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Panorama Wie sich der Ort Bleckede nach oben kämpft
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00:15 03.07.2017
Typisch Bleckede: Ein Ensemble aus Fachwerkfassaden an der Breiten Straße.
Bleckede

In Bleckede laufen derzeit so viele Sanierungen und Verschönerungsmaßnahmen in Altstadt und Hafen, dass das Städtchen zum echten Schätzchen wird.

Mit dem Kreisel fing es an

„Hiermit fing alles an“, sagt ein groß gewachsener Mann in Hemd und Sakko und zeigt auf einen Straßenkreisel am Ortseingang. Nun mag ein einfacher Kreisel nicht gerade das sein, was Besucher von auswärts magisch in eine Stadt zieht. Für die Stadt selbst kann er aber zu einem Symbol werden.

Hier wird eine Promenade entstehen, außerdem eine Terrasse mit Sitzgelegenheiten und Blick auf die Elbe: Bürgermeister Jens Böther am Bleckeder Hafen.

In Bleckede ist der Kreisel Symbol dafür, was hier alles passieren wird in den nächsten Jahren. Und dass diese Großbaustelle nur der Anfang war.

Der Mann im Sakko heißt Jens Böther, ist 51 Jahre alt und seit elf Jahren Bürgermeister von Bleckede: 6000 Einwohner in der Kernstadt und weitere 3500 auf zwölf Ortsteile verstreut. Als der Diplom-Verwaltungswirt 2006 sein Büro im Rathaus bezog, war das fatale Elbe-Hochwasser gerade vier Jahre her. Und Jens Böther und sein vierköpfiges Bauamt waren die nächsten fünf Jahre damit beschäftigt, Deiche zu planen und zu bauen.

Neben den Pflichtaufgaben blieb da nicht viel Platz für anderes, Freiwilliges, Schönes. Zwar hat es sich die Kleinstadt geleistet, mithilfe von Fördermitteln ein riesiges und politisch umstrittenes Aquarium mit Biberanlage am Schloss zu bauen. Das war es aber auch schon. Schließlich zählt die Gemeinde zu den steuerschwächsten der ganzen Region, dem ehemaligen Zonenrandgebiet zur DDR.

Hafenfest mit Raddampfer

Historische Schiffe machen am kommenden Sonntag, 2. Juli, im Bleckeder Hafen fest und bieten teilweise auch Rundfahrten an. Der Hafensonntag läuft von 11 bis 17 Uhr zwischen dem Fähranleger und dem Fahnenmast. Auch der historische Raddampfer Kaiser Wilhelm mit seiner ehrenamtlichen Besatzung, gebaut im Jahr 1900 und noch heute von einem kohlebefeuerten Dampfkessel angetrieben, wird an diesem Tag regelmäßig von Bleckede nach Lauenburg und zurück fahren. Cg

Mittlerweile sind alle Deiche gebaut, und auf einmal ragen Baukräne in den Himmel und hängen Behördenschreiben mit grünen Kreisen in den Fenstern: „Diese Baumaßnahme ist genehmigt“, steht darauf. Jahrelang haben die Bevölkerungszahlen stagniert, aber jetzt zeichnet sich erstmals ein Wachstum ab. Endlich verkauft die Gemeinde wieder Grundstücke, ein seit Jahren bestehendes Neubaugebiet ist mittlerweile zur Hälfte veräußert. Gerade hat der Rat die Ausweisung eines weiteren Baugebiets beschlossen. Das hat es seit mehr als zehn Jahren nicht gegeben in der Stadt.

Arbeitende Handwerker sind ein Anblick, den Besucher in den nächsten Jahren auch in der Breiten Straße häufiger sehen werden, dem Weg mit den meisten Fachwerkhäusern des Ortes.

Nummer 23 ist ein typisches Beispiel für den Wandel in der Stadt, erzählt der Bürgermeister beim Bummel durch die Straße: früher ein Fachgeschäft, bald ein Café. „Der Einzelhandel hat es in einer Kleinstadt wie unserer schwer“, sagt Böther. Wenn ein Inhaber ins Rentenalter kommt, finden sich kaum Nachfolger. Das war beim Schuhgeschäft so und beim Uhrmacher ein paar Häuser weiter auch.

Was besser funktioniert in der schmucken Gasse, das ist Gastronomie. So zieht die mithilfe der Wirtschaftsförderung eröffnete Brauerei Gäste mit ihrem selbst gebrauten Bier an, verknüpft ein Café sein kulinarisches Angebot mit Lesungen und Ausstellungen, und aus dem Schuhgeschäft wird eine Eisdiele.

Fördermittel machen’s möglich

Städtebauförderung lautet die Zauberformel für die zahlreichen Sanierungen, denn die Altstadt mit ihren 60 Baudenkmalen steht als Ensemble unter Denkmalschutz. Wenn ein Eigentümer sich in Bleckede für die Aufarbeitung seines historischen Hauses entscheidet, erhält er dafür Fördermittel: von Kommune, Land und Bund. „Anders würde das alles hier nicht funktionieren“, sagt Böther.

Das gilt auch für die Projekte Hafen und Schloss: Am Fähranleger sollen eine Promenade und eine Terrasse mit Sitzgelegenheiten sowie Stellplätze für Wohnmobile gebaut werden, am Schloss wird der Trakt aus dem 16. Jahrhundert saniert. Insgesamt 7,5 Millionen Euro machen Bleckede in den nächsten Jahren zum echten Schmuckstück an der Elbe.

Von Carolin George

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