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Panorama Walskelett wird in der TiHo ausgestellt
Mehr Welt Panorama Walskelett wird in der TiHo ausgestellt
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00:16 12.01.2017
Von Gabriele Schulte
Im Januar 2016 strandeten Wale auf Wangerooge. Quelle: dpa
Hannover

Mitleid und Faszination liegen nah beieinander, wenn es um gestrandete Wale geht. Als vor einem Jahr Dutzende Kadaver von Pottwalen an Küsten und Inseln der Nordsee gespült wurden, trauerten Tierfreunde und suchten nach Ursachen für den Tod der Riesensäuger.

Im Meeresmuseum in Stralsund werden die Knochen eines Pottwals gereinigt, der in der Tierärztlichen Hochschule Hannover ausgestellt werden soll. Quelle: Deutsches Meeresmuseum

Gleichzeitig lockte die aufwendige Bergung der Giganten zahlreiche Schaulustige an. Demnächst können Interessierte zwei der Skelette in Niedersachsen bestaunen. Die Wale sollen auf Wangerooge und in Hannover ausgestellt werden. Auf Wangerooge könnte es bereits im April so weit sein, wie Bürgermeister Dirk Lindner am Montag der HAZ sagte. „Er soll vor dem Nationalparkhaus aufgestellt werden.“

30 Jungtiere angeschwemmt

Zwei tote Pottwale, die Anfang Januar 2016 am Strand von Wangerooge entdeckt wurden, stellten sich wenig später als Vorhut eines Walsterbens bis dahin ungekannten Ausmaßes in der Nordsee heraus: Insgesamt 30 Jungbullen verirrten sich in das für sie zu flache Wasser und starben entlang der Küsten von Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Großbritannien und Frankreich. Sie waren wohl bei der Futtersuche Tintenfischschwärmen gefolgt, die durch Stürme vom Atlantik in die Nordsee getrieben worden waren. Unter anderm wurden Walkadaver bei Bremerhaven und Helgoland entdeckt.

Auf Wangerooge hatte Lindner, der auch Kurdirektor der Ostfriesischen Insel ist, schnell die Idee, ein 11 Meter langes Riesenskelett präparieren zu lassen und auszustellen - und zwar eines der dort an den Strand geschwemmten Tiere. „Der Wal ist hier gelandet und kehrt hierher zurück“, sagt der Bürgermeister. Auf dem Außengelände vor dem Wattenmeer-Nationalparkhaus würden einige Bäume zurückgeschnitten, um für das riesige Ausstellungsstück Platz zu schaffen. Das Skelett werde so präpariert, dass es gegen Regen und andere Witterungseinflüsse unempfindlich werde. Draußen könnten Besucher es jederzeit ansehen.

Bei kostenlosem Eintritt könnten sich dann nicht zuletzt Schüler aus den Landschulheimen drinnen im Nationalparkhaus weiter informieren. Unter anderem werde dort Müll aus dem Magen des Tieres ausgestellt, sagt Lindner - zum Beispiel ein Autokennzeichen. „So können wir auf die Gefährdung der Weltmeere hinweisen“, meint der Bürgermeister. Die Kosten für die noch in den Niederlanden laufende Präparation und das Aufstellen beziffert er auf knapp 80 000 Euro, die sich die Gemeinde mit dem Kreis, einer Stiftung und Privatspendern teile; Sponsoren helfen bei Fundament und Beleuchtung.

Die Verladung von Einzelteilen der Riesensäuger erfordert oft schweres Gerät. Quelle: Deutsches Meeresmuseum

In Stralsund, wo das für die Tierärztliche Hochschule (TiHo) Hannover bestimmte Walskelett aufbereitet wird, dauert es wohl einige Monate länger. Am Deutschen Meeresmuseum lagern die Knochen in einem unter freiem Himmel aufgestellten sechs mal zwei Meter großen Metallcontainer, die Präparatoren machen zurzeit Winterpause. „Je kälter es draußen ist, desto sensibler ist die Apparatur zu handhaben“, sagt Michael Dähne, Kurator für Meeressäugetiere.

Erst bei Frostfreiheit gehe es mit der Entfettung der Knochen weiter, die konstant heißes Wasser erfordere. Anschließend müssten die Knochen noch mal gereinigt werden und vier Wochen trocknen, bevor sie nach Hannover gebracht werden. Die lange Dauer habe unter anderem damit zu tun, dass das Fett aus den porösen Knochen nicht mit scharfen Chemikalien herausgelöst werden könne, sondern nur mit Seifenlauge. „Da kann man leider nicht den Turbo einschalten“, sagt Dähne.

So muss sich Hannover gedulden. Wie eine TiHo-Sprecherin sagt, soll das Skelett dort wieder zusammengesetzt und in einem bisherigen Lagerraum der früheren Pferdeklinik wahrscheinlich vor allem als Anschauungsobjekt für Studenten dienen. Aber auch andere Interessierte werden sich den Wal ansehen können, kündigt die Sprecherin an - zumindest am Tag der offenen Tür.

Reichlich Plastik in Mägen obduzierter Pottwale

So etwas hatten die Meeresforscher zuvor noch nie gesehen: Die Mägen einiger an der Nordseeküste gestrandeter Pottwale, die im vergangenen Jahr obduziert wurden, waren mit großen Mengen Plastikmüll gefüllt.
Wie Prof. Ursula Siebert von der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) Hannover berichtete, wurden bei der Untersuchung von 13 Kadavern unter anderem eine 70 Zentimeter lange Plastikabdeckung aus dem Motorraum eines Autos und die Überbleibsel eines 13 Meter langen und 1,20 Meter breiten Schutznetzes gefunden, das in der Krabbenfischerei eingesetzt wird. Einige der 13 Jungbullen hatten so viel Plastikmüll geschluckt, dass ihr Magen damit fast komplett ausgefüllt war.

Gestorben waren die Wale zwar an Herz-Kreislauf-Versagen im für sie zu niedrigen Wasser. Der Müll hätte bei zwei der Tiere aber auch zum Tode führen können, sagte Siebert. In einem Fall drohten scharfkantige Teile eines Plastikeimers die Magen- und Darmwand eines Wales zu verletzen. „Das ist beschämend für uns als Menschen“, meinte die Meeresbiologin.

„Diese Funde zeigen uns die Auswirkungen unserer Kunststoffgesellschaft“, sagte Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck, als die Obduktionsergebnisse im März vergangenen Jahres vorgestellt wurden. „Im schlimmsten Fall verhungern einige Tiere bei vollen Mägen.“ Das sei eine Mahnung, verstärkt gegen Müll im Meer vorzugehen.     

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