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Panorama Wie zwei Esel die Schafe vor Wölfen schützen
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08:44 23.08.2017
Grasen in Eintracht mit den Schafen auf einem Deich bei Cuxhaven: Die beiden Esel Klaus und Claus sollen die Schafe vor Wölfen schützen. Quelle: dpa
Cuxhaven

Mit einer seiner Herden von mehr als 250 Mutterschafen steht Kay Krogmann auf dem Deich bei Cuxhaven, da wo die Elbe in die Nordsee mündet. Zwei Esel sind dabei, sie heißen Klaus und Claus. Die Schafe sind für den Erhalt der Deiche unerlässlich, sie verdichten den Boden und halten die Grasnarbe kurz. Die beiden Esel sollen sie vor den Wölfen schützen, die längst auch an der Küste angekommen sind. Claus und Klaus sind Teil eines Projektes zum Herdenschutz des NLWKN

„Esel schreien, wenn der Wolf kommt - das ist eine biologische Alarmanlage“ erklärt Frank Faß, Leiter des Wolfcenters Dörverden. „Im Zweifelsfall können sie die Wölfe sogar angreifen und nach ihnen treten oder sie beißen.“ Faß hat ein Buch über Herdenschutz geschrieben, im September soll es erscheinen. Seine Mitarbeiterin Gesa Richter hat das Kapitel über Esel verfasst. „Es gibt im Ausland erfolgreiche Projekte mit Eseln, aber auch gescheiterte - das scheint auch vom Charakter des einzelnen Esels abzuhängen“, sagt sie. Faß betont: „Wir müssen alle Schutzmaßnahmen der Wolfsabwehr versuchen.“

Schafsbesitzer Krogmann berichtet, dass erst Anfang August ein Wolf in einer seiner Herden zugeschlagen habe. Ein genetischer Nachweis liege noch nicht vor, doch die Fußabdrücke und die Spuren an den vier getöteten Schafen würden eine eindeutige Sprache sprechen. „Nur 15 Kilometer von hier werden immer wieder Wölfe gesichtet, möglicherweise hat sich ein neues Rudel gebildet“, sagt Krogmann. Er verlor seit 2012 schon rund 50 Schafe durch die Wölfe. „Langfristig werden da, wo Wölfe sind, keine Schäfer mehr sein.“

Die beiden Esel hat Krogmann seit Oktober vergangenen Jahres. Auf den Deichen können keine Zäune aufgestellt werden und Herdenschutzhunde sind tabu, die Gefahr für Urlauber ist zu groß - deshalb die Esel. „Den Winter haben die beiden gut überstanden“, berichtet Krogmann. Die Esel seien in die Herde integriert worden. „Sie sind aufmerksam, auch was fremde Hunde betrifft“, sagt er anerkennend. „Touristen und Radfahrer beachten sie gar nicht, da sind sie völlig entspannt.“

Der Verein Noteselhilfe sieht das Projekt kritisch

Das Projekt läuft noch bis Juni kommenden Jahres. „Danach können die Esel gern in der Herde bleiben, die Touristen sind begeistert“, sagt der Mann mit dem klaren Blick. „Ich schätze die Schutzfunktion als gering ein, aber einen einzelnen Wolf halten sie vielleicht ab.“

„Esel werden derzeit in Deutschland noch nicht als Herdenschutztiere gefördert, da zu wenig Erfahrungen mit diesen Tieren vorliegen“, erläutert Bettina Dörr vom NLWKN-Wolfsbüro in Hannover. Das soll die Pilotstudie mit Klaus und Claus ändern. Umfangreiches Videomaterial wurde gesammelt. „Es ist geplant, anhand des vorliegenden Materials unter anderem die Reaktion der Esel auf Hundeartige zu untersuchen.“ Wegen unterschiedlicher landschaftlicher Gegebenheiten müssten in Niedersachsen zusätzliche Möglichkeiten beim Herdenschutz entwickelt werden, insbesondere im Bereich der Deiche. „Jetzt müssen ganz schnell für die Deiche praktikable Lösungen her“, fordert auch Krogmann. „Sonst heißt es: die Wölfe oder der Deichschutz.“

Der Verein Noteselhilfe, ein Tierschutzverein, berät bei der artgerechten Haltung von Eseln. „Wir halten prinzipiell nichts von Herdenschutzeseln“, sagt Uta Over, die Wolfsbeauftragte des Vereins. „Das geht auf Kosten der Tiere, da sind Elektrozäune und Vergrämungsmaßnahmen die teurere, aber bessere Wahl“, meint sie. „Esel vertragen keinen Regen, ihre Haut ist dafür nicht geeignet.“ Zudem verursache der weiche Boden eine Entzündung an den Hufen, die mit wahnsinnigen Schmerzen verbunden sei. Und: „Wenn die Schafherde von mehreren Wölfen angegriffen wird, haben die Esel keine Chance.“ Die Interessengemeinschaft für Esel- und Mulifreunde sieht das ganz ähnlich. „Esel sind Exoten, die Tiere gehören in den Süden“, sagt die Vorsitzende Barbara Bank.

"Die Esel haben eine Chance verdient"

„Meine Esel stehen unter ständiger Beobachtung eines Tierarztes“, betont dagegen Krogmann. „Weder sind die beiden zu fett noch haben sie Hufrehe. Das Klima gefällt den beiden - 90 Prozent der Zeit stehen sie am Außendeich an der Nordsee.“

Faß und Richter halten das Projekt mit Claus und Klaus für ausgesprochen sinnvoll: „Es gibt kein Allheilmittel mit hundertprozentiger Sicherheit“, sind sich beide einig. „Zäune und Herdenschutzhunde haben sich gut bewährt, doch auch sie können im Einzelfall versagen. Das gilt auch für Esel - sie haben ihre Chance verdient.“

lni

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