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Panorama Bergung der "Glory Amsterdam" kann noch Tage dauern
Mehr Welt Panorama Bergung der "Glory Amsterdam" kann noch Tage dauern
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18:41 31.10.2017
Der gestrandete Frachter vor Langeoog.  Quelle: Bundespolizei
Langeoog

Die Bergung des vor der Nordseeinsel Langeoog gestrandeten Frachters wird noch einige Tage dauern. Die Experten wollen von Dienstagabend an Ballastwasser abpumpen, damit Schlepper diesen von der Sandbank befreien können. Dies werde einige Zeit in Anspruch nehmen, sagte der Leiter des Havariekommandos, Hans-Werner Monsees. Die Bergung werde nun Schritt für Schritt vorbereitet. „Wir hoffen, dass wir es vor dem Wochenende erledigt haben.“

Ursprünglich sollten Schlepper den 225 Meter langen Schüttgutfrachter „Glory Amsterdam“ schon am Montagabend von der Sandbank ziehen. Doch das Havariekommando musste seine Pläne ändern, weil die Wassertiefe selbst bei Hochwasser dafür nicht ausreichte. Die Experten suchten am Dienstag deshalb nach einer Alternative.

Nun wollen sie die 22000 Tonnen Ballastwasser abpumpen, die das unbeladene Schiff stabil auf See halten sollten. Gleichzeitig sollen zwei Hochseeschlepper es mit rund 1000 Meter langen Schleppleinen sichern. Der Wind könnte den leichter werdenden Frachter sonst noch weiter aufs Land treiben, erläuterte der Sprecher des Havariekommandos, Michael Friedrich.

Umweltschützer und Fischer in Sorge

Umweltschützer und Fischer blicken mit Sorge auf den gestrandeten Frachter. In den Treibstofftanks der „Glory Amsterdam“ sind gut 1800 Tonnen Schweröl und 140 Tonnen Marinediesel. Der Unglücksfrachter sei eine erhebliche Gefahr für den Nationalpark Wattenmeer, in dem zurzeit zahlreiche Watvögel, Enten und Gänse rasteten, teilte die Umweltschutzorganisation WWF mit. Die deutschen Kutter- und Küstenfischer befürchten, dass Öl die Fanggebiete über Monate verschmutzen könnte.

Dennoch haben sich die Bergungsspezialisten dagegen entschieden, die Treibstoffe vorsorglich abzupumpen. „Das Schiff ist sicher und weist keine Risse auf“, sagte Friedrich. Beim Abpumpen bestehe erst recht die Gefahr, dass Öl ins Wasser gelange. Ein Ölüberwachungsflugzeug fliegt regelmäßig über das Gebiet rund um den Frachter. Ausgetretenes Öl hat es nach Angaben des Havariekommandos bisher nicht entdeckt.

Die „Glory Amsterdam“ war am Sonntag in der Deutschen Bucht abgetrieben. Das Schiff hatte zuvor den Hamburger Hafen verlassen und war in der Nähe von Helgoland auf Reede gegangen. Auf diese Weise könnten die Schiffe Hafengebühren sparen, sagte Friedrich. Während des Sturms riss sich der Anker los. Schlepper versuchten zu verhindern, dass der manövrierunfähige Frachter auf die Sandbank zwei Kilometer vor Langeoog treibt. Doch die Schleppleine riss während des Sturms mit bis zu sieben Metern hohen Wellen immer wieder.

22 Seeleute sind auf der „Glory Amsterdam“. Ihnen geht es nach Angaben des Havariekommandos gut. Ein Mechaniker habe bisher erfolglos versucht, die Ruderanlage zu reparieren, sagte Friedrich. Diese sei blockiert, was die Bergung zusätzlich erschweren könne.

Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) forderte angesichts der schwierigen Bergung schärfere Sicherheitsvorschriften im Schiffsverkehr. Schiffe mit unzureichend ausgebildeten Besatzungen müssten bei der Hafenstaatenkontrolle gestoppt werden, teilte der Politiker mit. Außerdem seien strengere Bauvorschriften vor allem für Tanks und Ruderanlagen nötig.

Stichwort: Das Wattenmeer

Natürliche Lebensräume weitgehend ohne Einfluss des Menschen sind in Westeuropa selten geworden. Das Wattenmeer der Nordsee gehört dazu. 2009 erkannte die Weltkulturorganisation Unesco es als Weltnaturerbe an. Seitdem steht es auf einer Stufe mit dem Grand Canyon in den USA und den Galapagos-Inseln im Pazifischen Ozean.

Das Wattenmeer («watend begehbares Meer») entstand vor rund 10 000 Jahren, als nach der bisher letzten Eiszeit der Meeresspiegel anstieg und Festland überschwemmte. Wind und Gezeiten formen immer wieder neu ein etwa 11 500 Quadratkilometer umfassendes Gebiet, das sich von den Niederlanden die deutsche Nordseeküste entlang bis nach Dänemark erstreckt. Es beherbergt nicht nur Tausende Tier- und Pflanzenarten, sondern ist wegen seines Nahrungsangebotes auch als Rastgebiet für Millionen Zugvögel von unschätzbarer Bedeutung.

Von Irena Güttel

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