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09:14 07.03.2017
1625 Biogas-Anlagen gibt es aktuell in Niedersachsen. Quelle: Holger Hollemann
Hannover

Biogas stand einmal für vieles, für das Niedersachsens Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) kämpft: Erneuerbare Energie, eine umweltfreundliche Agrarwirtschaft, neue Perspektiven auch für kleine Bauernhöfe. Spricht man Meyer aber in diesen Tagen auf Biogas an, hört man eine eher durchwachsene Analyse und schließlich den Satz: „Wir wollen keinen Ausbau der Biogasanlagen in Niedersachsen.“ Jedenfalls nicht in der bisherigen Form. Der Kurswechsel der Grünen hat einen Grund: Der einstige Pionier Biogas macht mittlerweile Probleme.

Der jüngste Tiefschlag kam erst vor einigen Wochen: Bund und Länder einigten sich darauf, auch die Gärreste aus Biogasanlagen in die Düngebilanz aufzunehmen. Und diese Reste tauchen dann prompt als größter Posten in der Rechnung auf: 52,6 Prozent des überschüssigen Naturdüngers stammen aus den Fermenterkammern der Biogasanlagen. Zum Vergleich: Schweinegülle macht nur 20 Prozent der überschüssigen Düngemittel aus, Geflügelmist gerade einmal 6 Prozent. In dieser Rechnung ist Biogas keine saubere Energieform.

Der Preis des eigenen Erfolgs

Die meisten Probleme mit Biogas sind eine Folge des Erfolgs. Innerhalb von etwas mehr als zehn Jahren ist Strom und Wärme aus Biogasanlagen in Niedersachsen zu einem Wirtschaftsfaktor gewachsen: 1625 Anlagen gibt es aktuell im Land, die zusammen 887 Megawatt Strom produzieren können - das sind zwei Drittel der Leistung des Kernkraftwerks Grohnde. In keinem anderen Bundesland stehen so viele Anlagen wie zwischen Ems und Elbe.

Mit dem Boom der Biogasanlagen stieg auch der Bedarf an Gärstoffen: Der Maisanbau wuchs rapide, teilweise standen die langen Stängel auf 10 Prozent aller landwirtschaftlichen Flächen in Niedersachsen. Trotz Versuchen, mehr Gülle in die Anlagen zu bringen, macht Mais immer noch 59 Prozent des Inputs aus.

Aktuell wird in Niedersachsen auf rund 233.000 Hektar Energiemais für Biogasanlagen angebaut - das entspricht etwas mehr als der Fläche der Region Hannover. Im Agrarministerium wird das kritisch gesehen: Die Monokultur habe „erhebliche Nachteile für die Umwelt (Bienen, Insekten) und sorge mit für einen enormen Anstieg der Pacht- und Bodenpreise“, sagt ein Sprecher.

Im Jahr 2014 kappte der Bund die Förderungen des Biogasstroms von maximal 28 Cent pro Kilowattstunde schrittweise auf nunmehr maximal 20 Cent. Der Ausbau der Anlagen wurde abgebremst, doch damit drohen einigen Bauern wirtschaftliche Probleme. Aber auch die erfolgreichen Betreiber müssen sich auf eine kompliziertere Zukunft einstellen.

Die Strompreise sind auf 20 Jahre festgeschrieben. „Viele müssen sich jetzt Gedanken machen, was sie machen, wenn die Vergütung ausläuft“, sagt Tobias Röther vom Kompetenznetzwerk 3N für nachwachsende Rohstoffe und Bioökonomie in Göttingen. Das ist ab dem Jahr 2024 der Fall.

Eine Zukunft als Treibstoff?

Harald Wedemeyer vom Landvolk Niedersachsen sieht vor allem zwei Chancen für Biogas: Als Treibstoff für Autos könnte das Biomethan eine tragende Rolle bekommen. Und zudem kann mit dem Gas der Anlagen in den Blockheizkraftwerken schnell Strom produziert werden, wenn er gebraucht wird. Und für diesen flexibel lieferbaren Strom gebe es einen Markt, so Wedemeyer.

Doch dafür müssten die Landwirte in Zukunft mehr Zeit in die Vermarktung stecken. „Das ist ein erheblicher Aufwand“, so der Landvolk-Experte. Da derzeit gleichzeitig auch die Ansprüche an die Landwirte bei Tierhaltung und Ackerbau deutlich anstiegen, sei es fraglich, ob das jeder Bauer leisten könne.

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