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00:16 25.03.2017
Auch im OP-Saal passieren Fehler - die Ärztekammer bietet dann Hilfe an. Foto: dpa Quelle: Maurizio Gambarini
Hannover

Vier Stufen war die Patientin auf der Außentreppe vor ihrem Haus runtergerutscht - ein Unfall, der in diesem Fall nicht glimpflich vonstattenging. Unter großen Schmerzen schleppte sich die Frau in die Praxis. Was dann geschah, ist im Nachhinein kaum nachzuvollziehen: „Sie konnte kaum laufen, aber das Bein wurde nicht vernünftig untersucht“, schildert Professor Winfried Berner den Fall. Die Patientin wird mit Schmerzmitteln nach Hause geschickt. Doch es bleiben Probleme, und Monate später stellt sich heraus, dass die Strecksehne am Oberschenkel gerissen war. Ein einfacher Test schon beim ersten Praxisbesuch hätte das offenlegen können, meint Berner: Indem man die Patientin bittet, ihr Bein zu strecken. „Wenn das nicht geht, dann weiß ich doch, da muss ich genauer ran“, wundert sich der Mediziner.

Für solche Fälle hat die Ärztekammer in Niedersachsen eine Schlichtungsstelle eingerichtet - sie untersucht, ob Mediziner gepfuscht haben. Die Nachfrage ist allerdings in den vergangenen Jahren leicht gesunken: Meldeten sich im Jahr 2012 insgesamt 1560 Patienten, waren es 2016 nur noch 1353 - ein Minus von 13,3 Prozent. Die Ärztekammer ermutigt Patienten, diesen Weg zu gehen, wenn es Probleme mit einer Behandlung gibt: „Es ist niedrigschwellig, es ist kostenfrei, und es wird nach allen Ermessenspunkten neutral durchgeführt“, sagt Martina Wenker, Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen.

Beweisfoto Röntgenbild

Am häufigsten melden sich Patienten, wenn es bei orthopädischen Behandlungen oder der Unfallchirurgie Probleme gab. Professor Berner, der für die Schlichtungsstelle als Gutachter arbeitet, sieht dafür einen einfachen Grund: Der Nachweis eines Fehlers sei in diesem Bereich leicht, „die Tatsachen sind meist durch ein Röntgenbild belegt“. In der Unfallchirurgie etwa werde viel mit Platten und Schrauben gearbeitet. „Da kann man schnell sehen, ob eine Schraube zu kurz oder zu lang ist. Ist sie zu lang, dann schaut sie unter der Haut hervor - und das stört“, konstatiert Berner trocken.

Ein solcher klarer Nachweis eines Fehlers sei etwa bei einer Bauchoperation schwieriger. Zudem hätten viele Menschen gerade in der Chirurgie hohe Erwartungen an die Heilkunst der Ärzte. „Da wird erwartet, dass man das schnell operiert und dass dann schon wieder alles gut ist. Doch so leicht ist es nicht“, meint der Mediziner.

Nicht alle Verfahren gehen daher im Sinne der Patienten aus: 16 Monate dauern die Prüfungen durch die Gutachter im Schnitt. 813 Verfahren wurden im vergangenen Jahr abgeschlossen. Bei 512 Fällen (63 Prozent) stellten die Gutachter am Ende keinen Behandlungsfehler fest. Bei 233 Fällen (29 Prozent) fanden die Gutachter einen klaren Fehler, der zu Problemen für den Patienten geführt hatte. Der Rest sind Behandlungsfehler ohne größere Folgen.

Kammer will offene Fehlerkultur

Zusätzliche 555 Verfahren wurden ohne Ergebnis beendet. Dies sei etwa der Fall, wenn die Haftpflichtversicherung des Krankenhauses dem Verfahren nicht zustimme und entweder gleich zahle oder es auf einen Prozess ankommen lasse, so Kerstin Kols, Geschäftsführerin der Schlichtungsstelle. Lassen aber beide Seiten die Schlichtungsstelle ihre Arbeit machen, hat dies meist einen nachhaltigen Wert: In 85 Prozent der Fälle gebe es anschließend keinen Prozess. Es müsse dann noch ausgehandelt werden, ob die Versicherung der Klinik zum Beispiel ein Schmerzensgeld, eine Haushaltshilfe oder einen Verdienstausfall bezahle.

Von Ärztepfusch will Wenker in diesem Zusammenhang nicht sprechen: „Wir sind keine Pfuscher, aber es passieren leider Fehler.“ Es sei wichtig, mit Fehlern oder Beinahefehlern offen umzugehen und daraus zu lernen. Bei einer solchen offenen Fehlerkultur gebe es in der Ärzteschaft allerdings „noch Luft nach oben“ räumt sie ein.

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