders verkauft“

Sie lässt ihre Kinder seitdem nicht mehr mit dem Hund spazieren gehen. Nicht nur das sorgt bei den Menschen im Ort für Verärgerung – sondern auch „die in Hannover“ und ihr Umgang mit der Rückkehr der Tiere. „Man hat uns den Wolf ganz anders verkauft. Mit schönen Bildern. Der Wolf sei scheu, hieß es. Der geht nicht an Menschen“, erinnert sich Cornils an Gespräche mit dem Umweltministerium und Wolfsberatern. Doch an diese Sätze mag sie nicht mehr glauben: „Das ist nicht so“, sagt die Ortsvorsteherin.

Auch die Bauern fühlten sich von der Landesregierung alleingelassen, berichtet der Celler Kreislandwirt Jürgen Mente. „Gerade, wenn Tiere gerissen werden. Dann ist die Hürde für Entschädigungen sehr hoch.“ Mente berichtet von Landwirten, die ihre Weiden schon umgepflügt hätten, weil sie es nicht mehr wagen, ihre Tiere nach draußen zu bringen. „Das Risiko, dass sie gerissen werden, ist zu hoch.“ 

Mente prophezeit: „Wenn das so weitergeht, wird man bald nur noch sehr wenig Weidehaltung sehen.“ Er findet: „Gewisse Tiere müssen auch mal als Problemwölfe eingestuft – und dann entnommen werden.“ Doch da seien die Behörden viel zu zaghaft.

Von Karl Doeleke 
und Michael B. Berger

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